Analyse
13:04 Uhr, 06.08.2026

APPLOVIN – Der erste echte Ausrutscher! Model-Timing statt Nachfrageproblem

Zum ersten Mal war das bei Applovin nicht einfach nur "Wie machen die das?" Der Umsatz stieg auf 1,92 Mrd. USD (+53 % YoY), landete damit aber unterhalb der Konsensschätzung von rund 1,94 Mrd. USD und nur knapp unter der Mitte der eigenen Guidance-Range von 1,915 bis 1,945 Mrd. USD. Liegen die Short-Seller richtig?

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  • AppLovin Corp - WKN: A2QR0K - ISIN: US03831W1080 - Kurs: 417,800 $ (Nasdaq)

Das bereinigte EBITDA kam auf 1,61 Mrd. USD (+58 % YoY), bei einer Marge von 84 %, ebenfalls knapp unterhalb der Bandbreite von 84 bis 85 %. Der Markt reagierte, wie er das bei AppLovin in den letzten Quartalen öfter getan hat, nur diesmal deutlicher: Die Aktie brach nachbörslich um zeitweise über 20 % ein.

Bevor wir ins Fazit gehen, schauen wir uns erstmal an, was tatsächlich passiert ist. Und da lohnt sich der genaue Blick, weil die Erklärung des Managements diesmal sehr offen und selbstkritisch ausfiel.

Die Zahlen im Überblick

Metrik Q2 2026 Q2 2025 Q1 2026 YoY QoQ
Umsatz 1.924 Mrd. $ 1.259 Mrd. $ 1.842 Mrd. $ ▲ 53 % ▲ 4 %
Net Income 1.267 Mrd. $ 820 Mio. $ 1.206 Mrd. $ ▲ 55 % ▲ 5 %
Nettomarge 66 % 65 % 65 % ▲ 1 pp ▲ 1 pp
Operative Marge 77,7 % 76,1 % ▲ 1,6 pp
Adj. EBITDA 1.614 Mrd. $ 1.018 Mrd. $ 1.557 Mrd. $ ▲ 58 % ▲ 4 %
Adj. EBITDA-Marge 84 % 81 % 85 % ▲ 3 pp ▼ 1 pp
Diluted EPS 3,76 $ 2,39 $ 3,56 $ ▲ 57 % ▲ 6 %
Free Cashflow 863 Mio. $ 768 Mio. $ 1.291 Mrd. $ ▲ 12 % ▼ 33 %
FCF-Marge 45 % 61 % 70 % ▼ 16 pp ▼ 25 pp

Das Wachstum ist auf Jahresbasis nach wie vor beeindruckend, und die operative Marge hat sich sogar YoY ausgeweitet. Das eigentliche "Miss"-Narrativ entsteht erst im Vergleich zur eigenen Guidance und im QoQ-Blick. 4 % sequenzielles Wachstum ist laut Unternehmen selbst der schwächste Wert der letzten drei Jahre.

Applovin IR

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Was ist wirklich passiert?

CEO Adam Foroughi ging das Thema im Call direkt frontal an, ohne Umschweife: "In diesem Quartal haben wir diesen Maßstab [unsere eigenen Erwartungen zu übertreffen] verfehlt. Entscheidend ist, dass wir wissen, was geschehen ist, und dass die Angelegenheit bereits angegangen wurde."

Das ist ein Ton, den man von AppLovin so noch nicht gehört hat. Bisher war die Story immer "Rekord nach Rekord", jetzt kommt zum ersten Mal ein offenes Eingeständnis.

Die konkrete Erklärung: Das Tempo der Modellverbesserungen war im Q2 langsamer als üblich, und der nächste relevante Uplift landete erst kurz nach Quartalsende, also bereits im Q3. CFO Matt Stumpf bestätigte im Call, dass Q3 "off to a strong start" ist und die Modell-Uplifts, die im Q2 fehlten, jetzt bereits live sind. CEO Foroughi verneinte Wettbewerbs- oder Nachfrageproblem explizit. Die MAX-Marktplatz-Umsätze der Publisher wuchsen zweistellig QoQ.

AppLovins Modell-Verbesserungen kommen nicht linear, sondern in Schüben. Manche Quartale bringen laut Foroughi einen Uplift, der 12 bis 15 % QoQ-Wachstum allein treibt. Q2 2026 war schlicht ein Quartal ohne diesen Schub.

Consumer/E-Commerce: Worauf ich weiter warte

Wer die letzten Analysen zu AppLovin gelesen hat, kennt meine These. Gaming ist die Basis, aber der eigentliche Hebel für den langfristigen Case sind die Consumer-Verticals. Foroughi bezeichnete das Quartal als "outstanding quarter" für Consumer. Der Ad Spend erreichte einen neuen Rekord, 28 % über dem Niveau von Q4 2025. Und das, obwohl Q4 saisonal das stärkste Quartal für E-Commerce-Werbung ist. Ein Consumer-Geschäft, das in einem saisonal schwachen Q2 sogar den bisherigen Saisonhöhepunkt um über ein Viertel übertrifft, zeigt, wie steil diese Wachstumskurve aktuell verläuft.

Das Problem: Consumer ist schlicht noch nicht groß genug, um ein schwaches Gaming-Quartal (wegen der verzögerten Modellverbesserungen) auszugleichen. "Consumer isn't yet large enough to fully smooth a quarter like this."

Damals witzelte ich noch "UND JA, ES HEIßT AXON!" über die angekündigte Öffnung des Axon-Ad-Managers. Im Q2 hat AppLovin die Plattform tatsächlich Ende Juni öffentlich gestartet, aber unter dem alten Namen "AppLovin Ads Manager". Foroughis Begründung im Call ist sympathisch ehrlich: "Wir sind zu AXON gewechselt, aber alle nannten uns weiterhin AppLovin – also sind wir wieder zurückgewechselt."

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Marge und Cashflow

Die EBITDA-Marge fiel mit 84 % knapp unter die eigene Guidance. Ursache ist in erster Linie der stark gestiegene Compute-Bedarf. Die R&D-Ausgaben sprangen von 44 Mio. USD auf 99,9 Mio. USD (+127 % YoY), weil AppLovin in komplexere Modellarchitekturen investiert, die von zusätzlicher Trainingsrechenleistung überproportional profitieren sollen. Von jedem zusätzlichen Umsatzdollar fließen weiterhin rund 10 Cent in Compute.

Für Q3 wird eine Marge von rund 83 % avisiert, also ein weiterer leichter Rückgang. Auf Nachfrage im Call, ob das der neue strukturelle Trend sei, antwortete das Management, es könne über die längere Frist "eine gewisse Variabilität" in der Marge geben, langfristig sei man aber weiterhin zuversichtlich, in der "niedrigen 80%-Range" zu bleiben. Ich behalte das im Blick, ohne es überzubewerten.

Der Free Cashflow brach dagegen deutlich stärker ein. Nur 863 Mio. USD (Marge von 45 % statt der gewohnten 70 %). Die Konversion war durch das Timing internationaler Cash-Steuerzahlungen und Zinszahlungen belastet. Für das Gesamtjahr rechnet Applovin weiterhin mit einer FCF-Konversion von rund 75 % des bereinigten EBITDA.

Wegen dieser schwächeren Cash-Generierung hat AppLovin auch das Rückkauftempo gedrosselt. 551 Mio. USD im Q2 gegenüber rund 1 Mrd. USD im Q1. Der CFO betonte ausdrücklich, dass das keine Änderung der Überzeugung sei, sondern schlicht Kapitaldisziplin angesichts der Timing-Effekte. Es bleiben noch 1,8 Mrd. USD Rückkaufvolumen autorisiert, und die Nettoverschuldung liegt bei rund 0,1x des EBITDA der letzten zwölf Monate. Weiterhin ein sehr sauberes Bilanzbild.

Ein zweiter kleiner, aber sehr positiver Nebenpunkt. Die zuvor bekannte SEC-Anfrage wurde laut Unternehmen abgeschlossen, ohne dass eine Maßnahme empfohlen wurde. Es handelte sich laut CFO ohnehin um eine freiwillige Anfrage, die man selbst nie als wesentlich eingestuft hatte. Ein kleiner Unsicherheitsfaktor weniger auf der Liste. Das hören die Bären ungern. War ein Nebensatz aber ein Thema, welches in der Vergangenheit oftmals zu 10 % Tageseinbrüchen führte, wenn ein Newsmedium davon berichtete.

Ausblick Q3 2026

AppLovin erwartet für das Q3 einen Umsatz von 2,055-2,085 Mrd. USD (46 bis 55 % YoY-Wachstum bzw. 7 bis 8 % QoQ). Also wieder ein deutlich höheres QoQ-Tempo als im Q2. Das adj. EBITDA soll zwischen 1,71 und 1,74 Mrd. USD liegen (48 bis 50 % YoY), bei einer Marge von rund 83 %. Diese Guidance beinhaltet laut Management bereits die Modell-Uplifts, die inzwischen live sind, aber keine weiteren, noch nicht ausgerollten Verbesserungen. Nach der Erfahrung dieses Quartals lohnt es sich, diese Formulierung im Hinterkopf zu behalten.

Fazit

Ich habe AppLovin stets als ein Unternehmen beschrieben, das operativ in einer Klasse für sich spielt, dessen Investmentcase aber davon abhängt, ob aus der dominanten Gaming-Ad-Plattform tatsächlich eine breitere Performance-Marketing-Infrastruktur wird. An dieser These ändert dieses Quartal für mich nichts. Eher im Gegenteil, der Consumer-Teil liefert gerade den bislang deutlichsten Beleg dafür, dass die Nachfrage da ist (28 % über dem bisherigen Saisonhoch, in einem schwachen Quartal). Das Problem ist die Größe.

Was sich aber ändert, ist die Fehlerquote. Zum ersten Mal seit ich das Unternehmen covere, hat das Management öffentlich eingestanden, die eigene Guidance verpasst zu haben. Zwar nicht wegen Nachfrage oder Wettbewerb, sondern wegen des Timings der eigenen Modellverbesserungen. Ob das eine Überreaktion ist oder der Anfang einer nüchterneren Bewertung nach Jahren fast fehlerfreier Quartale, wird sich erst in den kommenden Wochen zeigen, wenn klar wird, ob Q3 die versprochene Reaccelerierung tatsächlich liefert. Für mich sind die 330/320 USD aber spannend.

Zwei Dinge behalte ich als neue Beobachtungspunkte: Erstens die leicht sinkende EBITDA-Margen-Guidance (84 % → 83 %, "low 80s" als neue Referenzgröße statt der bisherigen Aufwärtsdynamik). Zweitens die FCF-Konversion.


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