Analyse
15:50 Uhr, 22.10.2026

THYSSENKRUPP - TK Accelis kommt an die Börse

Der Thyssenkrupp-Konzern bringt nach TKMS eine weitere Tochter an die Börse. Ganz so gefragt wie die Aktie der Marinesparte wird das Papier von TK Accelis aber wohl nicht sein.

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Am 28. Oktober soll es losgehen. Die neue TK-Accelis-Aktie könnte nach den Bewertungsschätzungen der Deutschen Bank zwischen rund 19 und 52 EUR wert sein. Diese große Spanne ergibt sich aus einer möglichen Eigenkapitalbewertung von 1,2 bis 3,3 Mrd. EUR, verteilt auf die künftig rund 63,5 Mio. Aktien des Werkstoffhändlers. Welchen Wert der Markt dem Unternehmen tatsächlich zugesteht, wird sich ab dem 28. Oktober zeigen. Dann soll die bisherige Thyssenkrupp-Sparte erstmals eigenständig gehandelt werden.

Der Essener Industriekonzern will 49 % der Anteile an TK Accelis an seine Aktionäre übertragen und die verbleibenden 51 % behalten. Damit geht Thyssenkrupp den nächsten Schritt beim Umbau zur Finanzholding, nachdem im vergangenen Jahr bereits der Marineschiffbauer TKMS an die Börse gekommen war.


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Eine TK-Accelis-Aktie für 20 Thyssenkrupp-Aktien

Die Abspaltung soll am 27. Oktober wirksam werden. Maßgeblich für die Zuteilung ist der Aktienbestand an diesem Tag. Für jeweils 20 Thyssenkrupp-Aktien erhalten Anleger automatisch eine TK-Accelis-Aktie in ihr Depot. Bei kleineren Beständen oder nicht durch 20 teilbaren Stückzahlen verkauft die Depotbank die entstehenden Bruchteile und schreibt den Erlös gut.

Anders als bei einem klassischen Börsengang häufig der Fall fließt dem Unternehmen kein frisches Kapital zu.

Der Kurs der Thyssenkrupp-Aktie wird sich ungefähr um den Wert der ausgegebenen TK-Accelis-Anteile verringern. Bei einem angenommenen Kurs von 30 EUR für TK Accelis entspräche das beispielsweise einem rechnerischen Abschlag von 1,50 EUR je Thyssenkrupp-Aktie.

Indexfonds könnten zum Börsenstart verkaufen

Diese Konstruktion könnte dafür sorgen, dass die Aktie von TK Accelis zunächst unter Verkaufsdruck gerät. Nach Informationen der Börsen-Zeitung soll die neue Aktie am ersten Handelstag vorübergehend in den MDAX aufgenommen werden und den Index anschließend wieder verlassen. Eine ähnliche Regelung gab es bereits bei der Abspaltung von TKMS im Oktober 2025.

Fonds, die den MDAX nachbilden, müssen ihre Bestände entsprechend anpassen. Darüber hinaus könnten Anleger ihre neu eingebuchten TK-Accelis-Aktien verkaufen, weil sie ausschließlich an Thyssenkrupp interessiert sind.

Die begleitenden Banken Deutsche Bank und Citi bemühen sich deshalb bereits im Vorfeld um institutionelle Investoren, die solche Aktienpakete aufnehmen könnten. Dazu fanden nach Angaben der Börsen-Zeitung in den vergangenen Tagen Gespräche mit Anlegern in mehreren europäischen und nordamerikanischen Finanzzentren statt.

Anders als bei einem klassischen Börsengang gibt es keinen vorab festgelegten Ausgabepreis. Der erste Börsenkurs wird durch Angebot und Nachfrage in der Eröffnungsauktion ermittelt.

Deutsche Bank sieht erhebliche Bewertungsunterschiede

Wie viel TK Accelis wert sein könnte, hat die Deutsche Bank in einer Studie untersucht. Dabei kam eine erstaunliche Bandbreite von 1,2 bis 3,3 Mrd. EUR heraus .

Die Analysten weisen darauf hin, dass sich die Finanzlage des Werkstoffhändlers erheblich verändern kann. Hohe Lagerbestände binden Kapital, und bei steigenden Rohstoffpreisen erhöht sich der Finanzierungsbedarf. Schwächt sich die Industriekonjunktur ab, können zugleich Absatzmengen und Margen zurückgehen.

Im günstigsten Fall könnte der Wert allerdings noch deutlich höher ausfallen. Die Deutsche Bank beziffert den strategischen Unternehmenswert auf mehr als 4 Mrd. EUR. Nach Abzug der in der Studie unterstellten Nettofinanzschulden und Pensionsverpflichtungen von zusammen rund 600 Mio. EUR ergäbe sich daraus ein Eigenkapitalwert von mehr als 3,4 Mrd. EUR. Jefferies hatte den Unternehmenswert einschließlich Schulden zuletzt auf rund 3,6 Mrd. EUR geschätzt.

Der Gewinn steigt bereits deutlich schneller als der Umsatz

Operativ hat sich TK Accelis zuletzt recht erfreulich entwickelt. In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2025/26 stieg der Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 6 % auf 9,13 Mrd. EUR. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) verbesserte sich sogar um 60 % auf 268 Mio. EUR. Das bereinigte operative Ergebnis (EBIT) erhöhte sich von 82 auf 178 Mio. EUR.

Besonders gut lief das nordamerikanische Geschäft. Hier profitierte TK Accelis von höheren Absatzmengen und gestiegenen Preisen, insbesondere im Werkstoffhandel. Hinzu kamen Einsparungen aus früheren Effizienz- und Restrukturierungsprogrammen, die ebenfalls zur deutlichen Ergebnisverbesserung beitrugen.

Den Wachstumskurs in Nordamerika will das Unternehmen fortsetzen. Mit der Übernahme einer Mehrheitsbeteiligung am mexikanischen Werkstoffverarbeiter Aceroteca hat TK Accelis seine Präsenz in der Region bereits ausgebaut. Zudem investiert der Konzern in zusätzliche Verarbeitungskapazitäten, unter anderem für Kupfer und Aluminium.

Mittelfristig strebt das Management ein jährliches Umsatzwachstum von mehr als 4 % und eine bereinigte EBITDA-Marge von 4 bis 5 % an. Im Geschäftsjahr 2024/25 hatte die entsprechende Marge erst rund 2 % erreicht.

Das Dienstleistungsgeschäft soll die Margen erhöhen

TK Accelis will sich zunehmend vom klassischen Werkstoffhändler zu einem Anbieter entwickeln, der für Industriekunden auch die Verarbeitung und Lagerhaltung sowie die Steuerung ganzer Lieferketten übernimmt.

Im klassischen Werkstoffhandel strebt das Management mittelfristig eine bereinigte EBITDA-Marge von rund 3 % an, also extrem wenig. Davon kann man als Unternehmen kaum leben Für die Sparte Solutions, die im Geschäftsjahr 2024/25 einen Umsatz von rund 1,4 Mrd. EUR erzielte, liegt das Margenziel dagegen bei 12 bis 14 %. Damit könnte ein wachsender Anteil des Dienstleistungsgeschäfts die Profitabilität des gesamten Unternehmens deutlich verbessern.

Für die angestrebte Eigenständigkeit hat das Unternehmen bereits eine Finanzierung über 1,7 Mrd. EUR mit einem internationalen Bankenkonsortium vereinbart. Der Kreditrahmen soll den Liquiditätsbedarf nach der Abspaltung decken.

Thyssenkrupp behält die Kontrolle

Für künftige TK-Accelis-Aktionäre gibt es eine Besonderheit zu beadchten. Das Unternehmen ist eine Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA). Diese Rechtsform ermöglicht es Thyssenkrupp, auch bei einer späteren Verringerung seiner Beteiligung maßgeblichen Einfluss auf die Unternehmensführung zu behalten.

Der Vermögensverwalter DWS hatte diese Konstruktion bereits im August kritisiert. Minderheitsaktionäre verfügen damit über weniger Möglichkeiten, auf die Unternehmensführung einzuwirken, als bei einer gewöhnlichen Aktiengesellschaft. Dieser Nachteil könnte sich auch auf die Bewertung auswirken.

Hinzu kommt, dass TK Accelis mit seiner neuen Eigenständigkeit künftig stärker selbst für die Finanzierung seines Wachstums verantwortlich ist. Geplante Übernahmen, insbesondere in Nordamerika, könnten deshalb weitere Kapitalmaßnahmen erforderlich machen. Das würde zwar zusätzliche Wachstumschancen eröffnen, aber auch bestehende Aktionäre verwässern.

Fazit

Mit TK Accelis kommt ein Werkstoffhändler an die Börse, dessen Geschäft sich zuletzt deutlich verbessert hat. Vor allem die höheren Erträge in Nordamerika und der Ausbau margenstarker Dienstleistungen sprechen für weiteres Wachstum.

Die von der Deutschen Bank ermittelte Bewertungsspanne zeigt allerdings, wie unterschiedlich die künftige Entwicklung eingeschätzt werden kann. Ehrlich gesagt: Besonders spannend klingt das Business nicht. Wenn die Deutsche Bank 19 bis 52 EUR pro Aktie als Wert schätzt, sollte man wenn dann nur an der Unterkante der Bewertung einsteigen.

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