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10:12 Uhr, 19.01.2026

VDMA: Europa darf sich nicht erpressen lassen

DJ GRÖNLAND-BLOG/VDMA: Europa darf sich nicht erpressen lassen

Nachrichten, Kommentare, Einschätzungen und Entwicklungen zum Streit um Grönland:

VDMA: Europa darf sich nicht erpressen lassen

Europa darf sich nach Aussage des Maschinenbauverbands VDMA im Streit um Grönland nicht erpressen lassen. "Grönland ist ein Teil Europas und muss es auch bleiben. Wenn die EU hier nachgibt, wird es den amerikanischen Präsidenten nur ermutigen, die nächste aberwitzige Forderung zu stellen und mit weiteren Zöllen zu drohen", heißt es in einer Erklärung von VDMA-Präsident Bertram Kawlath. Die EU‑Kommission sollte prüfen, ob das Instrument gegen handelspolitische Zwangsmaßnahmen (Anti‑Coercion-Instrument) zum Einsatz kommen könne. "Das Europäische Parlament kann in der kommenden Woche unmöglich Zollkürzungen für die USA beschließen, solange Washington die Europäische Union mit neuen Strafzöllen unter Druck setzt", so Kawlath.

Europa könnte Kapital als Waffe gegen USA einsetzen

Europa könnte im Konflikt mit den USA um Grönland nach Aussage George Saravelos, Chefdevisenstratege der Deutschen Bank, Kapital als Waffe einsetzen. "Die US-Regierung konzentriert sich darauf, die Inflation und die Renditen von US-Staatsanleihen zu senken, und Europa könnte beides beeinflussen", schreibt er in einem Kommentar. Entscheidend werde sein, ob die EU beschließe, ihr Instrument gegen Zwangsmaßnahmen (Anti-Coercion-Instrument) zu aktivieren, indem sie Schritte in Erwägung ziehe, die sich auf die Kapitalmärkte auswirkten.

Europa fehlen die Mittel zum Widerstand

Rabobank-Analysten finden es "gut und richtig", dass sich Europa im Konflikt mit den USA um Grönland wehren will - aber: "Wirksamer Widerstand braucht entsprechende Mittel und die hat Europa nicht", schreiben sie in einem Kommentar. Die Analysten machen ihre Einschätzung an drei Punkten fest: Zahlungsverkehr, Energie, Verteidigung. "Ein Bericht der Europäischen Zentralbank (EZB), der im Februar vergangenen Jahres veröffentlicht wurde, stellte fest, dass 61 Prozent aller Kartenzahlungen in Europa über internationale (sprich: US-amerikanische) Kartensysteme abgewickelt werden", erklären sie. Zweitens sei Europa seit Beginn des Krieges in der Ukraine in dem Versuch, sich von russischen Lieferungen zu lösen, abhängig von amerikanischer Energie geworden. Drittens bleibe die EU im Rahmen der Nato ein US-Garnisonsstaat mit bedeutenden US-Stützpunkten in den Niederlanden, Deutschland, Spanien, Italien, Polen, Belgien, Portugal, Griechenland und Norwegen.

EU erwägt Zölle von 93 Milliarden Euro gegen die USA

Die EU bereitet eine Reaktion auf Donald Trumps Zolldrohung im Grönland-Streit vor. Die EU erwägt laut Financial Times, die USA mit Zöllen in Höhe von 93 Milliarden Euro zu belegen oder den Zugang für amerikanische Unternehmen zum EU-Markt einzuschränken. Die Vergeltungsmaßnahmen würden ausgearbeitet, um den europäischen Staats- und Regierungschefs bei den entscheidenden Treffen mit dem US-Präsidenten auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos in dieser Woche mehr Einfluss zu verschaffen, wie an den Vorbereitungen beteiligte EU-Vertreter der Zeitung sagten. Trump hatte am Samstag gesagt, neue Zölle von 10 Prozent gegen Deutschland, Frankreich, Großbritannien, die Niederlande, Dänemark, Norwegen, Schweden und Finnland sollen ab Februar gelten und im Juni auf 25 Prozent steigen.

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