SPD-Politiker über Bitcoin-Haltefrist: "Steuern zahlen ist etwas ganz Tolles"
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Die vom Bundesfinanzministerium geplante Abschaffung der einjährigen Haltefrist für Kryptowährungen wird so intensiv diskutiert wie nie zuvor. Nach den Plänen von Klingbeils Ministerium soll die bisherige Steuerfreiheit nach einer Haltedauer von zwölf Monaten bald entfallen. Bei einem Webinar der Frankfurt School of Finance & Management diskutierten Vertreter von SPD, Grünen, Linken und Union gemeinsam mit Wissenschaft und Branchenvertretern über die Zukunft der Krypto-Besteuerung.
Kontroverse um Steuergerechtigkeit und den Nutzen von Bitcoin
Bereits der Einführungsvortrag von Co-Pierre Georg von der Frankfurt School sorgte für Diskussionen. Er argumentierte, dass Kryptowährungen wie Bitcoin aus wissenschaftlicher Sicht weder mit Gold noch mit klassischen Währungen vergleichbar seien. Zudem verwies er auf Studien, wonach Kryptowährungen weiterhin häufig für illegale Zahlungen genutzt würden.
Widerspruch kam von Sebastian Becker, Vorstandsmitglied des Blockchain Bundesverbands. Er kritisierte, Georg habe in seinem Vortrag mehrere Themen vermischt. Die Frage, wofür Bitcoin oder andere Kryptowährungen genutzt würden, habe aus seiner Sicht nichts mit der steuerlichen Behandlung zu tun.
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Auch Jens Behrens (SPD) sprach sich für eine Gleichbehandlung von Kryptowährungen und anderen Kapitalanlagen aus. Aus seiner Sicht sei es kein Problem, auf hohe Kursgewinne Steuern zu zahlen.
“Was ist denn das Problem, wenn ich eine Million Gewinn mache mit einer Anlage von 100.000 Euro und ich zahle 25 Prozent Steuern? Ist doch eigentlich eine coole Geschichte, dass ich dann immer noch 750.000 Euro Gewinn gemacht habe. […] Diejenigen, die Steuern zahlen dürfen, ist ja auch etwas ganz Tolles.”
Krypto wird zur Steuerfrage
Olaf Gutting (CDU) stellte sich dagegen hinter die bestehende Haltefrist. Er betonte, dass verschiedene Anlageklassen aus Gründen der Steuergerechtigkeit möglichst gleich behandelt werden müssten. Zudem verwies er darauf, dass Kryptowährungen eine sehr unterschiedliche Anlageklasse seien und nicht ohne Weiteres in ein neues Steuersystem überführt werden könnten. Solange kein konkreter Gesetzentwurf vorliege, sehe er keinen Grund, das bestehende System grundlegend zu verändern.
Max Lucks (Grüne) sprach sich ebenfalls für eine Reform aus, allerdings nicht für einen Wechsel in die Abgeltungsteuer. Nach seiner Vorstellung sollen Kryptowährungen weiterhin unter § 23 Einkommensteuergesetz als private Veräußerungsgeschäfte behandelt werden. Lediglich die einjährige Haltefrist solle entfallen.
Isabel Vandre (Linke) begründete ihre Position mit der Steuergerechtigkeit. Es sei aus ihrer Sicht nicht nachvollziehbar, dass Arbeitseinkommen besteuert würden, Gewinne aus Kryptowährungen nach einem Jahr bislang aber steuerfrei seien. Zudem verwies sie darauf, dass Deutschland mit der einjährigen Haltefrist innerhalb Europas einen Sonderweg gehe.
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Kritiker dieser Sichtweise verweisen jedoch darauf, dass Arbeitseinkommen in der Regel regelmäßig und planbar erzielt werden, während Investitionen in Bitcoin und andere Kryptowährungen stets mit einem erheblichen Verlustrisiko verbunden sind. So können sich Kurse innerhalb kurzer Zeit stark verändern und Anleger neben hohen Gewinnen ebenso deutliche Verluste erleiden.
Droht Krypto das Aus der Haltefrist?
Ob die Krypto-Haltefrist tatsächlich 2027 abgeschafft wird, bleibt vorerst offen. Zwar wächst der politische Druck auf eine Reform, doch ein konkreter Gesetzentwurf liegt bislang nicht vor. Zudem dürfte entscheidend sein, ob sich eine Neuregelung auch verfassungsrechtlich begründen lässt oder Kryptowährungen weiterhin als private Veräußerungsgeschäfte nach § 23 EStG behandelt werden. Die Debatte dürfte den Krypto-Sektor daher noch über viele Monate begleiten.
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