Wochenausblick: Neue Tech-Zahlen treffen auf KI-Sorgen
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26. Oktober 2026. FRANKFURT (Deutsche Börse). An den Aktienmärkten überwogen in der vergangenen Woche die Verluste. Der DAX (<DE0008469008>) büßte 1,7 Prozent ein, der Stoxx Europe 600 (<EU0009658202>) 1,4 Prozent. Noch stärker fiel der MDAX (<DE0008467416>) mit einem Minus von 2,5 Prozent zurück. Schon seit Jahresbeginn zeigt das Kursbarometer der Mid-Caps relative Schwäche und notiert in der Verlustzone.
Vor allem die hohen Energiepreise und Sorgen um Frankreich drückten in den vergangenen Tagen auf die Stimmung an den Aktienmärkten. Zum Start der neuen Woche setzt sich der Kursrückgang zunächst nicht weiter fort. Moody’s hat die Bonität Frankreichs trotz der angespannten Haushaltslage und der politischen Unsicherheit bei Aa3 mit negativem Ausblick belassen. Die Entscheidung könnte zur Stabilisierung der zuletzt deutlich gestiegenen Renditen französischer Anleihen beitragen. Der DAX notiert im frühen Handel mit 25.200 Punkten leicht über seinem Schlussstand am Freitag.
Hohe Ausgaben, offene Ertragsfragen
Zu den Kursverlusten trugen nach Einschätzung von Frank Klumpp von der LBBW aber auch Zweifel am Geschäft mit künstlicher Intelligenz bei. Die jüngsten Quartalsberichte haben die Skepsis gegenüber den gewaltigen Investitionen in Rechenzentren seiner Ansicht nach nicht zerstreut. Meta Platforms erhöhte die Untergrenze seiner Investitionsplanung (inklusive Leasingzahlungen) für 2026 von 130 Milliarden auf 135 Milliarden US-Dollar, die Obergrenze blieb bei 145 Milliarden Dollar. Nach Berechnungen der LBBW liegen die für 2026 erwarteten Investitionen der großen US-Technologiekonzerne inzwischen 62 Prozent über den Schätzungen zu Jahresbeginn.
Besonders skeptisch sind Anlegerinnen und Anleger aktuell gegenüber spezialisierten Anbietern von Rechenleistung. Klumpp nennt den Rechenzentrumsbetreiber CoreWeave, dessen Kreditausfallprämien zuletzt kräftig stiegen. Für die Fortsetzung der Investitionen komme es auf die Auslastung der Rechenzentren und die Zahlungsfähigkeit ihrer Kunden an.
In dieser Woche legt über ein Drittel aller Unternehmen aus dem S&P 500 Quartalszahlen vor, darunter Microsoft und Alphabet am Mittwoch sowie Amazon am Donnerstag. Besonderes Interesse gilt dabei dem jeweiligen Cloud-Geschäft, den Investitionsplänen und den Erlösperspektiven. „Oftmals wichtiger als die Ergebnisse dürften die Ausblicke für 2027 sein“, erklärt Martin Hartmann von der Commerzbank. In Europa berichten unter anderem Airbus, Mercedes-Benz, Volkswagen und einige Finanzinstitute.
Optimistische Positionierung, enge DAX-Spanne
Neben den Unternehmenszahlen dürften auch die Stimmung und die Positionierung der Anlegerinnen und Anleger die weitere Kursentwicklung beeinflussen. Frank Klumpp verweist im LBBW-Wochenausblick auf die ausgesprochen optimistische Positionierung an den US-Terminmärkten. Wenn diese Positionen aufgelöst würden, drohten zusätzliche Kursverluste. Zugleich sei der Philadelphia Semiconductor Index unter seine 200-Tage-Linie gefallen. Robert Halver von der Baader Bank sieht das Stimmungsbild der US-Privatanleger weniger einseitig: In der Umfrage der American Association of Individual Investors (AAII) überwogen zuletzt sogar die Pessimisten, wenn auch ohne ein extremes Übergewicht.
Laut Jörg Scherer von HSBC spielt für den DAX eine bestimmte Kursspanne die entscheidende Rolle. Der DAX liegt seiner Analyse nach zwischen der 50-Tage-Linie bei rund 25.646 Punkten und dem 200-Tage-Durchschnitt bei 24.880 Punkten. Die kürzere Linie bildet mit dem jüngsten Verlaufshoch bei 25.694 Punkten einen Widerstandsbereich, die 200-Tage-Linie eine längerfristige Unterstützung. Auffällig findet Scherer auch, dass laut den AAII-Daten nur gut 17 Prozent der befragten US-Privatanleger eine neutrale Haltung einnehmen. In der Vergangenheit habe eine derart geringe Unentschlossenheit häufig neue Trendbewegungen begünstigt. Über die mögliche Richtung geben die Daten keinen Hinweis.
Jörg Scherer
Notenbanken zwischen Inflation und Kreditkosten
Für die Sitzungen der Fed am Mittwoch und der EZB am Donnerstag erwarten die meisten Researchhäuser unveränderte Leitzinsen. Eine Gegenposition vertritt Edgar Walk, Chefvolkswirt von Metzler Asset Management. Er rechnet mit einer Fed-Zinserhöhung um 25 Basispunkte, weil die US-Wirtschaft stark wächst und die Inflation hoch bleibt. Vor allem die Investitionen in KI-Infrastruktur griffen inzwischen auf traditionelle Investitionsgüter über.
Mark Wall von der Deutschen Bank erwartet dagegen eine EZB-Zinspause. Höhere Energiepreise verstärkten zwar die Inflationsrisiken. Doch die gestiegenen Kapitalmarktzinsen hätten die Finanzierungsbedingungen bereits verschärft. Dazu kommt die angespannte Lage am französischen Staatsanleihemarkt. Die Deutsche Bank erwartet die nächste Zinserhöhung der EZB erst im Dezember.
Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftstermine der Woche
Montag, 26. Oktober
10.30 Uhr. Deutschland: ifo-Geschäftsklima. Nach 89,9 Punkten im September erwartet die Deka einen leichten Anstieg auf 90,0 Punkte. Während sich die aktuelle Lage etwas verbessern dürfte, rechnet das Institut nach fünf Anstiegen in Folge mit einem Rückgang der Geschäftserwartungen.
Dienstag, 27. Oktober
13.30 Uhr. USA: Auftragseingänge langlebiger Güter. Im September dürften die Bestellungen gegenüber dem Vormonat um 1,4 Prozent zugelegt haben, nachdem sie im August um 0,1 Prozent gesunken waren.
15.00 Uhr. USA: Konsumentenvertrauen. Nach 81,9 Punkten im September liegt die Konsensschätzung für Oktober bei 80,3 Punkten.
Mittwoch, 28. Oktober
19.00 Uhr. USA: Zinsentscheid der US-Notenbank. Die Fed dürfte ihre Leitzinsspanne unverändert bei 3,75 bis 4,00 Prozent belassen. Nach der überraschend hohen Inflation im September erwarten die meisten Ökonomen die nächste Zinserhöhung erst im Dezember.
Donnerstag, 29. Oktober
11.00 Uhr. Eurozone: Wirtschaftsvertrauen. Die Deka sieht im Oktober einen Rückgang des Stimmungsbarometers von 97,9 auf 97,6 Punkte. Die anhaltenden Konflikte im Nahen Osten würden eine Erholung erschweren.
13.30 Uhr. USA: Bruttoinlandsprodukt. Für das dritte Quartal wird im Konsens ein auf das Jahr hochgerechnetes Wachstum von 3,0 Prozent erwartet, nach 2,2 Prozent im Vorquartal. Die Deka prognostiziert sogar 3,5 Prozent, gestützt auf den privaten Konsum sowie die Ausrüstungs- und Lagerinvestitionen. Die LBBW rechnet dagegen nur mit 2,5 Prozent.
13.30 Uhr. USA: Preisindex der privaten Konsumausgaben ohne Energie und Nahrungsmittel. Das von der Fed besonders beachtete Inflationsmaß dürfte im September gegenüber dem Vorjahr um 3,1 Prozent gestiegen sein, nach 3,0 Prozent im August.
14.15 Uhr. Eurozone: EZB-Zinsentscheid. Die Europäische Zentralbank dürfte den Einlagensatz bei 2,50 Prozent und den Hauptrefinanzierungssatz bei 2,65 Prozent belassen. Die Deutsche Bank erwartet erst im Dezember eine weitere Anhebung um 0,25 Prozentpunkte. Die gestiegenen Kapitalmarktzinsen und die französische Schuldenkrise begrenzen nach ihrer Einschätzung den Spielraum für zusätzliche Zinsschritte.
Freitag, 30. Oktober
10.00 Uhr. Deutschland: Bruttoinlandsprodukt. Nach einem Wachstum von 0,3 Prozent im zweiten Quartal erwarten Volkswirte für das dritte Quartal nur noch ein Plus von 0,1 Prozent. Die Deka rechnet sogar mit einem Rückgang um 0,1 Prozent. Sie verweist auf auslaufende Sondereffekte aus dem ersten Halbjahr und Belastungen durch das Niedrigwasser.
11.00 Uhr. Eurozone: Bruttoinlandsprodukt. Im Konsens wird für das dritte Quartal ein Wachstum von 0,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal erwartet, nach 0,6 Prozent zuvor. Die Helaba prognostiziert dagegen einen Rückgang um 0,1 Prozent. Die hohen Energiepreise belasteten zunehmend den privaten Konsum.
14.00 Uhr. Deutschland: Verbraucherpreise. Der Konsens erwartet für Oktober einen Rückgang der Jahresteuerungsrate von 3,3 auf 3,0 Prozent. Die Commerzbank rechnet wegen des Tankrabatts mit 2,9 Prozent, während die LBBW von einer unveränderten Inflationsrate von 3,3 Prozent ausgeht.
Von Thomas Koch, 26. Oktober 2026, © Deutsche Börse AG
Über den Autor
Thomas Koch ist CEFA-Investmentanalyst, Investmentspezialist für strukturierte Produkte und geprüfter Zertifikateberater. Seit Anfang 2006 beschäftigt er sich als freier Journalist mit dem Geschehen an den Kapitalmärkten.
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