Die China Story kippt: USA bauen ihren Vorsprung aus!
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Jahrelang schien die Sache fast entschieden, China wächst schneller, die USA werden irgendwann überholt. Economist, Goldman Sachs, OECD und andere Institutionen prognostizierten seit 2010 immer wieder, dass Chinas nominales BIP innerhalb relativ kurzer Zeit die Größe der US-Wirtschaft erreichen würde.
Heute sieht die Lage anders aus. Chinas nominales BIP beträgt derzeit nur rund zwei Drittel des amerikanischen. Der IMF veranschlagt für dieses Jahr ungefähr 20,85 Bio. USD für China gegenüber 32,38 Bio. USD für die USA. China kommt damit auf rund 64% der amerikanischen Wirtschaftsleistung, wenn man beide Volkswirtschaften zu aktuellen Dollarpreisen vergleicht. Besonders bemerkenswert, China war schon einmal wesentlich näher dran. Um 2021 erreichte das chinesische BIP ungefähr 75 bis 77% der US-Wirtschaftsleistung. Danach fiel China wieder deutlich zurück. Oxford Economics erwartet zwar in den kommenden Jahren erneut eine Annäherung, aber selbst 2040 soll China "nur" bei ungefähr 84% der amerikanischen Wirtschaftsleistung liegen.
Damit verändert sich eine der großen geopolitischen Grundannahmen der vergangenen Jahre. Wird China die USA wirtschaftlich überholen ? Das ist nach heutigen Stand nicht mehr klar. Ein wesentlicher Grund liegt darin, dass nominales BIP in US-Dollar nicht nur vom realen Wirtschaftswachstum abhängt. China wächst real weiterhin schneller als die USA. Der IMF erwartet für dieses Jahr rund 4,6% reales Wachstum in China gegenüber etwa 2,3% in den USA. Eigentlich müsste China damit weiter aufholen. Doch zusätzlich zählen Inflation und Wechselkurs. Hier verliert China Boden.
China kämpft seit Jahren mit extrem niedrigem Preiswachstum und teilweise sogar Deflationsdruck. Die USA haben dagegen deutlich höhere nominale Wachstumsraten. Dadurch wächst das amerikanische BIP in Dollar schneller, selbst wenn China real stärker expandiert. Hinzu kommt der Renminbi. Eine schwächere chinesische Währung reduziert das in Dollar gemessene chinesische BIP zusätzlich. China kann also real um 4 oder 5% wachsen und gegenüber den USA trotzdem kaum aufholen, wenn gleichzeitig die Preise kaum steigen und der Renminbi schwach bleibt.
Der zweite große Faktor ist Chinas Immobilienkrise. Über Jahrzehnte waren Immobilien, Infrastruktur und kreditfinanzierte Investitionen zentrale Wachstumsmotoren. Dieser Mechanismus funktioniert nicht mehr wie früher. Immobilienpreise stehen unter Druck, Bautätigkeit ist eingebrochen, Haushalte sind vorsichtiger und Unternehmen investieren zurückhaltender. Die Financial Times beschreibt inzwischen deutliche Parallelen zu Japan nach 1990. Immobilienkrise, Deflationsdruck, hohe Verschuldung, alternde Bevölkerung und schwache Konsumnachfrage.
Drittens kommt die Demografie. Chinas Bevölkerung schrumpft und altert. Weniger Erwerbstätige bedeuten langfristig weniger potenzielles Wachstum. Die USA verfügen dagegen weiterhin über eine deutlich günstigere demografische Dynamik. Viertens bleibt China extrem stark bei Produktion und Exporten. Aber genau daraus entsteht inzwischen ein neues Problem. Die chinesische Industrie und insbesondere die Hightech-Produktion wachsen sehr kräftig, während der heimische Konsum schwach bleibt. Im dritten Quartal wuchs Chinas Wirtschaft noch um 4,5%, getragen von Exporten und Hightech-Produktion. Gleichzeitig stiegen die Einzelhandelsumsätze im September lediglich um 1,1%.
China produziert also sehr viel, konsumiert aber relativ wenig. Überschüssige Produktion wird zunehmend exportiert. Elektroautos, Batterien, Solartechnik, Maschinen, Elektronik, Halbleiter und andere Hightech Güter gehen verstärkt auf den Weltmarkt. Damit bleibt China geopolitisch und industriell enorm mächtig, obwohl die Volkswirtschaft die USA nominal möglicherweise nicht mehr einholt.
Früher war China vor allem ein riesiger zusätzlicher Absatzmarkt. Heute wird China zunehmend zum aggressiven Wettbewerber auf den Weltmärkten. China wird relativ zu den USA wirtschaftlich kleiner, was aber dennoch bedeutet, dass es gleichzeitig industriell gefährlicher für westliche Konkurrenten wird.
Der Traum vom chinesischen BIP Überholmanöver ist vorerst geplatzt. Aber daraus folgt keineswegs ein schwaches China.
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