Wochenausblick: Prüfstein US-Quartalszahlen
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12. Oktober 2026. FRANKFURT (Deutsche Börse). Etwas niedrigere Ölpreise und Anleiherenditen, dazu nachlassende KI-Sorgen und ein freundlicher Börsenschluss in den USA – für den DAX sieht es aktuell nach Erholung aus. US-Präsident Trump hatte zuletzt einen Angriff auf den Iran vor den Zwischenwahlen ausgeschlossen. Das bremste den Ölpreisanstieg. Allerdings liegt der Preis für ein Barrel Brent am Montagmorgen immer noch bei knapp 105 US-Dollar. „Vor diesem Hintergrund werden die Finanzmärkte von Inflationssorgen in Schach gehalten“, stellt Helaba-Analyst Ulrich Wortberg fest.
Auch die Renditen für Staatsanleihen und die Risikoaufschläge bleiben auf hohen Niveaus. „Von einer deutlichen Entspannung kann keine Rede sein“, bemerkt der Analyst. Im Fokus seien weiter französische Anleihen. „Zehnjährige OATs rentieren derzeit bei 4,85 Prozent, nachdem sie kurzzeitig die 5 Prozent-Marke touchiert hatten – höchstes Niveau seit 2002.“
Der DAX (<DE0008469008>) steht am Montagmorgen bei 25.236 Punkten nach 25.170 am Freitagabend und 26.659 im Allzeithoch Ende August. Die US-Börsen hatten am Freitag mit Gewinnen geschlossen, S&P 500 und Nasdaq blieben aber unter den vergangene Woche erreichten neuen Rekordhochs. Wenig Bewegung gibt es derzeit bei Gold und Bitcoin: Die Feinunze Gold (<XC0009655157>) wird am Montagmorgen zu 4.186 US-Dollar gehandelt, der Bitcoin zu knapp 84.000 US-Dollar.
„Unternehmen müssen zeigen, ob hohe Bewertungen gerechtfertigt sind“
Diese Woche nimmt die US-Berichtssaison über das dritte Quartal an Fahrt auf. Am morgigen Dienstag geht es los mit den US-Banken. Nach Einschätzung von LBBW-Analyst Rolf Schäffer wird die Berichtssaison zum Prüfstein werden. „Die Unternehmen müssen zeigen, ob ihre Ergebnisse die hohen Bewertungen rechtfertigen“, erklärt mit Blick auf die KI-Unternehmen. Abgesehen davon werde diese Woche die Lage im Nahen Osten und die Entwicklung der Rohstoffpreise die Märkte weiter beschäftigen. „Aufmerksamkeit gilt zudem der französischen Haushaltsplanung für 2027“, ergänzt er.
„Fünf Tech-Schwergewichte treiben S&P 500“
Sören Hettler von der DZ Bank weist darauf hin, dass die europäischen Indizes seit Jahresmitte leichte Verluste verbuchten, der S&P 500 dagegen rund 4 Prozent zulegt hat. „So robust, wie es zunächst wirkt, ist die Lage in den USA indes nicht“, bemerkt Hettler. Die fünf Tech-Schwergewichte hätten den US-Leitindex seit Jahresmitte um 5 Prozent angetrieben, die übrigen 495 Indexmitglieder unter dem Strich sogar leicht nach unten gezogen. „Klar ist allerdings auch, dass weder europäische noch US-Indizes gegen globale Belastungen gefeit sind“, stellt er fest. Eine baldige Entspannung im Mittleren Osten erwartet er nicht, die Befürchtungen an den Rentenmärkten hält er aber für überzogen. „Weder ist eine neue Euro-Krise mit Paris als Zentrum noch eine nachhaltige Zahlungsunfähigkeit der USA angezeigt.“
„Entscheidend sind die Ausblicke“
Am morgigen Dienstag veröffentlichen die US-Banken JP Morgan, Goldman Sachs, Wells Fargo und Citigroup ihre Zahlen, am Mittwoch Morgan Stanley und Bank of America. Aus Europa berichtet diese Woche unter anderem ASML, aus Asien TSMC. „Der Konsens erwartet für den S&P 500 ein Gewinnwachstum von 25,8 Prozent, für den Stoxx 600 und den DAX 22,8 Prozent beziehungsweise 24,2 Prozent“, berichtet die DekaBank. Entscheidend würden allerdings die Ausblicke. „Kleinste Anzeichen dafür, dass sich der Investitionszyklus der KI-Unternehmen abschwächt, dürften vom Markt mit äußerster Nervosität und vermutlich starker Sektorrotation quittiert werden.“
Konjunkturseitig werden wohl die US-Inflationszahlen vom September Höhepunkt der Woche sein. „Die Diskussionen um die geldpolitischen Handlungsspielräume von Fed und EZB dürften mit der Veröffentlichung der Inflationszahlen wieder in den Vordergrund rücken“, meint Claudia Windt von der Helaba.
Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftsdaten
Montag, 12. Oktober
US: Columbus Day. Anleihemarkt bleibt geschlossen.
Mittwoch, 14. Oktober
China: Ex- und Importe September.
3.30 Uhr. China: Verbraucherpreise September. Aufgrund der schwachen Nachfrage der Privathaushalte und der bestehenden Regulierung der Energiepreise bleibt der Preisdruck in China der DekaBank zufolge gering. Die Verbraucherpreise dürften im September 1 Prozent über dem Vorjahresniveau gelegen haben.
14.30 Uhr. USA: US-Verbraucherpreise September. Erwartet wird ein Anstieg der Jahresrate von 3,4 auf 3,6 Prozent, berichtet die Hamburg Commercial Bank. Eine Überraschung nach oben werde die Aussicht auf anhaltend hohe US-Zinsen wohl weiter untermauern und dem US-Dollar zusätzlichen Rückenwind geben.
Donnerstag, 15. Oktober
14.30 Uhr. USA: Einzelhandelsumsätze September. Das Wachstum wird Metzler Research zufolge etwas schwächer erwartet als noch im August.
Freitag, 16. Oktober
15.15 Uhr. USA: Industrieproduktion September.
Von Anna-Maria Borse, 12. Oktober 2026, © Deutsche Börse AG
Über die Autorin
Anna-Maria Borse ist Finanz- und Wirtschaftsredakteurin mit den Schwerpunkten Finanzmarkt/Börse und volkswirtschaftliche Themen.
Feedback und Fragen an live@deutsche-boerse.com
