Stop-Loss & Positionsgröße: Die typischen Fehler im Risikomanagement
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Stop-Loss klingt nach Sicherheitsgurt: Marke setzen, Verlust begrenzen, fertig. In der Realität ist es eher ein Werkzeugkasten – und wer ihn falsch benutzt, baut sich ausgerechnet in Stressphasen zusätzliche Probleme ins Depot. Das gilt besonders dann, wenn Stop-Loss und Positionsgröße nicht zusammen gedacht werden: Ein enger Stop mit zu großer Position ist genauso riskant wie eine kleine Position ohne klaren Ausstiegspunkt.
Entscheidend ist nicht, ob ein Stop gesetzt wird, sondern wie er gesetzt wird – und wie groß die Position dazu ist. Denn Risiko entsteht nicht durch Meinungen, sondern durch Mathematik: Abstand zum Stop × Positionsgröße.
Was ein Stop-Loss wirklich ist (und was nicht)
Ein klassischer Stop-Loss ist meist eine Stop-Order, die bei Erreichen des Stop-Preises in eine Market-Order umspringt. Der Stop ist also kein garantierter Ausführungspreis – er ist ein Auslöser. In schnellen Märkten kann die tatsächliche Ausführung deutlich schlechter ausfallen als gedacht.
Stop-Limit reduziert zwar das Risiko einer extrem schlechten Ausführung – dafür entsteht ein neues Risiko: Die Order kann gar nicht ausgeführt werden, wenn der Kurs schnell durch den Limitbereich rauscht.
Trailing Stops wirken elegant (Stop „läuft nach“), sind aber ebenfalls anfällig für Gaps (Kurslücken), zum Beispiel über Nacht oder bei Handelsunterbrechungen.
Warum Positionsgröße oft wichtiger ist als der Stop
Ein Stop begrenzt nur den Schaden pro Stück. Die Positionsgröße bestimmt den Schaden im Depot. Zwei Beispiele:
- 10% Position mit 10% Stop-Distanz → ca. 1% Depot-Risiko (ohne Slippage/Gaps).
- 30% Position mit 3% Stop-Distanz → ebenfalls ca. 0,9% Depot-Risiko – aber viel anfälliger für „Rauswackeln“, weil kleine Schwankungen reichen.
Die häufigste Risikomanagement-Panne ist daher: Stop setzen, aber die Positionsgröße „nach Gefühl“ wählen.
Die einfache Kernformel
Depot-Risiko pro Trade (in EUR) = Depotwert × Risiko-Prozent
Risiko pro Aktie (in EUR) = Einstiegskurs − Stop-Kurs (bei Long)
Positionsgröße (Stück) = (Depotwert × Risiko-Prozent) / (Einstieg − Stop)
Beispiel:
Depotwert 20.000 EUR, Risiko 1% (= 200 EUR)Einstieg 50 €, Stop 46 EUR → Risiko pro Aktie 4 EURPositionsgröße = 200 / 4 = 50 Stück (ca. 2.500 EUR Einsatz)
Wichtig: Diese Rechnung ignoriert bewusst Gaps/Slippage. Genau deshalb braucht es Puffer – und keine „perfekte“ Kante.
Mit Stop-Mechanik und Positionsgröße stehen die zwei Stellschrauben fest. In der Praxis scheitert es dann meist nicht am Wissen, sondern an wiederkehrenden Mustern.
Die 10 typischen Fehler bei Stop-Loss & Positionsgröße
1) Stop als Garantie verstehen
Viele setzen einen Stop und glauben, damit sei der Verlust exakt begrenzt. In Volatilität kann der Ausführungspreis deutlich abweichen, weil der Stop eine Market-Order auslöst.
Besser: Bei illiquiden Werten oder News-Risiko konservativer planen: kleinere Position, mehr Puffer, kein All-in.
2) Stop zu eng setzen („Marktrauschen“)
Ein enger Stop fühlt sich diszipliniert an – führt aber oft dazu, dass normale Schwankungen ausstoppen, bevor die Idee überhaupt Zeit hat. Ergebnis: viele kleine Verluste + Gebühren + Frust.
Besser: Stop dort setzen, wo die These objektiv bricht (z. B. Strukturbruch) – nicht dort, wo die Schwankung nur unangenehm ist.
3) Stop-Limit als Allheilmittel einsetzen
Stop-Limit schützt vor extrem schlechter Ausführung – aber die Kehrseite ist klar: In schnellen Abverkäufen kann der Kurs durch das Limit fallen und die Position bleibt offen.
Besser: Stop-Limit nur nutzen, wenn das Nicht-Ausführen bewusst akzeptiert wird – sonst lieber Risiko über Positionsgröße steuern.
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4) Positionsgröße ohne Stop-Abstand bestimmen
Der Klassiker: „Die Aktie ist super, also wird größer gekauft.“ Stop sitzt aber nah – oder wird später „weiter runtergezogen“. Dadurch steigt das Depot-Risiko unbemerkt.
Besser: Erst Stop (These) → dann Positionsgröße (Mathe) → dann Order.
5) Trailing Stop zu früh aktivieren
Trailing Stops werden oft direkt nach Einstieg gesetzt. Ein normaler Pullback triggert dann den Ausstieg – und danach läuft der Kurs ohne die Position weiter. Außerdem können Gaps zu deutlich schlechterer Ausführung führen.
Besser: Trailing eher als „Gewinnschutz nach Bewegung“, nicht als primäre Verlustbegrenzung.
6) Gaps & News-Risiko ignorieren
Über Nacht, bei Zahlen, Gerüchten oder Handelsaussetzungen können Kurslücken entstehen. Dann wird der Stop übersprungen – die Ausführung kann deutlich schlechter ausfallen als geplant.
Besser: Vor Events Positionsgröße reduzieren oder Stop/Strategie anpassen – oder Event-Risiko bewusst nicht handeln.
7) Illiquidität unterschätzen
Bei dünnem Orderbuch entstehen größere Spreads und stärkere Preisabweichungen. Selbst die Börsen- und Ausführungsmechanik hat Grenzen: Ausführung braucht Liquidität, und Preise können sich in Sekunden verschieben.
Besser: Liquidere Handelszeiten wählen, Limit statt Market (wo sinnvoll), Positionsgröße an Liquidität koppeln.
8) Korrelationen vergessen
Zehn „kleine“ Positionen können zusammen ein riesiger Klumpen sein, wenn alles am gleichen Faktor hängt (z. B. Tech, Small Caps, Krypto-Nahes). Dann helfen einzelne Stops wenig, weil alles gleichzeitig fällt.
Besser: Risiko auch auf Portfolioebene messen: Wie viel hängt am selben Thema? Welche Positionen fallen gemeinsam?
9) Stop verschieben, weil es weh tut
Stop nach unten ziehen ist menschlich – und zerstört das Risikomanagement. Dann stimmt weder die ursprüngliche Rechnung noch der Plan.
Besser: Eine harte Regel: Stop wird nur nach oben angepasst (bei Long), nie nach unten – außer die gesamte Strategie wurde vorher schriftlich geändert.
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10) Stop-Loss als Ersatz für Plan missbrauchen
Stop-Loss löst nicht das Kernproblem: fehlende These, fehlender Zeithorizont, fehlende Regeln. Besonders bei langfristigen Kernpositionen (z. B. breite ETFs) kann ein mechanischer Stop sogar schaden, wenn er in Crash-Phasen zum ungünstigen Zeitpunkt verkauft und der Wiedereinstieg ausbleibt.
Besser: Für langfristige Bausteine eher mit Allokation, Cash-Puffer, Rebalancing-Regeln arbeiten – Stop-Loss ist eher ein Instrument für definierte Trades, nicht für „Buy & Hold um jeden Preis“.
Ein simples Regelwerk, das sofort besser macht
1) Risiko pro Position festlegen
Als Orientierung eignet sich eine kleine feste Spanne (z. B. 0,5–1% Depot-Risiko pro Trade). Entscheidend ist die Konsequenz: Jede Idee bekommt ein vergleichbares Risiko, unabhängig vom Bauchgefühl.
2) Stop nach These, nicht nach Emotion
Stop-Level dort, wo das Setup objektiv gebrochen wäre.
3) Positionsgröße ausrechnen
Nicht andersrum.
4) Order-Typ bewusst wählen
- Stop (Market) = Ausführung wahrscheinlich, Preis unklar.
- Stop-Limit = Preis kontrollierter, Ausführung unsicher.
5) Worst-Case mitdenken
Bei Gap-Risiko gilt: Stop schützt nicht zuverlässig vor Kurslücken – also muss die Position kleiner sein.
Fazit
Gutes Risikomanagement besteht nicht aus „Stop setzen“. Es besteht aus Plan + Positionsgröße + realistischer Ausführungserwartung. Stop-Orders können in Volatilität deutlich schlechter ausgeführt werden als gedacht, Stop-Limits können gar nicht ausgeführt werden, Trailing Stops sind gap-anfällig.
Wer zuerst die These definiert, den Stop logisch setzt und die Positionsgröße berechnet, verhindert die typischen Rendite-Killer: Überhebelung, Ausstoppen durch Rauschen und emotionale Regelbrüche.
