Wochenausblick: „Wogen im Eismeer haben sich geglättet“
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26. Januar 2026. FRANKFURT (Deutsche Börse). Die Entspannung im Grönland-Konflikt sorgt für festere Kurse an den Börsen. „Nach einer aufregenden Woche mit der vermutlich häufigsten Nennung von Grönland in den letzten 4.000 Jahren sollte es an den Kapitalmärkten wieder um andere Themen gehen“, erklärt Commerzbank-Analyst Martin Roth. „Die Wogen im Eismeer haben sich geglättet, jedenfalls für die Finanzmärkte.“ Ob das Kapitel endgültig friedlich beendet sei, lasse sich allerdings nicht vorhersagen. Auch Ulf Krauss von der Helaba ist noch skeptisch: „Nach einhelliger Meinung kann keine Entwarnung gegeben werden. Vor allem die deutschen Exportunternehmen sind bezüglich der Planungssicherheit inzwischen ernüchtert“, bemerkt er.
Der DAX (<DE0008469008>) steht am Montagmorgen bei 24.865 Punkten nach 24.900 am Freitag zu Handelsschluss und 25.508 im Rekordhoch vor zwei Wochen. Der Stoxx Europe 600 (<EU0009658202>) liegt ebenfalls nicht weit von seinem Rekord entfernt. Die US-Märkte hatten am Freitag uneinheitlich geschlossen, mit einem Minus beim Dow Jones und einem Plus beim Nasdaq 100. Auffällig bleibt die Edelmetallpreisentwicklung: Die Feinunze Gold kostete zuletzt erstmals mehr als 5.000 US-Dollar, Silber mehr als 109 US-Dollar. Aktuell sind es wieder etwas weniger. Der Bitcoin ist hingegen wieder unter 90.000 US-Dollar gefallen.
„DAX in zwei Jahren bei 30.000 Punkten“
Für den DAX sieht Sabrina Reeh von der DWS noch deutliches Kurspotenzial. „Wir haben auch 2026 eine positive Sicht auf deutsche Aktien. Unter anderem deshalb, weil wir mehr Marktbreite und -tiefe erwarten, vor allem wenn es zu einer wirtschaftlichen Erholung kommen sollte“, erklärt die Fondsmanagerin. Ein entscheidender Faktor: die erwartete Steigerung der Profitabilität. „Der Marktkonsens rechnet für 2026 mit einem Gewinnwachstum von rund 16 Prozent für die DAX-Unternehmen.“ Die DAX-Bewertung sei mit einem KGV von 16 zwar inzwischen nicht mehr günstig. Dennoch sei die relative Bewertung attraktiv, da auch andere europäische Indizes gestiegen seien. „Bleiben die Bewertungsmultiplikatoren stabil und erfüllen sich die Gewinnprognosen, könnten die Unternehmensgewinne bereits in zwei Jahren ein Kursniveau von über 30.000 Punkten fundamental rechtfertigen“, meint Reeh.
Weber Bank: Kein „Sell America“
Was die US-Märkte angeht, ist die Weber Bank weiter konstruktiv und begründet das mit der US-Konjunktur und der fundamental soliden Verfassung der US-Unternehmen. „Die Wirtschaftsdynamik bleibt mit einem erwarteten Wachstum von wenigstens 2 Prozent in diesem Jahr hoch“, erklärt Portfoliomanager Max Hanisch. Fed-Zinssenkungen dürften die Stärke des US-Marktes weiter untermauern. Auch der Arbeitsmarkt zeige sich stabil. Ein Blick auf die globalen Finanzflüsse zeige, dass die USA weiterhin ein gesuchter Anlagemarkt für Aktien seien. „Politische Entscheidungen werden auch künftig kurzfristig Einfluss auf Handelsströme und Marktschwankungen nehmen; aber der häufig zitierte Anlegerexodus aus den USA ist nicht zu erkennen. Wir erwarten ihn auch nicht“, betont er. Sichere Häfen außerhalb der USA, wie beispielweise Gold, dürften aber hoch im Kurs bleiben.
US-Notenbanksitzung: Stillhalten erwartet
Ein Höhepunkt der Woche ist wohl die US-Notenbanksitzung am Mittwoch. „Unsere Analyse der jüngsten Reden und Interviews der FOMC-Mitglieder zeigt, dass die Fed den Leitzins vermutlich konstant lassen wird“, kommentiert Cyrus de la Rubia von der Hamburg Commercial Bank. Außerdem gilt der Blick den Quartalsberichten: In den USA legen im Wochenverlauf unter anderem Microsoft, Tesla, Meta und Apple ihre Bücher offen. In Europa gibt es Quartalsberichte unter anderem von ASML und LVMH, hierzulande von SAP und Deutscher Bank.
Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftsdaten
Montag, 26. Januar
10.00 Uhr. Deutschland: ifo-Geschäftsklimaindex Januar.
Mittwoch, 28. Januar
20.00 Uhr. USA: Zinsentscheid der US-Notenbank. Nach drei Senkungen in Folge wird die Fed nach Einschätzung der DekaBank voraussichtlich keine Änderung des Leitzinsintervalls vornehmen. In der anschließenden Pressekonferenz werde wohl die Unabhängigkeit der Fed ein zentrales Thema sein.
Donnerstag, 29. Januar
11.00 Uhr. Eurozone: Economic Sentiment Januar. Das Wirtschaftsvertrauen im Euroraum bleibt der DekaBank zufolge wohl auch zum Jahresauftakt leicht unterdurchschnittlich. Problemfelder: aus regionaler Sicht Schwergewicht Deutschland, aus sektoraler Sicht die Industrie.
Freitag, 30. Januar
10.00 Uhr. Deutschland: BIP viertes Quartal, erste Veröffentlichung. Die Commerzbank geht davon aus, dass die erste grobe Schätzung des Statistischen Bundesamtes von 0,2 Prozent bestätigt wird.
11.00 Uhr. Eurozone: BIP viertes Quartal, erste Veröffentlichung. Das BIP dürfte im vierten Quartal erneut moderat zugelegt haben, meint die Commerzbank. Nach wie vor treibe die boomende spanische Wirtschaft die Entwicklung an. Für das Gesamtjahr 2025 rechnet die Bank mit einem Plus von 1,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
14.00 Uhr. Deutschland: Verbraucherpreise Januar. Die DekaBank prognostiziert ein Plus von 1,8 Prozent im Jahresvergleich. Der Preisanstieg des Deutschland-Tickets sei geringer ausgefallen als im Vorjahr. Auch bei vielen anderen Dienstleistungen habe der Preisauftrieb wohl nachgelassen.
Von Anna-Maria Borse, 26. Januar 2026, © Deutsche Börse AG
Über die Autorin
Anna-Maria Borse ist Finanz- und Wirtschaftsredakteurin mit den Schwerpunkten Finanzmarkt/Börse und volkswirtschaftliche Themen.
Feedback und Fragen an live@deutsche-boerse.com
