Expertenkommentar

Trumps Vermächtnis: Eine Lektion in Ökonomie

Trump ist auch nach dem Ende seiner Amtszeit nicht vom Amt enthoben worden. Diese Schmach bleibt ihm erspart, nicht aber eine andere.

Trumps Vermächtnis ist natürlich sehr viel breiter als eine Lektion in Ökonomie. Rückblickend gesehen ist es verwunderlich, wie viel die Administration zustande gebracht hat, davon viel Unsinn. Ein solcher Unsinn waren die Zölle auf Importe aus China. Die Durchschnittszölle in der Welt fielen über viele Jahrzehnte. Die USA brachen mit diesem Trend 2018 und erstmals seit vielen Jahren stiegen die Zölle wieder (Grafik 1).


Vor Beginn des Handelskonfliktes lag der US-Durchschnittszoll bei weniger als 2 % und stieg dann auf 6 %. Dies beinhaltet den gesamten Handel. Betrachtet man nur die Zölle auf chinesische Importe, schnellten diese von weniger als 5 % auf 20 % nach oben (in Grafik 2 abgebildet).

Das Unterfangen sollte das Handelsbilanzdefizit reduzieren. Das ist ganz offensichtlich nicht gelungen. Zuletzt erreichte es sogar einen neuen Rekordwert. Das ist aus zwei Gründen bemerkenswert. Zum einen mussten die USA für viele Jahre Öl importieren. Ölimporte machten für lange Zeit die Hälfte des Defizits aus. Heute sind die USA kaum noch auf Ölimporte angewiesen. Obwohl mehrere hundert Milliarden pro Jahr durch niedrigere Ölimporte aus der Handelsbilanz verschwinden, ist das Defizit auf Rekordhöhe.

Auf den ersten Blick ist das unlogisch. Wird weniger Öl importiert, sollte das Defizit doch eigentlich sinken. Tat es aber nicht.

Zum anderen stiegen die Zölle an. Importe wurden teurer. Konsumenten mussten mehr für die Produkte zahlen. Trotzdem sanken die Importe nicht, sie stiegen. Auch das ist zunächst nicht intuitiv.

Es gibt dafür aber eine einfache Erklärung. Die Handelsbilanz wird nicht von Zöllen oder einem bestimmten Bedarf wie Öl bestimmt, sondern durch einen ganz simplen Zusammenhang aus Spar- und Investitionsquote. Wird mehr gespart als investiert wird, ist die Handelsbilanz positiv. Wird mehr investiert als gespart wird, ist die Bilanz negativ. Das ist in den USA der Fall.

Gespart wird, indem Konsumenten und der Staat weniger ausgeben als sie einnahmen. Lange Zeit finanzierten Konsumenten ihre Käufe auf Kredit. Gespart wurde nicht. Auch der Staat hat ein enormes Haushaltsdefizit. Die Sparquote der USA ist sehr niedrig. Investiert wird trotzdem und zwar mehr als gespart wird. Unter diesen Umständen gibt es keinen Weg an einem Handelsbilanzdefizit vorbei.

Das hat Trump und seine Administration nicht verstanden. Es ist ein einfaches Prinzip, ja sogar eine Gesetzmäßigkeit. Gesetzmäßigkeiten kann man nicht nur die pure Willenskraft und Zölle besiegen. Wenn man etwas Positives aus der Präsidentschaft mitnehmen will, dann das: ökonomische Gesetze lassen sich nicht umschreiben.

Clemens Schmale


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    18:04 Uhr, 19.02.2021

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Über den Experten

Clemens Schmale
Clemens Schmale
Finanzmarktanalyst

Clemens Schmale hat seinen persönlichen Handelsstil seit den 1990er Jahren an der Börse entwickelt.

Dieser gründet auf zwei Säulen: ein anderer Analyseansatz und andere Basiswerte. Mit anders ist vor allem die Kombination aus Global Makro, fundamentaler Analyse und Chartanalyse sowie Zukunftstrends gemeint. Während Fundamentaldaten und Makrotrends bestimmen, was konkret gehandelt wird, verlässt sich Schmale beim Timing auf die Chartanalyse. Er handelt alle Anlageklassen, wobei er sich größtenteils auf Werte konzentriert, die nicht „Mainstream“ sind. Diese Märkte sind weniger effizient als andere und ermöglichen so hohes Renditepotenzial. Sie sind damit allerdings auch spekulativer als hochliquide Märkte. Die Haltedauer einzelner Positionen variiert nach Anlageklasse, beträgt jedoch meist mehrere Tage, oft auch Wochen oder Monate.

Rohstoffe, Währungen und Volatilität handelt er aktiv, in Aktien und Anleihen investiert er eher langfristig. Die Basiswerte werden direkt – auch über Futures – oder über CFDs gehandelt, in Ausnahmefällen über Optionen und Zertifikate.

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