Software-Aktien Prognose 2026: Welche Titel durch KI sterben – und welche siegen
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Der rasante Fortschritt bei Künstlicher Intelligenz sorgt 2026 für eine harte Neubewertung im Software-Sektor. Immer mehr Anleger stellen sich nicht mehr die Frage, ob Unternehmen KI einsetzen, sondern ob ihre Software im KI-Zeitalter überhaupt noch gebraucht wird. Besonders hoch bewertete Aktien geraten unter Druck: Wo KI spezialisierte Einzellösungen ersetzen kann, verlieren Geschäftsmodelle plötzlich an Substanz – und Bewertungs-Gaps öffnen sich nach unten.
In dieser Goldesel Topstory analysieren wir, welche Software-Aktien durch KI potenziell gefährdet sind – und welche trotz Sektor-Abverkauf echte Sieger bleiben. Wir zeigen klar, welche Geschäftsmodelle kaum Burggräben besitzen, wo KI zum Problem wird und welche Unternehmen tief genug in Prozesse eingebettet sind, um sogar zu profitieren. Ziel ist keine Panik, sondern Orientierung: Selektion statt pauschaler Exit aus Software-Aktien.
Software Aktien in Gefahr?
Künstliche Intelligenz ist für die Softwarebranche ein zweischneidiges Schwert. Während sie Effizienzsprünge ermöglicht, rüttelt sie an den Grundfesten vieler Abo-Modelle:
- Erosion von „Per-Seat“-Modellen: Wenn KI-Agenten die Arbeit von zehn Mitarbeitern erledigen, bricht der Umsatz bei Software ein, die pro Nutzer-Account (Seat) abrechnet.
- Demokratisierung von Code: KI-Tools machen es für Unternehmen einfacher, spezialisierte Inhouse-Lösungen zu bauen, statt teure Standardsoftware zu mieten.
- Der „Commodity-Falle“: Einfache Funktionen (Übersetzen, Texten, Belege prüfen) sind heute Basis-Features großer KI-Modelle – spezialisierte Apps verlieren damit ihre Daseinsberechtigung.
- Bewertungs-Gap: Viele SaaS-Titel werden noch immer wie Wachstumsmaschinen bewertet, obwohl ihr Marktanteil durch kostenlose oder integrierte KI-Lösungen der Hyperscaler (Microsoft, Google) schrumpft.
4 Aktien mit Disruptionsrisiko
Wir haben diese vier Titel ausgewählt, weil ihr Kerngeschäft zunehmend zur „Commodity“ (Austauschware) wird. Die Gründe für die Skepsis sind:
- Fehlender Burggraben: Die Funktionen können oft durch einfache KI-Prompts oder Betriebssystem-Integrationen ersetzt werden.
- Geringer Mehrwert: Wenn die kostenlose KI-Konkurrenz bereits 90 % des Bedarfs deckt, sinkt die Bereitschaft für teure Abos.
- Wachstumsstagnation: In gesättigten Märkten fehlt die Innovationskraft, um sich gegen die „KI-First“-Startups durchzusetzen.
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Duolingo
Duolingo ist die weltweit führende Plattform für spielerisches Sprachenlernen. Das Unternehmen nutzt ein Freemium-Modell, bei dem die Nutzerbasis durch Gamification-Elemente und eine sympathische Markenführung (die Eule „Duo“) bei der Stange gehalten wird. Geld verdient Duolingo vor allem mit Abonnements für die werbefreie Version und Zusatzfeatures wie „Duolingo Max“, das bereits erste KI-Rollenspiele integriert.
Finanziell blickt das Unternehmen auf ein volatiles Jahr 2025 zurück, in dem der Umsatz voraussichtlich die Marke von 1 Milliarde USD knacken wird. Das aktuell noch hohe Umsatzwachstum soll in den nächsten Jahren aber spürbar zurückgehen – so die Erwartungen. Der Kurs schwankte 2025 extrem, während die Bewertungskennzahlen weiterhin eine massive Wachstumsstory einpreisen. Zwar konnten die zahlenden Abonnenten auf über 10 Millionen gesteigert werden, doch die Kosten für die Integration teurer GenAI-Modelle drücken zunehmend auf die Margen.
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Das KI-Problem
Der Mehrwert der kostenpflichtigen Pro-Software schwindet rapide. Da fortschrittliche KI-Modelle wie GPT-5 oder spezialisierte Sprach-Agenten mittlerweile flüssige, individuelle Konversationen in Echtzeit und fast kostenlos anbieten, wirkt das starre Lektionen-System von Duolingo zunehmend veraltet. Auch wenn der Free-Modus als Zeitvertreib beliebt bleibt, wird es extrem schwer, Nutzer zum Upgrade auf teure Abos zu bewegen, wenn die Konkurrenz-KI ein persönlicherer und fähigerer Tutor ist.
Chart
Ein Hinweis vorab: Charttechnisch schauen wir uns die Situation der Aktien im Wochenchart an, da hier das ganze Ausmaß des Abverkaufs deutlich wird. Bedenklich ist aktuell insbesondere die relative Schwäche der Aktien. Während der Nasdaq sich am Freitag, den 06. Februar, kräftig erholen konnte, blieben größere Kursausschläge im Software-Sektor zunächst aus.
Duolingo ist wohl einer der heftigsten Tannenbaum-Charts der letzten Jahre. Die Aktie notierte im Hoch 2025 über 500 USD und hat mittlerweile knapp 80 % an Wert verloren, obwohl die operative Entwicklung weiterhin mindestens solide erscheint. Zwischen 110 und 120 USD könnte die Aktie möglicherweise erstmal einen Boden ausbilden. Unter der aktuellen Zone stützt noch einiges an Volumen und der RSI ist bereits deutlich überverkauft. Bei einem Rebound liegt der nächste Widerstand in einer Zone zwischen 155 und 172 USD.
DocuSign
DocuSign gilt als Pionier für elektronische Signaturen und digitales Vertragsmanagement. Das Geschäftsmodell basiert auf der Vereinfachung von Freigabeprozessen, wobei das Unternehmen versucht, sich von der reinen Unterschrift hin zu einer umfassenden „Intelligent Agreement Management“-Plattform zu entwickeln, die Verträge auch analysiert und verwaltet.
Für das Geschäftsjahr 2026 peilt DocuSign einen Umsatz von rund 3,4 Milliarden USD an. Trotz eines soliden Free Cashflows von über 900 Millionen USD und massiver Aktienrückkäufe im Wert von mehreren hundert Millionen Dollar spiegelt die Marktkapitalisierung von ca. 14 Milliarden USD die Skepsis des Marktes wider. Das Unternehmen kämpft mit stagnierendem Wachstum, da der einstige Hype der Pandemie-Jahre endgültig vorbei ist.
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Das KI-Problem
DocuSign leidet unter einem fehlenden technologischen Burggraben. Die Kernfunktion – das digitale Unterschreiben – ist zu einer Standard-Funktion geworden, die 2026 in fast jedem Office-Paket von Microsoft oder Google nativ integriert ist. Ohne eine revolutionäre KI-Funktion, die weit über das hinausgeht, was Standard-LLMs bei der Vertragszusammenfassung leisten, hat DocuSign kaum Argumente für seine hohen Abo-Preise in einem zunehmend gesättigten Markt.
Chart
Bei Docusign wurde die leichte Erholung zu Jahresbeginn wieder massiv abgewürgt. Die Aktie ist zuletzt auch in einem Rutsch durch die vorherige Unterstützung zwischen 48,75 und 50,50 USD gebrochen. Nächstes charttechnisches Ziel ist nun die Unterstützung zwischen 38 bis 39,70 USD. Der RSI ist bereits überverkauft, aber unter der bis zur nächsten Zone liegt eher wenig Volumen, dass den weiteren Abverkauf bremsen könnte.
Adobe
Adobe war über Jahrzehnte der unangefochtene Platzhirsch der Kreativszene. Wer professionell mit Bildern oder Videos arbeitete, kam an der Creative Cloud nicht vorbei – Photoshop und Premiere waren Industriestandards, die eine jahrelange Einarbeitung erforderten. Doch dieser Status als „Gatekeeper“ der Kreativität bröckelt 2026 massiv, da die technologische Barriere für visuelle Exzellenz fast vollständig verschwunden ist.
Finanziell steht der Konzern zwar noch solide da, doch die Anleger sind extrem nervös. Für 2026 wird ein Umsatz von rund 26 Milliarden USD erwartet, was einem Wachstum von etwa 9,5 % entspricht – ein signifikanter Rückgang gegenüber früheren Jahren. Trotz Rekordwerten beim Cashflow hat die Aktie seit ihrem Hoch massiv korrigiert, da das Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwa 25 angesichts der disruptiven Bedrohung vielen Investoren immer noch zu riskant erscheint. Die massiven Investitionen in die eigene KI „Firefly“ konnten den Abwärtstrend bisher nur bremsen, nicht aber umkehren. Dafür muss Adobe mit seiner KI erstmal Vertrauen aufbauen.
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Das KI-Problem
Adobe steht vor einem existenziellen Wendepunkt. Nicht die Konkurrenz ist das Hauptproblem, sondern der fundamentale Nachfragerückgang nach Profi-Tools. Wenn KI-Modelle wie Sora oder Midjourney fotorealistische Ergebnisse per Knopfdruck liefern, wird manuelle Bearbeitung zum Luxusgut für wenige Spezialisten. Die breite Masse der „Semi-Profis“ – vom Grafikdesigner bis zum Content Creator – benötigt die komplexe Adobe-Suite schlicht nicht mehr, da automatisierte Generierung deren Arbeit übernimmt. Adobe droht damit der Verlust seines zahlungskräftigen Massenmarktes.
Chart
Adobe ist nach langer Zeit des Abverkaufs in einem relativ wichtigen charttechnischen Bereich angekommen. Zwischen 257 und 280 USD ist befinden sich einige Auflagepunkte. Noch sieht es allerdings noch nicht nach einer Verlangsamung des Abverkaufs aus. Der RSI ist auch hier überverkauft. Sollte die aktuelle Zone nicht gehalten werden könnte, sieht es aber noch düsterer für die Aktie aus.
Monday.com
Monday.com bietet ein flexibles Betriebssystem für die Zusammenarbeit in Teams. Das Geschäftsmodell beruht darauf, dass Unternehmen ihre eigenen Workflows und Projektpläne ohne Programmierkenntnisse auf der Plattform zusammenbauen können, was Monday zu einem zentralen Knotenpunkt der täglichen Arbeit macht.
Trotz eines starken Umsatzwachstums von zuletzt über 25 % auf rund 1,3 Milliarden USD im Jahr 2025 reagierte der Markt 2026 empfindlich auf die Prognosen. Positiv zu werten ist eine stabile Netto-Cash-Position von 1,6 Milliarden USD, die dem Konzern Spielraum für Innovationen sichert. Dennoch wurde die Aktie zuletzt abgestraft, da die Guidance für 2026 mit einem erwarteten Wachstum von nur noch 17-19 % hinter den hohen Erwartungen der Analysten zurückblieb.
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Das KI-Problem
Das Geschäftsmodell von Monday droht durch autonome KI-Agenten überflüssig zu werden. In einer Welt, in der KI-Assistenten (wie Microsoft Copilot oder Google Gemini) Aufgaben direkt in den Kommunikationskanälen erfassen, tracken und delegieren, wird ein separates, manuell zu pflegendes Dashboard oft als lästiger Zusatzaufwand empfunden. Wenn die KI die Projektsteuerung im Hintergrund übernimmt, schwindet der Nutzen der bunten Monday-Oberfläche rapide.
Chart
Auch der einstige Highflyer monday.com hat den Abverkauf im Software-Sektor voll mitgenommen. Die Aktie hat in einem knappen halben Jahr 70 % an Wert verloren. Zwischen 85,70 und 95 USD liegen einige Tiefs aus dem Jahr 2022. Ob der Abverkauf hier gebremst wird, liegt jedoch mutmaßlich an der Stimmung im gesamten Software-Sektor. Der RSI ist auch hier stark überverkauft.
Unsere Hoffnungsträger
Trotz des KI-bedingten Ausverkaufs gibt es unter Software-Aktien klare Hoffnungsträger. Entscheidend ist nicht, ob KI eingesetzt wird, sondern ob das Geschäftsmodell tief genug verankert ist, um durch KI gestärkt statt ersetzt zu werden.
- Starker Burggraben: Diese Unternehmen sind tief in kritische Geschäftsprozesse eingebettet und nicht einfach ersetzbar.
- Plattform statt Tool: KI ergänzt das Geschäftsmodell, statt es zu verdrängen.
- Hohe Wechselkosten: Kundenbindung entsteht durch Integration, Datenhistorie und Prozessabhängigkeit.
- Sektorale Abstrafe: Viele Titel wurden mit dem gesamten Software-Markt verkauft – unabhängig von ihrer tatsächlichen KI-Positionierung.
- KI als Effizienztreiber: Produktivität, Automatisierung und Margen profitieren langfristig von KI-Integration.
4 Software-Aktien, die von KI eher profitieren
ServiceNow
ServiceNow gehört zu den Software-Unternehmen, deren Geschäftsmodell durch den KI-Fortschritt nicht unter Druck gerät, sondern an Bedeutung gewinnt. Die Now Platform ist tief in unternehmenskritische Abläufe eingebunden – von IT-Service über HR bis zu Genehmigungs- und Finanzprozessen – und damit für Kunden schwer zu ersetzen.
Auch operativ überzeugt das Unternehmen weiter. Im vierten Quartal 2025 übertraf ServiceNow die Erwartungen, der währungsbereinigte Abonnementumsatz stieg um 19,5 %, für 2026 stellte das Management weiteres Wachstum in Aussicht. Die Nachfrage nach KI-gestützten Automatisierungslösungen nimmt spürbar zu, während die Aktie im Zuge der allgemeinen Software-Schwäche mit abgestraft wurde.
Zusätzlichen Rückenwind bringt die ausgeweitete Partnerschaft mit OpenAI. Die direkte Integration leistungsfähiger KI-Modelle beschleunigt den Einsatz von KI-Agenten in Unternehmen und stärkt ServiceNows Rolle als zentrale Steuerungsplattform für komplexe Prozesse.
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KI als Rückenwind
KI übernimmt bei ServiceNow keine Aufgaben, die das Produkt überflüssig machen, sondern erhöht dessen Nutzen. Je komplexer Abläufe in Unternehmen werden, desto größer wird der Bedarf an einer Plattform, die Prozesse bündelt, automatisiert und kontrolliert – genau dort liegt die Stärke von ServiceNow.
Chart
ServiceNow hat ebenfalls einen rasanten Abverkauf hinter sich, könnte sich nun aber in der Zone zwischen 95,50 und 106 USD fangen, sofern der Sektor mal etwas durchatmen kann. Der RSI ist stark überverkauft. Den möglichen Rebound könnte allerdings das Volumen über der aktuellen Zone etwas erschweren.
Salesforce
Salesforce bleibt eines der zentralen Systeme für Vertriebs-, Marketing- und Serviceprozesse in Unternehmen. Zwar hat sich das Umsatzwachstum zuletzt abgeschwächt, doch das Geschäftsmodell gewinnt an Qualität. Für 2026 erwarten Analysten einen Umsatz von rund 41,5 Milliarden USD, was einem Wachstum von etwa 9,5 % entspricht. Entscheidend ist dabei weniger das Tempo als die Tiefe der Kundenbeziehungen: Salesforce baut seinen Umsatz zunehmend über bestehende Großkunden aus und verankert sich stärker in deren Kernprozessen.
Deutlich stärker entwickelt sich die Ertragsseite. Im Jahr 2025 erwirtschaftete Salesforce 12,4 Milliarden USD Free Cashflow. Für 2026 rechnen Analysten mit einem EBIT von rund 8,9 Milliarden USD und einem Ergebniswachstum von gut 23 %. Treiber sind eine robuste Auftragslage sowie die zunehmende Monetarisierung der eigenen Plattform, insbesondere über AgentForce und datengetriebene Zusatzmodule.
Auch von Analystenseite überwiegt der Optimismus. Die Aktie wird mehrheitlich mit „Stark kaufen“ bewertet, das durchschnittliche Kursziel liegt bei rund 328 USD. Vom aktuellen Kursniveau aus ergibt sich damit ein Potenzial von gut 71 %.
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KI als Rückenwind
KI ersetzt bei Salesforce kein bestehendes Produkt, sondern erhöht den Nutzen der vorhandenen Daten und Prozesse. Je stärker Unternehmen Kundeninformationen automatisiert auswerten und Abläufe vernetzen, desto wichtiger wird eine zentrale Plattform, die Daten bündelt, steuert und nutzbar macht – genau darin liegt die Stärke von Salesforce.
Chart
Der Chart von Salesforce ähnelt dem von ServiceNow. Die Aktie hat insbesondere am Mittwoch, den 04. Februar auf die Zone zwischen 190 und 200 USD reagiert, anschließend stellte sich allerdings sofort wieder Verkaufsdruck ein. Sollte das aktuelle Niveau nicht gehalten werden können, so liegen die nächsten charttechnischen Ziele in südlicher Richtung bei 166 und 126 USD.
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Snowflake
Snowflake betreibt eine der wichtigsten Datenplattformen für Unternehmen weltweit. Die sogenannte AI Data Cloud ermöglicht es über 12.600 Kunden, ihre gesamten Datenbestände zentral zu speichern, zu analysieren und zunehmend mit KI-Modellen zu verknüpfen, ohne Daten in externe Systeme verschieben zu müssen. Das Geschäftsmodell basiert auf verbrauchsabhängiger Abrechnung: Je mehr ein Kunde rechnet, speichert und abfragt, desto höher der Umsatz. Das macht Snowflake weniger anfällig für das klassische „Per-Seat“-Problem, unter dem viele SaaS-Unternehmen derzeit leiden.
Operativ zeigt Snowflake weiterhin starke Dynamik. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 (bis Oktober 2025) stieg der Produktumsatz um 29 % auf 1,16 Milliarden USD, die Remaining Performance Obligations wuchsen sogar um 37 % auf 7,9 Milliarden USD. Die Net Revenue Retention Rate lag bei stabilen 125 %, und 688 Kunden generieren inzwischen jeweils mehr als eine Million USD Jahresumsatz. Für das Gesamtjahr 2026 hob das Management die Umsatzprognose auf rund 4,45 Milliarden USD an, ein Plus von 28 % gegenüber dem Vorjahr.
Zusätzlichen Rückenwind liefert die im Dezember 2025 verkündete strategische Partnerschaft mit Anthropic im Umfang von 200 Millionen USD. Anthropics Claude-Modelle werden direkt in Snowflakes Cortex-AI-Plattform integriert, sodass Unternehmen KI-gestützte Agenten innerhalb der gesicherten Snowflake-Umgebung aufbauen können. Wedbush-Analyst Dan Ives nennt Snowflake als einen der fünf Top-Picks während des aktuellen „Software-Armageddons“ und hält am Kursziel von 270 USD fest. Die fundamentale Logik ist klar: Snowflake wird nicht durch KI ersetzt, sondern wird zum zentralen Ort, an dem KI-Modelle auf Unternehmensdaten treffen. Je mehr Firmen KI-Agenten einsetzen, desto mehr Daten fließen durch Snowflake.
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KI als Rückenwind
KI macht Snowflake nicht überflüssig, sondern steigert den Datenverbrauch auf der Plattform. Je stärker Unternehmen KI-Agenten für Analysen, Automatisierung und Entscheidungsfindung einsetzen, desto mehr Rechen- und Speicherkapazität wird über Snowflake abgerufen. Das verbrauchsbasierte Modell profitiert direkt von dieser Entwicklung.
Chart
Der Abverkauf bei Snowflake (knapp 40 % innerhalb der letzten drei Monate) kann im Vergleich zur Peergroup fast noch als relative Stärke gesehen werden. Die Aktie ist allerdings im Vergleich zu Titeln wie Duolingo oder ServiceNow zuvor auch nicht so stark gelaufen.
Im Vergleich zu anderen Software-Aktien konnte Snowflake zumindest von der Erholung im Nasdaq am Freitag mit profitieren und so auf Wochenschlusskurs gerade eben die 200-Wochenlinie halten. Bei weiterer Stärke im Nasdaq zu Wochenbeginn könnte auch hier noch Rebound-Potential bestehen.
Datadog
Datadog ist die führende Monitoring- und Sicherheitsplattform für Cloud-Anwendungen. Über eine einheitliche Plattform können Entwickler- und IT-Teams ihre gesamte Infrastruktur überwachen, von klassischen Servern über Container bis hin zu KI-Workloads. Je komplexer Cloud-Architekturen werden, desto kritischer wird diese Übersicht. Im dritten Quartal 2025 stieg der Umsatz um 28 % auf 886 Millionen USD und übertraf die Analystenerwartungen deutlich. Rund 4.060 Kunden generieren jeweils mehr als 100.000 USD Jahresumsatz, ein Anstieg von 16 % gegenüber dem Vorjahr. Die Cash-Position des Unternehmens liegt bei rund 4,1 Milliarden USD, der Free Cashflow im Quartal bei 214 Millionen USD.
Was Datadog von vielen anderen Software-Unternehmen unterscheidet, ist die Plattformtiefe. Mittlerweile nutzen 54 % der Kunden vier oder mehr Produkte, 31 % sogar sechs oder mehr. Diese Multiprodukt-Adoption erzeugt extrem hohe Wechselkosten und macht die Plattform zum zentralen Nervensystem der IT-Infrastruktur. Hinzu kommt der wachsende KI-Bereich: Über 500 KI-native Unternehmen nutzen Datadog bereits, der KI-Kundenanteil am Gesamtumsatz stieg auf 12 %. Gartner zeichnete Datadog zum zweiten Mal in Folge als „Leader“ im Bereich Digital Experience Monitoring aus.
Auch die Analystenseite stützt die positive Einschätzung. Stifel stufte Datadog im Januar 2026 von „Hold“ auf „Buy“ hoch, mit einem Kursziel von 205 USD. Das durchschnittliche Kursziel von 48 Analysten liegt bei rund 194 USD, was vom aktuellen Kursniveau aus einem Aufwärtspotenzial von über 74 % entspricht. Der allgemeine Software-Abverkauf hat die Aktie weit unter die Konsensschätzungen gedrückt.
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KI als Rückenwind
Datadog profitiert doppelt von KI: Einerseits steigt durch den Betrieb von KI-Modellen die Komplexität der Cloud-Infrastruktur und damit der Bedarf an Monitoring. Andererseits baut Datadog eigene KI-gestützte Produkte wie „Bits AI Agents“ und ein vollständiges AI-Observability-Toolkit, die den Plattformwert für Kunden weiter erhöhen.
Chart
Datadog schloss auf Wochenschlusskursbasis nur knapp unter der 200-Wochenlinie und konnte sich ebenso wie Snowflake mit der Nasdaq am Freitag erholen. Die Price-Action im Chart ist allerdings eher unschön und außer dem Unterstützungsbereich zwischen 78 und 82 USD lassen sich wenige Zonen detektieren. Einer möglichen Erholung steht hier auch relativ viel Volumen, bei 131,60 die 50-Wochenlinie und bei rund 138 die 200- und 50-Tagelinie im Weg.
Wie kann man sich schützen?
Der aktuelle Ausverkauf bei Software-Aktien zeigt, wie schnell sich Marktstimmungen drehen können. Für Anleger, die im Sektor investiert bleiben wollen, ist ein aktives Management der Positionen wichtiger denn je. Wer frühzeitig erkennt, ob ein Unternehmen KI als Chance nutzt oder von ihr verdrängt wird, kann rechtzeitig reagieren.
- Quartalsberichte und Earnings Calls eng verfolgen: Kennzahlen wie Net Revenue Retention, Kundenwachstum und die Entwicklung der KI-Umsätze geben frühzeitig Hinweise, ob ein Geschäftsmodell unter Druck gerät oder profitiert.
- Auf Plattformtiefe achten: Unternehmen, deren Kunden viele Produkte gleichzeitig nutzen, haben deutlich höhere Wechselkosten. Multiprodukt-Adoption ist ein starker Indikator für einen echten Burggraben.
- Partnerschaften und Produktankündigungen beobachten: Strategische KI-Partnerschaften (etwa mit großen Modellanbietern) zeigen, ob ein Unternehmen aktiv in die KI-Wertschöpfungskette eingebunden ist.
- Bewertungsniveau realistisch einordnen: Wenn ein gesamter Sektor abverkauft wird, geraten auch fundamental starke Titel unter Druck. Genau dann lohnt sich ein genauer Blick auf die Bewertung im Vergleich zum tatsächlichen Wachstum.
Fazit: Selektion statt Pauschalurteil
Der KI-Fortschritt teilt den Software-Sektor 2026 schärfer denn je in Gewinner und Verlierer. Unternehmen ohne echten Burggraben, deren Kernfunktionen durch KI-Modelle oder Plattform-Integrationen der Hyperscaler repliziert werden können, stehen vor einer strukturellen Bedrohung. Gleichzeitig profitieren tief verankerte Plattformen, die KI nicht als Konkurrenz erleben, sondern als Verstärker ihres bestehenden Geschäftsmodells.
- Verlierer sind Unternehmen, deren Einzelfunktionen zur Commodity werden, etwa digitale Signaturen, Sprachlernapps oder einfache Projektmanagement-Tools.
- Gewinner sind Plattformen mit hohen Wechselkosten, tiefer Prozessintegration und einem Geschäftsmodell, das durch KI zusätzlich skaliert.
- Der Markt hat im aktuellen Ausverkauf beide Gruppen abgestraft, genau darin liegt die Chance für selektive Anleger.
Expertenstimmen bestätigen: Die Korrektur ist übertrieben
Wedbush-Analyst Dan Ives bezeichnete den aktuellen Abverkauf als „Software-Armageddon“ und betonte, dass der Markt ein Weltuntergangsszenario einpreist, das weit von der Realität entfernt sei. Unternehmen hätten über Jahrzehnte Billionen von Datenpunkten in ihre bestehende Software-Infrastruktur eingebettet, ein Wechsel über Nacht sei schlicht nicht realistisch. Auch NVIDIAs CEO Jensen Huang widersprach der These, KI würde Software-Tools ersetzen: KI sei auf diese Tools angewiesen, statt sie überflüssig zu machen.
Für Anleger bedeutet das: Pauschal aus Software auszusteigen, ist die falsche Reaktion. Wer genau hinsieht, erkennt, dass der aktuelle Abverkauf fundamental starke Unternehmen auf attraktive Bewertungsniveaus gedrückt hat. Die richtige Strategie ist nicht der Exit aus dem Sektor, sondern eine konsequente Selektion, hin zu den Plattformen, die im KI-Zeitalter nicht verdrängt werden, sondern an Bedeutung gewinnen.
Offenlegung wegen möglicher Interessenkonflikte
Einer der Autoren dieses Beitrages ist in den folgenden besprochenen Wertpapieren bzw. Basiswerten zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Analyse investiert: ServiceNow.
