AMAZON – Die 200 Milliarden-Dollar-Wette auf KI (Q4 2025)
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- Amazon - WKN: 906866 - ISIN: US0231351067 - Kurs: 222,690 $ (Nasdaq)
Amazon meldete für Q4 einen Umsatz von 213,4 Milliarden Dollar, ein Plus von 14 % YoY. Das operative Ergebnis lag bei 25,0 Milliarden Dollar, hochgerechnet 27,4 Milliarden ohne die ausgewiesenen Sonderbelastungen von 2,4 Milliarden. Diese Sondereffekte setzen sich zusammen aus 1,1 Milliarden für Steuerstreitigkeiten in Italien und eine Klageeinigung, 730 Millionen für Abfindungen sowie 610 Millionen für Wertminderungen hauptsächlich bei stationären Geschäften.
Der operative Cashflow für das Gesamtjahr erreichte 139,5 Milliarden Dollar, ein Anstieg von 20 %. Der Free Cashflow hingegen fiel auf 11,2 Milliarden Dollar, verglichen mit 38,2 Milliarden im Vorjahr. Der Grund ist simpel: Capex stiegen um 50,7 Milliarden auf 128,3 Milliarden Dollar. Das Gros davon floss in KI-Infrastruktur.
Nordamerika erwirtschaftete 127,1 Milliarden Dollar Umsatz, ein Plus von 10 %. Das operative Ergebnis stieg auf 11,5 Milliarden Dollar bei einer Marge von 9 %, verglichen mit 8 % im Vorjahr. International legte der Umsatz um 17 % auf 50,7 Milliarden Dollar zu. Das operative Ergebnis sank jedoch auf 1,0 Milliarde Dollar von 1,3 Milliarden im Vorquartal, hauptsächlich getrieben durch höhere Investitionen in Quick Commerce und aggressivere Preise in einzelnen Märkten.
AWS ist wie immer der eigentliche Protagonist des Quartals. Der Umsatz kletterte um 24 % auf 35,6 Milliarden Dollar, der schnellste Anstieg seit 13 Quartalen. Das operative Ergebnis erreichte 12,5 Milliarden Dollar bei einer Marge von 35 %, verglichen mit 36,9 % im Vorjahr. Die annualisierte Revenue Run Rate liegt jetzt bei 142 Milliarden Dollar. Sequenziell legte AWS um 2,6 Milliarden Dollar zu, im Jahresvergleich um fast 7 Milliarden.
Die Werbesparte wuchs um 23 % auf 21,3 Milliarden Dollar im Quartal. Das Abonnementgeschäft, hauptsächlich Prime, legte um 14 % auf 13,1 Milliarden Dollar zu.
AWS
AWS wächst durch massive Kapazitätserweiterungen so schnell wie seit über 3 Jahren nicht mehr. Im vierten Quartal allein installierte Amazon 1,2 GW zusätzliche Rechenleistung. Über das Jahr 2025 waren es 3,9 GW, mehr als doppelt so viel wie 2022, als AWS eine annualisierte Run Rate von 80 Milliarden Dollar hatte. Bis Ende 2027 soll sich die Kapazität nochmals verdoppeln.
Die Nachfrage übertrifft das Angebot auch hier weiterhin. Andy Jassy sagte im Call, jeder Anbieter könne aktuell schneller wachsen, wenn er mehr Kapazität hätte. Amazon monetarisiert die neuen Rechenzentren sofort nach Inbetriebnahme. Der AWS-Backlog stieg auf 244 Milliarden Dollar, ein Anstieg von 40 % im Jahresvergleich und 22 % gegenüber dem Vorquartal. Das sind keine unverbindlichen Absichtserklärungen, sondern vertragliche Verpflichtungen von Kunden, die Kapazität reservieren wollen. Aber hier waren GCP mit 50 % QoQ und über 100 % YoY oder Azure mit 110 % QoQ (wegen OpenAI, sonst 28 % QoQ) stärker, wenngleich auf kleinerer Revenue Run Rate.
Das Wachstum speist sich aus zwei Quellen. Auf der einen Seite KI-Labs, die enorme Rechenleistung für Training und Inferenz konsumieren. Auf der anderen Seite Unternehmen, die produktive KI-Anwendungen für Kundenservice, Prozessautomatisierung, Betrug und andere Bereiche entwickeln. Die Mitte, also der Massenmarkt für Unternehmens-KI, steht noch bevor.
Anthropic nutzt inzwischen Project Rainier, das weltweit größte operative KI-Rechencluster mit über 500.000 Trainium2-Chips, um das Modell Claude zu trainieren. Trainium2 versorgt auch den Großteil der Inferenz auf Bedrock, Amazons Plattform für Modelldienste, die von über 100.000 Unternehmen genutzt wird. Trainium3 ist jetzt im Produktionseinsatz, und die Nachfrage ist so hoch, dass Amazon erwartet, bis Mitte 2026 fast das gesamte Chip-Angebot vergeben zu haben. Trainium4 folgt 2027 mit sechsfacher FP4-Rechenleistung, viermal höherer Speicherbandbreite und doppelter Speicherkapazität gegenüber Trainium3. Was kaufe ich persönlich wie auch bei Alphabets TPU (= Broadcom), bei Amazons Trainium (= Marvell).
Graviton, Amazons eigene CPU, ist bis zu 40 % preiseffizienter als führende x86-Prozessoren und wird von über 90 % der Top-1000-AWS-Kunden genutzt. Graviton allein ist ein Multi-Milliarden-Geschäft mit über 50 % Wachstum. Zusammen mit Trainium übersteigt der jährliche Umsatz mit den eigenen Chips inzwischen 10 Milliarden Dollar. Amazon baut seine eigene Chip-Stack, um Preise zu senken und Margen zu schützen.
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E-Commerce
Nordamerika steigerte die operative Marge auf 9 %, ein Plus von 102 bps YoY. Das Fulfillment-Netzwerk wird gleichzeitig schneller und günstiger. 2025 lieferte Amazon über 8 Milliarden Artikel am selben oder nächsten Tag an Prime-Mitglieder, ein Anstieg von mehr als 30 %. In ländlichen Gebieten der USA verdoppelte sich die Zahl der Kunden mit Same-Day-Zustellung im Jahresvergleich nahezu.
Amazon Now, der Service für Lieferung binnen 30 Minuten, ist jetzt in Städten in Indien, Mexiko, den Vereinigten Arabischen Emiraten verfügbar und wird in mehreren Gemeinden in den USA und Großbritannien getestet. Same-Day-Grocery-Lieferung erreicht inzwischen 2.300 Städte und Ortschaften in den USA. In Gebieten mit diesem Service gehören 9 der 10 meistbestellten Artikel zu verderblichen Waren. Kunden in Indien, die Quick Commerce nutzen, verdreifachten ihre Einkaufshäufigkeit nach Einführung.
Die höhere Geschwindigkeit treibt Frequenz und Warenkorbgröße. Gleichzeitig senkt Robotik die Stückkosten. Amazon betreibt inzwischen über eine Million Roboter in seinem Logistiknetzwerk, noch ein Bruchteil dessen, was langfristig möglich ist. Diese Roboter übernehmen repetitive Aufgaben, was die Produktivität erhöht, die Sicherheit für Mitarbeiter verbessert und Kosten senkt.
International investiert Amazon gezielt in Wachstumsmärkte, teils auf Kosten der kurzfristigen Marge. Der operative Gewinn fiel auf 1 Milliarde Dollar, auch weil Amazon in einzelnen Ländern Preise und Verkäufergebühren senkte, um wettbewerbsfähig zu bleiben oder Marktanteile zu gewinnen. CFO Brian Olsavsky sagte im Call, diese Investitionen seien notwendig, um Kunden zu begeistern und langfristiges Wachstum zu sichern.
Werbung
Werbung ist zur drittwichtigsten Umsatzsäule geworden. Mit 21,3 Milliarden Dollar im vierten Quartal und einem Wachstum von 23 % übertrifft Amazon inzwischen viele klassische Medienunternehmen. Die annualisierte Run Rate liegt bei etwa 85 Milliarden Dollar. Das Geschäft ist hochmargig, skalierbar und wird strategisch immer wichtiger für den Profitmix.
Amazon profitiert davon, dass Werbung direkt am Kaufpunkt platziert wird. Die Conversion Rates sind entsprechend hoch, und Marken sind bereit, dafür zu zahlen. Das Wachstum zeigt keine Ermüdungserscheinungen, und Amazon baut das Angebot kontinuierlich aus, etwa durch Werbeplätze auf Prime Video und anderen Plattformen.
Amazons Ad Business wird immer wieder als Grund für The Trade Desks Schwäche genannt.
Rufus: Der Shopping-Assistent
Rufus, Amazons Shopping-Assistent, wurde 2025 von 300 Millionen Kunden genutzt. Nutzer, die Rufus verwenden, schließen etwa 60 % häufiger einen Kauf ab. Lens, ein visuelles Suchwerkzeug, erlaubt es, ein Foto eines Produkts zu machen und es direkt auf Amazon zu finden und zu kaufen. Kiro, ein autonomer Agent für Coding-Aufgaben, verzeichnete im vierten Quartal ein Nutzerwachstum von über 150 % im Quartalsvergleich. Amazon hat weitere Frontier Agents vorgestellt. Alles autonome Systeme, die mit weniger menschlicher Interaktion auskommen, persistierend über Stunden oder Tage laufen und sich Kontext merken. Dazu gehören Kiro Autonomous Agents für Coding, AWS DevOps Agents für Störungserkennung und -behebung sowie AWS Security Agents zur proaktiven Absicherung von Anwendungen über den gesamten Entwicklungszyklus.
Project LEO aka Kuiper
Amazon hat 180 Leo-Satelliten in die Umlaufbahn gebracht. 2026 sind über 20 Starts geplant, 2027 mehr als 30. Der kommerzielle Start ist für 2026 vorgesehen. Dutzende Verträge sind bereits unterschrieben, darunter mit AT&T, DIRECTV Latin America, JetBlue und Australias National Broadband Network. Leo soll Download-Geschwindigkeiten von bis zu 1 Gigabit pro Sekunde und Upload-Geschwindigkeiten von bis zu 400 Megabit pro Sekunde bieten, powered by Custom Leo Silicon. Das System ermöglicht Unternehmens-Netzwerke mit fortgeschrittener Verschlüsselung, die das öffentliche Internet umgehen und direkt mit AWS verbunden sind.
Im ersten Quartal 2026 erwartet Amazon etwa 1 Milliarde Dollar höhere Kosten für Leo gegenüber Vorjahr. Aktuell werden die meisten Kosten bei Anfall verbucht. Später im Jahr werden viele Kosten, etwa für Satellitenherstellung und Starts, aktiviert.
Capex: 200 Mrd. USD Frage
Amazon plant, 2026 etwa 200 Milliarden Dollar in Investitionen zu stecken, überwiegend in AWS, mit Fokus auf KI-Infrastruktur. Das ist ein massiver Sprung gegenüber 2025, als die Investitionen in Sachanlagen bereits 128 Milliarden Dollar erreichten. Der Markt ist skeptisch, ob diese Summen tatsächlich angemessene Renditen erwirtschaften werden.
Das Management argumentiert zurecht, die Kapazität werden sofort monetarisiert. Die Nachfrage ist da, der Backlog wächst, und die Margen blieben trotz hoher Abschreibungen stabil. Trainium senkt die Kosten für Inferenz, die langfristig den Großteil der KI-Workloads ausmachen wird. Auslastung steigt, Preise werden sich über Zeit normalisieren, und Unternehmen mit überlegener Infrastruktur und besseren Preis-Leistungs-Verhältnissen werden vorteilhafte Finanzkennzahlen haben. Daher finde ich die minus 10 % nach Zahlen ungerechtfertigt. Einzig der Ausblick zeigt, dass die Margen unter den Capex leiden werden.
Ausblick
Der operative Gewinn wird zwischen 16,5 und 21,5 Milliarden Dollar erwartet, verglichen mit 18,4 Milliarden im Vorjahr. Die operative Marge am Midpoint läge bei 10,8 %, unter den 11,8 % von Q1 2025. Der Umsatz soll zwischen 173,5-178,5 Milliarden Dollar liegen, ein Wachstum von 11-15 %, mit etwa 180 Basispunkten Rückenwind durch Wechselkurse.
Die Diskrepanz zwischen Umsatzwachstum und Ergebnisausblick erklärt sich aber vor allem durch Leo-Kosten, Investitionen in Quick Commerce und schärfere Preise im internationalen Retail-Geschäft.
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Fazit
AWS beschleunigte auf 24 %, das schnellste Wachstum seit 13 Quartalen. Die annualisierte Run Rate liegt bei 142 Milliarden Dollar. Im vierten Quartal installierte Amazon über 1 GW neue Kapazität, 2025 insgesamt 3,9 GW, und das soll sich nochmal verdoppeln. Die 200 Milliarden Dollar in Capex sollen die sehr hohe und breite Nachfrage decken, wobei die Kapazitäten laut Management sofort monetarisiert werden. Die Chip-Strategie mit Graviton und Trainium hat eine kombinierte annualisierte Run Rate von über 10 Milliarden Dollar, Trainium ist vollständig ausgebucht, und fast das gesamte Trainium3-Angebot wird bis Mitte 2026 vergeben sein. Werbegeschäft und E-Commerce laufen, wobei bei letzterem immer mehr Effizienz durch Robotik oder KI einfinden könnte. Die 10 % Rücksetzer sind f��r mich persönlich eher eine Gelegenheit und der Kursverfall eher eine Reaktion auf den derzeit sehr empfindlichen Markt. Mehr solcher Analysen gibt es im AktienPuls360.
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Viel Erfolg wünscht Dir Valentin
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Ja, Vale ist für uns wieder die ganze Nacht wach geblieben (3 Liter Kaffee, 6 Dosen ungesundes Red Bull), um Amazon bis ins kleinste zu sezieren und zu analysieren. Ich sehe es so wie er in seinem Fazit, und lege mir etliche Stücke ins Nest
Danke Valentin, toller Artikel :-)
Krass guter Artike, Danke Valentin