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Slow Stochastik - Kann sie die Schwierigkeiten des schnelleren Bruders umschiffen?

Die Fast Stochastik ist zwar ein schlüssiges Konzept, aber doch nicht fehlerfrei. Auf der Suche nach einer Lösung entstand die Slow Stochastik.

Erwähnte Instrumente

Die Slow Stochastik ist ein weiterer Oszillator und wie der Name vermuten lässt, ist dieser sehr eng mit der Fast Stochastik verwandt. Letzterer stellte sich die Frage, wo innerhalb der vom Trader eingestellten Zeitspanne von X Kerzen der Kurs derzeit notiert. Aufgrund seiner Berechnung:

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konnte die Fast Stochastik nur Werte zwischen 0 und 100 annehmen. Da die Fast-Stochastik Linie (%K) einerseits stark schwankt und um andererseits weitere Signale zu erhalten, wurde diese mit Hilfe eines gleitenden Durchschnitts geglättet (%D-Linie). Beides zusammen, die %K-Linie und die als %D bezeichnete Signallinie bildete die klassische Fast Stochastik (siehe Abbildung 1).

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In seiner Standardeinstellung fällt auf, dass die Fast Stochastik ein sehr schwankungsfreudiger Indikator und gerade hinsichtlich seiner Kauf- und Verkaufssignale aus dem Überkreuzen von %K-Linie und Signallinie ein sehr aktiver Indikator ist. Um die Qualität der Signale zu erhöhen und ein ständiges Kreuzen der beiden Linien zu vermeiden, wurde ein kleiner Trick angewandt, der uns zur Slow Stochastik führt. Hierzu wird die Signallinie der Fast Stochastik (%D) einfach zur %K-Linie der Slow Stochastik und diese einer weiteren Glättung durch einen einfachen gleitenden Durchschnitt unterworfen, wodurch die neue Signallinie entsteht.

Abbildung 2 zeigt die Slow Stochastik, die nun durch drei zu wählende Parameter charakterisiert ist: SSTOC(5, 5, 3).

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Der erste Wert steht für die vom Trader gewählte Zeitspanne, in unserem Beispiel für 5 Kerzen im Tageschart des DAX. Der zweite Faktor stellt die erste Glättung der ursprünglichen %K-Linie der Fast Stochastik dar, in unserem Beispiel einen 5-Tage-Durchschnitt. Diese wird innerhalb der Slow Stochastik als neue %K-Linie definiert (gelb). Die %K-Linie der Slow Stochastik ist also identisch mit der Signallinie der Fast Stochastik (bei Wahl gleicher Periodenlängen und Glättungsfaktoren). Der letzte Faktor gibt nun an, um wieviel unsere Slow Stochastik geglättet werden soll, hier um 3 Perioden. Dies ergibt die neue Signallinie der Slow Stochastik (türkis).

Interpretation

Interpretative Unterschiede zur Fast Stochastik gibt es nicht. Neben der Überkauft-/Überverkauft-Analyse lassen sich analog Signale aus dem Überkreuzen der Stochastik mit ihrer Signallinie ableiten. Auch eine Untersuchung auf Divergenzen zwischen dem Kursverlauf selbst und der Slow Stochastik sind möglich, um Tradingentscheidungen zu treffen. Leicht zu erkennen ist, dass die Slow Stochastik bei weitem nicht mehr so rigide auf Kursveränderungen des Basiswertes reagiert und Kreuzungen aus %K-Linie und Signallinie nicht mehr so häufig vorkommen. Insgesamt macht die Slow Stochastik einen wesentlich ruhigeren Eindruck, dank der doppelten Glättung. Dieser Vorteil hat seinen Preis, denn nun dauert es länger, bis entsprechende Signale generiert werden. Der Kurs muss sich deutlicher bewegen, was bei korrekten Signalen gegenüber der Fast Stochastik zu einem verspäteten Einstieg in die Position führt.

Die Theorie sieht bis hierher ja ganz gut aus, Ziel erreicht! Die Slow Stochastik wirkt spürbar ruhiger, aber kann sich dieser Eindruck auch in harten Fakten niederschlagen? Machen wir den Vergleich und untersuchen das Verlassen der jeweiligen Extremzone in seiner Standardeinstellung: 80 – 20. Verlässt die Slow-Stochastik den überkauften Markt und fällt unter Werte von 80 zurück, liegt ein kurzfristiges Verkaufssignal vor. Analog handelt es sich um ein kurzfristiges Kaufsignal, wenn die Slow Stochastik den Wertebereich von 0-20 nach oben hin verlässt. Exemplarisch wird dabei erneut ausschließlich die Longseite analysiert. Liegt ein Kaufsignal vor, werden 25 CFDs (2.500 Zertifikate) gekauft, der Stopp auf dem bisher erreichten Tief platziert und die Position bei Erreichen des überkauften Markts geschlossen. Der Test berücksichtigt Kosten in Höhe von 2 Punkten und das Ergebnis ist in Abbildung 3 zu sehen.

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Chart wurde mit Tradesignal erstellt

Trotz des optisch schöneren Verlaufs der Slow Stochastik ggü. der Fast Stochastik ist das Ergebnis ernüchternd. Der Ansatz ist im DAX Tageschart seit 1997 nicht profitabel. Dabei haben wir uns schon auf die Käuferseite fokussiert und sind damit grundsätzlich in Richtung des längerfristigen Trends unterwegs.

Etwas freundlicher hingegen schneidet die Slow Stochastik ab, wenn wir das Überkreuzen der Stochastiklinie mit der Signallinie untersuchen. Hier kann auch nach Abzug von 2 Punkten Kosten eine positive Performance von 1.080 Euro beim Kauf von jeweils 25 CFDs erzielt werden (siehe Abb. 4).

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Chart wurde mit Tradesignal erstellt

Das ist zwar besser als nichts, aber wie sowohl der Verlauf der Performancekurve in Abbildung 4 als auch der Report in Abbildung 5 verraten, handelt es sich alles andere als um ein stabiles und lukratives System. Mit einer simplen Buy&Hold Strategie hätten wir eine deutliche Outperformance erzielen können.

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Chart wurde mit Tradesignal erstellt, Tradesignal® ist eine eingetragene Marke der Tradesignal GmbH. Nicht autorisierte Nutzung oder Missbrauch ist ausdrücklich verboten.

Fazit: Offensichtliche Schwierigkeiten mit der Fast Stochastik sollten durch eine zusätzliche Glättung übertüncht werden und voila, fertig war die Slow Stochastik. In Ansätzen konnten die Ziele durch diesen einfachen Trick auch erreicht werden. Die Slow Stochastik macht rein optisch einen wesentlich schöneren Eindruck, aber im Trading geht es nicht um Optik. Die Ernüchterung kommt spätestens mit einem Härtetest der Slow Stochastik. Die kleine Auswertung zur Performance im DAX zeigt, dass auch die Slow Stochastik nicht als alleiniges Entscheidungskriterium für Tradingentscheidungen herangezogen werden kann. Dafür war die Performance weder ausreichend noch stabil genug (vorbehaltlicher Datenfehler). Auch wenn die Slow Stochastik als Allheilmittel weniger taugt, ist eine Verwendung dieser in Kombination mit anderen Aspekten durchaus interessant und ließe sich wahrscheinlich profitabel umsetzen. Entsprechende Kombinationsmöglichkeiten zu finden, bleibt jedoch Aufgabe des Traders.

Viel Erfolg

Rene Berteit

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Über den Experten

Rene Berteit
Rene Berteit
Technischer Analyst und Coach

René Berteit ist Diplom-Betriebswirt mit Spezialisierungen in den Bereichen Finanzierung & Unternehmensbewertung sowie Geld und Währung. Aus seiner Leidenschaft für die Finanzmärkte wurde sein(e) Beruf(ung). René verfügt über mehr als 20 Jahre praktische Tradingerfahrung in Aktien, Indizes und Währungen und ist noch heute im Intraday-Handel aktiv. Seit 2007 setzt René sein langjähriges Know-how als charttechnischer Trader und Analyst in unserem Team ein, sowohl für unsere Portale als auch für Banken. Darüber hinaus gibt er sein theoretisches und praktisches Wissen als Coach seit über einer Dekade an Tradingneulinge und -fortgeschrittene weiter. Zudem ist er aktives Tradingmitglied in unserem Premium-Service PROmax, gern gesehener Referent in Webinaren und Seminaren sowie Buchautor.

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