Trotz guter Inflationsdaten: Wieso erwartet niemand eine Zinssenkung in den USA?
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Dank Zöllen stieg die US-Inflationsrate von 2,3 auf 3 %. Inzwischen ist die Inflationsrate wieder auf 2,65 % gefallen. Setzt sich der Trend fort, kommt die Inflation dem Ziel von 2 % im Frühsommer sehr nahe. Da die Notenbank selbst und viele Anleger keine oder kaum Zinssenkungen erwarten, scheint daran etwas nicht zu stimmen.
Bis Sommer hat der Anleihemarkt maximal eine Zinssenkung eingepreist, bis Jahresende maximal zwei. Niemand wäre überrascht, wenn der Zins nur ein einziges Mal oder sogar gar nicht gesenkt wird. Indirekt bedeutet dies zwei Dinge. Anleger gehen nicht mehr davon aus, dass der Arbeitsmarkt zu schwach ist. Das Tal ist durchschritten. Es geht wieder aufwärts. Wenn der Arbeitsmarkt keine Zinssenkungen verlangt, muss die Inflationsrate Zinssenkungen ermöglichen.
Da die Inflationsdaten solide waren, allerdings kaum jemand davon ausgeht, dass ein positiver Inflationstrend Zinssenkungen erlaubt, hapert es in den Erwartungen bei der Inflation. Nur die Regierung und Regierungsnotenbanker Stephen Miran gehen von einem nachhaltigen Rückgang der Inflation aus. Alle anderen tun es nicht.
Nach einem Jahr Trump II zeigt sich, welche Folgen die Politik hat. Für 2025 wurde davon ausgegangen, dass Zölle die Inflationsrate um 0,4 Prozentpunkte anheben würde. Das Hoch soll in diesem Jahr mit knapp 0,6 Prozentpunkten erreicht werden. So gesehen war der Inflationsanstieg 2025 höher als man es vor einem Jahr erwartet hat.
Die Prognose war dennoch gut und wendet man die Prognose auf die Inflationsrate an, zeigt sich für dieses Jahr ein leichter Inflationsanstieg. Das wird nicht sofort zu sehen sein. Gewisse Basiseffekte und die Datenlücke durch den Shutdown verzerren das mittelfristige Bild.
Auf Sicht einiger Wochen sollte die Inflationsrate weiter nach unten tendieren. Danach ist ein erneuter Anstieg zu erwarten. Auch Verbraucher sehen das so. Die Umfrage der New Yorker Notenbank ist recht zuverlässig. Verbraucher spüren bereits wieder einen Inflationsanstieg. Die Inflationserwartungen sprechen im besten Fall für eine stabile Inflationsrate bis Jahresende.
Noch problematischer wird die Datenlage, wenn es um das favorisierte Inflationsmaß der Fed geht. Dieses liegt noch bei knapp 3 %. Nach einem leichten Rückgang zum Jahreswechsel ist mit einem erneuten Anstieg auf 3 % zu rechnen.
Die Inflation ist längst nicht besiegt. Alle sehen und wissen es, nur nicht die Regierung. Das ist Selbstzweck. Das Zeitfenster, in dem die Inflationsdaten positiv aussehen, schließt sich. Man muss jetzt darauf beharren, dass die Zinsen sinken können. Zinssenkungen wird es dennoch nicht geben, aber das ist für Anleger auch kein Problem. Es erwartet ja auch niemand große Zinsschritte. Solange Realität und Erwartungen nicht auseinandergehen, schadet es dem Aktienmarkt nicht.





Dass die Inflationserwartung der Anleger bei einer jährlichen Neuverschuldung des Staates von ~2 Billionen USD und einer Kreditorgie bei KI hoch bleibt überrascht nicht (asset price inflation). Auch die erratische, konfrontative und rechtsbeugende Politik verlangt einen höheren Risikoaufschlag/Rendite/Zins als sonst üblich. Ich persönlich halte die (langfristige) Anlage in Anleihen für den Kleinanleger für nicht attraktiv.