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13:00 Uhr, 23.05.2026

US-Zinsen steigen weiter: Wächst jetzt das Risiko für Bitcoin und AI-Aktien?

Steigende US-Zinsen werden zum Risiko für Bitcoin und Tech-Aktien. Analysten sehen den Bereich von 5,50 Prozent bei langfristigen US-Anleihen als kritische Marke für den Risk-on-Markt.

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Die Wall Street erreicht neue Rekorde, doch steigende US-Zinsen belasten zunehmend Bitcoin und Tech-Aktien. Im Fokus steht die Rendite der 30-jährigen US-Anleihe. Sie ist zuletzt auf mehr als 5,19 Prozent gestiegen und notiert auf dem höchsten Stand seit 2007. Viele Analysten sehen den Bereich zwischen 5,40 und 5,50 Prozent als kritische Marke. Steigende Renditen erhöhen den Druck auf hoch bewertete AI-Unternehmen. Bitcoin handelt seit 2023 eng mit dem Technologiesektor und könnte bei weiter steigenden US-Zinsen ebenfalls unter Druck geraten.

Steigende US-Zinsen setzen Bitcoin und die Märkte unter Druck

Die Rendite der 30-jährigen US-Staatsanleihe ist am Dienstag auf 5,197 Prozent gestiegen. Das ist der höchste Stand seit Juli 2007 gewesen. Die 10-jährige US-Anleihe hat zeitweise bei 4,687 Prozent notiert.

Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen nähert sich wieder dem Niveau der Finanzkrise von 2007. Viele Investoren sehen darin ein Risiko für Aktien und Bitcoin | Quelle: Bloomberg

Während Aktienmärkte neue Hochs erreicht haben und der Volatilitätsindex auf Mehrmonatstiefs gefallen ist, steigen die Sorgen über die Finanzierungskosten in den USA. Im Mittelpunkt steht inzwischen weniger die Inflation selbst. Investoren verlangen zunehmend höhere Renditen für langfristige US-Staatsanleihen. Das erhöht den Druck auf die Finanzmärkte.

JPMorgan-Chef Jamie Dimon hat zuletzt vor der Refinanzierungswelle der US-Staatsverschuldung gewarnt. Analysten sehen den Bereich zwischen 5,40 und 5,50 Prozent inzwischen als kritische Schwelle. Ab diesem Niveau könnte der Druck auf hoch bewertete Wachstumsunternehmen deutlich zunehmen.

Für Bitcoin entsteht daraus ein doppeltes Risiko. Höhere Realzinsen schwächen die Argumente rund um Inflationsschutz und monetäre Entwertung. Gleichzeitig geraten zuerst jene Assets unter Druck, die stark von zukünftigen Gewinnerwartungen abhängen.

Der AI-Sektor trägt den Bullenmarkt

Seit Beginn des aktuellen Bullruns im Oktober 2022 kommen die stärksten Impulse vor allem aus den Sektoren Information Technology und Communication Services. Beide Bereiche haben den breiten Markt deutlich übertroffen.

Technologie- und Kommunikationswerte haben den aktuellen Bullenmarkt seit 2022 klar angeführt | Quelle: Yardeni Research und LSEG Datastream

Steigt die Rendite der 10-jährigen US-Anleihe laut Diskontierungsmodellen von vier auf fünf Prozent, sinkt die faire Bewertung klassischer High-Growth-Unternehmen um mehr als 15 Prozent. Verlangsamt sich zusätzlich das Gewinnwachstum, steigt das rechnerische Abwärtspotenzial deutlich.

Gleichzeitig wirkt der Markt stark gehebelt. Das Optionsvolumen auf den S&P 500 hat zuletzt ein Rekordniveau von 2,6 Billionen US-Dollar erreicht. Viele Anleger investieren aktuell nicht nur mit eigenem Geld, sondern zusätzlich mit Krediten. Sie leihen sich Kapital von Brokern oder Banken, um größere Positionen an den Aktienmärkten aufzubauen.

Steigen die Kurse, erhöhen solche Kredite die Gewinne. Fallen die Märkte, steigen aber auch die Verluste deutlich schneller. Genau deshalb gelten hohe Margin-Schulden oft als Warnsignal für einen überhitzten Markt.

Aktuell liegt dieses kreditfinanzierte Handelsvolumen auf Rekordniveau. Das zeigt, wie stark viele Anleger weiterhin auf steigende Kurse setzen.

Das Optionsvolumen auf den S&P 500 ist auf ein Rekordniveau von 2,6 Billionen US-Dollar gestiegen | Quelle: Goldman Sachs

Bitcoin korreliert seit 2023 eng mit Nasdaq- und Halbleiterwerten. Gerät der AI-Sektor unter Druck, dürfte sich auch der Krypto-Markt kaum entziehen können.

Ausländische Käufer ziehen sich zurück

Derweil schwächt sich die Nachfrage nach US-Staatsanleihen aus dem Ausland ab. Ausländische Investoren haben ihre Treasury-Bestände im März um 139 Milliarden US-Dollar reduziert. Besonders stark sind die Rückgänge in Japan und China ausgefallen. Japans Regierung hat mit Verkäufen auf den Devisenmärkten den Yen gestützt. Chinas Treasury-Bestand liegt inzwischen auf dem niedrigsten Stand seit 2008.

Ausländische Investoren reduzieren ihre Bestände an US-Staatsanleihen. Der Rückgang erhöht den Druck auf den Anleihe-Markt | Quelle: MacroMicro

Kurzfristig erhöht das den Druck auf die Renditen. Langfristig stärkt die Entwicklung allerdings die Zweifel an der Stabilität der US-Staatsfinanzen und der Dollar-Dominanz. Für Risikoanlagen hilft das kurzfristig kaum. Gerät Liquidität aus dem Markt, steigt meist zuerst der Druck auf wachstumsabhängige Assets.

Bitcoin verliert die Entkopplung

Bitcoin notiert aktuell bei rund 77.300 US-Dollar und damit leicht unter dem Niveau der Vorwoche. Gleichzeitig haben die US-Aktienmärkte neue Rekorde erreicht. Eine stärkere Reaktion im Krypto-Markt ist bislang ausgeblieben.

Hinzu kommen Abflüsse bei institutionellen Produkten. Kunden von BlackRock haben zuletzt Bitcoin-Positionen im Wert von mehr als 100 Millionen US-Dollar reduziert. Auch Unternehmer Mark Cuban hat erklärt, einen Großteil seiner Bestände verkauft zu haben.

Die Marke liegt bei 5,50 Prozent

Entscheidend bleibt die Entwicklung der langfristigen US-Zinsen. Steigt die Rendite der 30-jährigen US-Anleihe nachhaltig über den Bereich von 5,40 bis 5,50 Prozent, rechnen Marktteilnehmer mit stärkerem Druck auf AI-Aktien.

Für Bitcoin könnte das schnelle Kursverluste im zweistelligen Prozentbereich auslösen. Aus Sicht vieler Investoren handelt Bitcoin inzwischen weniger als eigenständige Anlageklasse und stärker wie ein klassischer Risiko-Trade. Besonders kritisch wird die Lage, falls gleichzeitig auch die Inflationserwartungen weiter steigen. Dann dürfte der Druck auf die Märkte weiter zunehmen.

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