Analyse
13:04 Uhr, 07.08.2026

THE TRADE DESK – Erstmals Umsatzrückgang in Sicht

Ich habe es jetzt ja schon lange kommen sehen, und trotzdem überrascht mich das Ausmaß. Seit einigen Quartalen sage ich: kein Investment, Wachstumsqualität zerbröselt, Kommunikation überzeugt mich nicht. Q2 2026 liefert jetzt den bisher härtesten Beleg dafür.

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Aber auch ich habe hier in der Vergangenheit Geld verloren, wenngleich das Ausmaß unterm Strich eher als geringfügig zu bezeichnen ist.

Langfristiges Depot

Der Umsatz wuchs nur noch um 3 % auf 715 Mio. USD und verfehlte den Konsens von 751 Mio. USD deutlich. Das bereinigte EPS kam mit 0,34 USD rein, gegen erwartete 0,40 USD, ein Minus von 17 % YoY.

Und dann kommt die Guidance für Q3: mindestens 650 Mio. USD Umsatz. Das wäre der erste tatsächliche Umsatzrückgang in der Firmengeschichte, gerechnet gegen die 739 Mio. USD aus Q3 2025 rund 12 % weniger. Das bereinigte EBITDA soll bei etwa 160 Mio. USD landen, gegen 317 Mio. USD im Vorjahresquartal fast eine Halbierung.

CEO Jeff Green: "Dieses Quartal hat nicht dem Standard entsprochen, den wir uns selbst gesetzt haben." Der GAAP-Gewinn lag bei nur 64 Mio. USD bzw. 0,14 USD je Aktie, der operative Cashflow bei 154 Mio. USD, der Free Cashflow bei 136 Mio. USD. Die Opex stiegen auf 613 Mio. USD (+6 % YoY), ohne SBC sogar auf 504 Mio. USD (+12 % YoY), unter anderem weil TTD weiter Workloads von externen Cloud-Anbietern in eigene Rechenzentren verlagert. Kurzfristig belastet das die Marge, soll aber langfristig für mehr Kontrolle und Effizienz bei KI-Workloads sorgen.

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Makro als Erklärung, wieder einmal

Jeff Green nennt zwei Gründe für das verhagelte Quartal. Erstens Makro, zweitens eigene Ausführung: "Wir haben die Umsetzung nicht so gut hinbekommen, wie es möglich gewesen wäre." Immerhin gesteht er diesmal explizit ein zweites Problem ein. Bei den Makro-Gründen ist es die inzwischen bekannte Leier. CPG und Automotive machen zusammen rund 25 % des Geschäfts aus und leiden unter Zöllen, Ölpreisen und einem zurückhaltenden Konsumenten.

Das mag alles stimmen, nur bleibt meine Kritik aus dem Q1-Bericht bestehen. Bei Alphabet, Meta oder Applovin höre ich diese Ausrede in dieser Dringlichkeit nicht. Auffällig ist zudem, dass TTD im Call selbst einräumt, ein Teil des Problems liege bei den Kunden, die in der Krise auf "Programmatic Guaranteed" und Fixpreisdeals ausweichen, bei denen sie ihre Entscheidungshoheit an die Verkäuferseite abgeben. Kurzfristig günstiger, langfristig schlechter, so Green. Ob das eine Momentaufnahme oder ein struktureller Trend ist, muss sich erst zeigen.

Immerhin: Finanzdienstleister, Teile der Technologiebranche und Pharma (GLP-1-Werbetreibende) wachsen laut Green stark. EMEA und APAC wuchsen YTD fast 30 %, China sogar über 100 %. Das sind die Lichtblicke in einem sonst düsteren Bericht.

Segmente: Audio überholt, CTV bleibt Rückgrat

Video inklusive CTV lag bei einem Anteil im niedrigen 50er-%-Bereich, Mobile in den hohen 20ern, Display im niedrigen zweistelligen Bereich. Audio wuchs das vierte Quartal in Folge schneller als jeder andere Kanal und liegt jetzt bei rund 7 % des Geschäfts, getrieben unter anderem von der vertieften Spotify-Partnerschaft. Die USA stellten rund 83 % des Umsatzes, International rund 17 %.

Publicis: "Das liegt hinter uns."

Auf Nachfrage zur Publicis-Affäre, über die ich im März berichtet hatte, wich Green nicht aus. Er nennt die öffentlich gewordenen Spannungen im Kern "eine Verhandlung", die inzwischen abgeschlossen sei.

Publicis bleibe seit über einem Jahrzehnt ein kritischer Partner, viele der neuen Joint Business Plans (JBPs) entstünden sogar in Zusammenarbeit mit den Agenturen, inklusive gemeinsamer Arbeit an White-Label-Produkten für Audience Unlimited und Agentic AI. Ob das die ganze Geschichte ist oder nur die Version, die man dem Markt erzählen will, bleibt offen.

Managementumbau geht weiter

Nach mehreren CFOs, COO und CRO in den vergangenen Quartalen kommen nun weitere Namen dazu: Kristi Argyilan (Chief Commercial Officer, zuvor Werbechefin bei Uber) für die Datenpartnerschaften, Ron Lamprecht (Chief Business Development Officer, zuvor Amazon) und Vinny Rinaldi (VP Client Strategy, zuvor Hershey's) für die Positionierung des "Premium Internet" bei den größten Marken. Neuer CFO Nate Olmstead kommt von Penguin Solutions, Logitech und Hewlett Packard Enterprise und ist erst seit einem Monat an Bord. Aber viele neue Gesichter lösen kein einziges Ausführungsproblem von selbst.

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Ausblick

Für Q3 erwartet TTD mindestens 650 Mio. USD Umsatz und rund 160 Mio. USD bereinigtes EBITDA, deutlich unter dem Konsens von 805 Mio. USD respektive 341 Mio. Dollar. Ein Analyst im Call rechnete vor, dass das rund 12 % Umsatzrückgang YoY bedeutet, Green widersprach dem nicht. Das wäre ein Novum für TTD. Selbst die schwächsten Quartale der letzten zwei Jahre waren noch Wachstum, nur eben verlangsamtes. Jetzt reden wir über echten Rückgang.

Fazit

Q2 2026 ist der bisher deutlichste Beweis dafür, dass hier mehr kaputt ist als ein Vorjahreseffekt aus der Politwerbung. Die operative Substanz ist da, keine Frage. Aber das ändert nichts daran, dass TTD zum ersten Mal in der Firmengeschichte einen echten Umsatzrückgang guidet, während man gleichzeitig munter weiter C-Level-Positionen austauscht. Ich bleibe bei meiner Linie: kein Investment. Wer hier einsteigen will, sollte auf ein klares Signal warten, dass die Guidance nicht erneut kassiert wird, und nicht auf die x-te Ansage von "wir sind zuversichtlicher denn je".


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