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Kommentar
18:12 Uhr, 08.01.2026

US-Arbeitsmarktbericht: Verzerrungen bei den Non-Farm-Payrolls – setzen sie sich im Dezember fort?

Die morgigen US-Non-Farm-Payrolls stehen im Fokus – doch nach dem chaotischen November-Bericht bleibt die Frage: Sind die Daten wirklich wieder verlässlich? Neben möglichen statistischen Verzerrungen rückt vor allem die Entwicklung der Arbeitslosenquote in den Mittelpunkt. Es wird spannend.

Erwähnte Instrumente

  • EUR/USD
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    Kursstand: 1,16512 $ (FOREX) - Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung
  • Gold
    ISIN: XC0009655157Kopiert
    Kursstand: 4.460,68 $/oz. (JFD Brokers) - Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung

Mit der morgigen Veröffentlichung der US-Non-Farm-Payrolls (NFP) kehrt der Markt formal wieder zum gewohnten Rhythmus zurück: Die Daten werden erneut am ersten regulären Freitag des Monats veröffentlicht. Doch auch wenn der Zeitplan wieder „normal“ ist, stellt sich die Frage, ob die Datenqualität tatsächlich wieder vollständig belastbar ist.

Der November-Bericht war von erheblichen Problemen geprägt. Hintergrund war der längste US-Government-Shutdown der Geschichte, der nicht nur die Datenerhebung beeinträchtigte, sondern auch dazu führte, dass die Veröffentlichung erst Mitte Dezember erfolgte. Entsprechend lohnt sich ein genauer Blick darauf, ob Verzerrungen in den Arbeitsmarktdaten in den Dezember-Bericht hineinwirken.


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Datenqualität weiterhin im Fokus

Ein zentraler Punkt bleibt die Rücklaufquote der Haushaltsbefragung (Household Survey). Diese Quote befindet sich bereits seit rund zwei Jahrzehnten in einem strukturellen Abwärtstrend. Im November jedoch kam es zu einem besonders auffälligen Einbruch: Die Rücklaufquote fiel auf 64 %, den niedrigsten jemals gemessenen Wert. Zum Vergleich: Im September lag sie noch bei 68,9 % – der Oktober-Bericht wurde aufgrund des Shutdowns komplett übersprungen.

Das US-Arbeitsministerium (BLS) verwies im Vorfeld der November-Veröffentlichung explizit auf diese Problematik sowie auf notwendige Anpassungen bei der Gewichtung der Daten. Die Folge: Der statistische Fehler bei der nationalen Arbeitslosenquote sei um den Faktor 1,06 höher als üblich.

Für den Dezember-Bericht gilt zwar offiziell wieder der Normalbetrieb, sodass mit einer Verbesserung der Rücklaufquote und weniger technischen Verzerrungen zu rechnen ist. Dennoch sollten Marktteilnehmer aufmerksam bleiben – insbesondere, falls diese Probleme wider Erwarten erneut auftreten.


Arbeitslosenquote: Technische Effekte mit Signalwirkung

Ein weiterer Punkt, der im Dezember eine Rolle spielen könnte, betrifft Bundesangestellte. Laut JP Morgan haben sich im November noch zahlreiche Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes als „temporär freigestellt“ gemeldet, obwohl der Shutdown bereits während der Referenzwoche beendet war.

Eine statistische Korrektur dieses Effekts im Dezember könnte die Arbeitslosenquote rechnerisch um rund 4 Basispunkte senken. Das ist insofern relevant, als der Markt nach dem überraschenden Anstieg auf 4,56 % im November besonders sensibel auf diese Kennzahl reagiert.

Die Konsensschätzung für Dezember liegt bei etwa 4,5 % (gerundet). Unabhängig von kurzfristigen Effekten bleibt der übergeordnete Trend jedoch klar:

Die Arbeitslosenquote steigt weiter, was auf eine zunehmende Abkühlung des US-Arbeitsmarktes hindeutet.

Aus Marktsicht sind die Risiken daher eher auf der Oberseite zu verorten. Ein Wert in Richtung 4,7 % (gerundet) würde den Eindruck einer beschleunigten Abschwächung verstärken – mit direkten Implikationen für die Geldpolitik der Federal Reserve.


Wetter als zusätzlicher Einflussfaktor

Neu im Dezember ist ein Faktor, der im November kaum eine Rolle spielte: das Wetter. In mehreren Regionen der USA wurden während der Referenzperiode kältere als übliche Temperaturen gemessen. Zwar zeigen sich wetterbedingte Verzerrungen typischerweise stärker in den Monaten Januar und Februar, doch auch im Dezember könnten einzelne Sektoren – insbesondere Bau, Freizeit und Gastronomie – leicht beeinflusst worden sein.


Einordnung für die Märkte: Was bedeutet das für den S&P 500?

Für den Aktienmarkt – insbesondere den S&P 500 – dürfte der Bericht weniger als „isolierte Zahl“ interpretiert werden, sondern vielmehr im Kontext der Fed-Erwartungen.

Mögliche Szenarien:

  • Schwächerer Arbeitsmarkt / höhere Arbeitslosenquote (≈ 4,6–4,7 %)
    → Stützt die Erwartung früherer oder aggressiverer Zinssenkungen
    → Kurzfristig positiv für den S&P 500, insbesondere zinssensitive Sektoren
    → Gleichzeitig zunehmende Diskussion über Konjunkturrisiken
  • Stabile oder leicht niedrigere Arbeitslosenquote (≈ 4,4–4,5 %)
    → Bestätigt ein langsames, kontrolliertes Abkühlen
    → Neutral bis moderat positiv für Aktien
    → Unterstützt das „Soft-Landing-Narrativ“
  • Überraschend starke Daten
    → Könnten die Zinssenkungsfantasie dämpfen
    → Risiko einer kurzfristigen Korrektur im S&P 500, vor allem nach der starken Vorperformance

Insgesamt gilt: Je schwächer der Arbeitsmarkt, desto unterstützender für die Fed-Lockerung – aber desto fragiler das Wachstumssignal. Der Markt balanciert derzeit genau diesen Zielkonflikt.


Fazit

Auch wenn der Non-Farm-Payrolls-Bericht morgen wieder zum regulären Veröffentlichungstermin erscheint, bedeutet das nicht automatisch, dass alle statistischen Verzerrungen verschwunden sind. Datenqualität, technische Effekte bei der Arbeitslosenquote und exogene Faktoren wie Wetter bleiben zentrale Beobachtungspunkte.

Für den S&P 500 dürfte der Bericht vor allem über die Implikationen für die Geldpolitik wirken – weniger über die absolute Zahl. Entsprechend ist mit erhöhter Volatilität rund um die Veröffentlichung zu rechnen, insbesondere falls die Arbeitslosenquote stärker von den Erwartungen abweicht.


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