Analyse
17:00 Uhr, 20.08.2026

Warum ich auf defensive Einzelaktien verzichte und mein Langfristdepot trotzdem ruhig schläft

Du willst wissen, warum ich kein McDonald's oder kein Nike im Depot habe, obwohl "defensiv" doch eigentlich beruhigend klingt?

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Häufig kommt die Frage aus der Community: "Sollte ich nicht auch ein paar defensive Werte wie xyz reinnehmen?" Meine ehrliche Antwort: Ich persönlich halte davon nichts. Und ich will Dir in diesem Artikel zeigen, warum, und was ich stattdessen mache.

Der Reiz der Defensive, und warum er trügt

Ich verstehe den Impuls voll. Defensive Standardwerte fühlen sich "sicher" an. Man rechtfertigt sich selbst mit Sätzen wie "die schwanken wenig" und "die zahlen eine Dividende". Das klingt sehr diszipliniert. Aber ein Gefühl von Sicherheit ist noch keine Sicherheit. Es ist eine Story, die man sich erzählt, um sich mit einer Position wohlzufühlen, die man aus Überzeugung eigentlich nicht braucht.

Schau Dir an, wie klassische "defensive" Konsumwerte wie McDonald's oder Nike in den letzten Jahren tatsächlich gelaufen sind. Über weite Strecken seitwärts und auch häufig negativ. Wenn so ein Wert nicht läuft, dann läuft er einfach nicht. Das ist kein "Zwischentief, das sich schon wieder gibt". Häufig geht es in Zeitlupe immer tiefer, und vor allem sind es Opportunitätskosten. Jeder Euro, der in einer lahmenden Position feststeckt, ist ein Euro, der nicht in Deine besten Ideen fließt. Nicht investiert zu sein (oder eben suboptimal investiert) ist immer auch ein Risiko, nur ein unsichtbares.

Mein eigener Prozess

Ich musste selbst mehrfach durch diesen Prozess durch, deshalb kann ich hier aus erster Hand berichten. Du kaufst den defensiven Wert, fühlst Dich kurz gut, und spätestens eine Woche später ärgerst Du Dich, warum die Aktie schon wieder fällt. Du bereust den Kauf, redest Dir die Dividende schön, freust Dich vielleicht, wenn das Depot in einer Schwächephase nicht ganz so stark schwankt wie der Rest. Aber eben auch, weil es die meiste Zeit einfach nicht steigt. Irgendwann verkaufst Du frustriert. Mir ist das mehrfach so gegangen.


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Meine Formel: Wachstum + ETF + Compounder

Statt defensive Einzelaktien zu picken, trenne ich die beiden Aufgaben, die man diesen Werten eigentlich zuschreibt, vom Rest des Depots.

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Die Einzelaktien sind für Outperformance da. Hier will ich Unternehmen, die mich wirklich interessieren und Wachstumspotenzial haben, oder Compounder mit Burggraben.

Die wenigen vermeintlich "defensiven" Namen, die ich überhaupt als Einzelaktien halte, sind deshalb auch keine klassischen Konsum-Defensivwerte, sondern eher Compounder mit defensiven Zügen. Qualitätsfinanzwerte wie BlackRock und Versicherer mit Burggraben, Preissetzungsmacht und top Dividendenwachstum statt bloß hoher Ausschüttungsrendite. Nicht "schwankt wenig", sondern "wächst zuverlässig, auch wenn es mal ruckelt".

Mein Selbsttest, den ich vor jeder Einzelposition mache

Würde ich heute noch investieren? Bin ich bereit, mich laufend mit dem Unternehmen zu beschäftigen? Habe ich eine klare eigene These, oder wäre ein ETF besser? Bei den meisten klassischen defensiven Konsumwerten lautet meine ehrliche Antwort: Der ETF wäre besser.

Warum das Depot dadurch schlanker wird

Der Nebeneffekt ist, dass das Depot schlank bleibt. Ich muss nicht 8-10 zusätzliche Namen tracken, deren einziger Job "nicht so stark fallen" ist. Weniger Positionen heißt mehr Überblick, und weniger "Diworsification", also Diversifikation, die am Ende nur die Portfolioqualität verwässert, statt sie zu verbessern. Jede Position, die ich halte, soll eine Aufgabe haben. "Fühlt sich sicher an" ist für mich keine Aufgabe.

Diese Logik funktioniert nur, wenn Du den ETF-Anteil auch tatsächlich groß genug wählst, um die defensive Funktion im Depot zu erfüllen. Wenn Du defensiver aufgestellt sein willst, ist die einfachste Stellschraube nicht "mehr Einzelaktien wie McDonald's", sondern schlicht ein höher gewichteter ETF-Anteil oder im Worst-Case Cash (Unsichtbares Risiko: Inflation).

Fazit Valentin

Defensive Einzelaktien sind für mich der teuerste Weg, sich sicher zu fühlen. Die Sicherheit, die man sich davon verspricht, bekommt man über einen breiten, kostengünstigen ETF genauso. Aber eben ohne das psychologische Nervenspiel aus Kauf, Frust und Verkauf aus Enttäuschung, das ich selbst mehrfach durchlebt habe. Wachstum plus ETF plus Compounder.

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