Analyse
11:26 Uhr, 28.10.2026

China greift die Welt mit Deflation an. Über das Aldi & LIDL Prinzip.

China greift inzwischen in Solartechnik, Batterien, Elektroautos, Elektronik, Maschinen, Industriekomponenten und zahlreichen anderen Hightech Bereichen an. Zunehmend kommt eine weitere Ebene hinzu: Digitale Technologie und KI. Hier könnte die nächste große Deflationswelle entstehen, so BofA.

China flutet den Weltmarkt zunehmend mit Hightech, darin sieht Bank of America (BofA) ein wachsendes Risiko für die Gewinne westlicher Unternehmen. Chinas Hightech-Exporte haben im September rund 147 Mrd. USD in nur einem Monat erreicht. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Sprung von rund 63%. Gleichzeitig wächst die chinesische Hightech-Industrieproduktion um 15,3%, bei Computern, Kommunikation und Elektronik um 16,4%. Die gesamten chinesischen Exporte legten im September um 29,6% zu.

Das Problem für den Rest der Welt, die heimische Nachfrage in China hält mit diesem Produktionsboom nicht Schritt. Chinas Einzelhandelsumsätze stiegen im September lediglich um 1,1%. Et voila, das ist das "Problem": China baut immer größere Produktionskapazitäten auf, während der eigene Konsum schwach bleibt. Die überschüssige Produktion muss irgendwo hin. Also wird sie zunehmend auf den Weltmarkt gedrückt.

BofA bringt das auf eine Formel:
„Global EPS risk is China exports deflation.“

China exportiert also nicht nur Waren. China exportiert Preisdruck.

Steigert China seine Produktion, drängen mehr Waren auf die internationalen Märkte und erhöhen das globale Angebot. Dieses Überangebot setzt die Preise weltweit unter Druck, wodurch westliche Firmen spürbar an Preissetzungsmacht verlieren. Am Ende geraten die operativen Margen in die Zange, was unmittelbar auf die Unternehmensgewinne durchschlägt.

China greift inzwischen in Solartechnik, Batterien, Elektroautos, Elektronik, Maschinen, Industriekomponenten und zahlreichen anderen Hightech Bereichen an. Zunehmend kommt eine weitere Ebene hinzu: Digitale Technologie und KI. Hier könnte die nächste große Deflationswelle entstehen, so BofA.

Wenn chinesische KI-Modelle bei vergleichbarer Leistungsfähigkeit nur einen Bruchteil westlicher Angebote kosten, entsteht derselbe Effekt wie bei Solarmodulen oder Batterien ... Der Preis für die Technologie fällt.

Für US-Unternehmen muss China dabei nicht einmal technologisch führend sein. Es reicht, gut genug und erheblich billiger zu sein. Die USA investieren derzeit gigantische Summen in KI-Infrastruktur: GPUs, HBM Speicher, Datacenter, Netzwerke und Energieversorgung. China verfolgt parallel zunehmend eine andere Strategie ... Technologie skalieren und die Kosten aggressiv nach unten drücken.

Für Anleger muss das nicht automatisch bärisch für den gesamten KI-Komplex sein. Im Gegenteil ...Wenn der Preis für KI massiv fällt, können plötzlich viel mehr Anwendungen wirtschaftlich werden. Die Zahl der KI-Anfragen, Agents und automatisierten Prozesse könnte explodieren. China macht Technologie billiger und zwingt den Rest der Welt, in Teilen mitzuziehen.

Für den Konsumenten ist dieser maximale Wettbewerb positiv. Er bekommt qualitativ immer bessere Ware immer günstiger.

Auf diesen Mechanismus hatte ich hier im Stream übrigens vor einem Jahr hingewiesen. Dafür braucht man kein institutionelles Research, um das zu erkennen. So ein ganz kleines bisschen ist China das, was bei uns die Discounter wie Aldi und LIDL sind ... die skalieren stark, sie gehen über die Masse und können deshalb günstige Preise bieten. Und der Preis ist neben der Qualität der Ware nun mal nicht unwichtig.

Europa, die EU, die Allianz europäischer Staaten bietet den europäischen Unternehmen ebenfalls die Möglichkeit der massiven Skalierung. Das ist nur einer der Gründe, weshalb die Allianz für deutsche Unternehmen so wichtig ist. Wenn bestimmte Parteien für den Austritt aus der Union plädieren, handeln sie möglicherweise aus Sicht mit der EU konkurrierender Nationen oder sie haben schlichtweg keinen ökonomischen Sachverstand.


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1 Kommentar

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  • masi123
    masi123

    Ich würde nicht sagen China exportiert Deflation, sondern wir produzieren Inflation. Die u. a. durch Kreditexpansion/Staatsverschuldung induzierte Inflation verteuert alle Preise bei uns, nicht nur für den Verbraucher, sondern auch für die Unternehmen. Fatalerweise haben wir unser zweites Standbein amputiert und uns von billiger Energie (Atom, Pipeline-Gas) verabschiedet, was uns zusammen mit der Energiewende (z. B. Netzkosten, diverse Subventionen) nun weltweit mit die höchsten Energiepreise beschert hat.

    Die EU und ihre Kommissionspräsidentin hat u. a. mit ihrer weltfremden CO2-Neutralität einen erheblichen Teil zu den Problemen beigetragen. Ein Austritt wäre natürlich eine politische Katastrophe, rein wirtschaftlich betrachtet wären aber auch andere Formate denkbar, wie z. B. mit der Schweiz oder wie es für Kanada geplant ist. Mit den neuen Wünschen der EU würde unser jährlicher(!) Beitrag auf ~70 Milliarden steigen, was selbst unserem Bundeskanzler, dem Parteikollegen der Kommissionspräsidentin, zu viel erscheint.

    12:01 Uhr, 28.10.