Exklusive stock3 Plus Analyse: SK HYNIX - Aktie in den USA ein Star, in Südkorea starker Einbruch
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War der Auslöser für den Kurssturz etwa (neben der Eskalation im Irankrieg) genau jener Börsengang, den Investoren drei Tage zuvor als Triumph gefeiert hatten, nämlich die größte Erstplatzierung eines ausländischen Unternehmens in der Geschichte der US-Börsen?
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Größer als Alibaba: Rekordemission an der Nasdaq
SK Hynix sammelte über die Ausgabe von American Depositary Receipts (ADRs) an der Nasdaq 26,5 Mrd. USD ein und übertraf damit die 25 Mrd. USD, die Alibaba 2014 erlöst hatte. Die Papiere gingen am Freitag bei 170 USD in den Handel, 14 % über dem Ausgabepreis von 149 USD, und schlossen bei 168,49 USD. Die Nachfrage übertraf das Angebot mehr als siebenfach.
| Eckdaten des US-Börsengangs | |
|---|---|
| Emissionsvolumen | 26,5 Mrd. USD |
| Ausgabepreis je ADR | 149 USD |
| Schlusskurs am ersten Handelstag | 168,49 USD (+13,1 %) |
| Verhältnis ADR zu Stammaktie | 10 zu 1 |
| Überzeichnung | mehr als siebenfach |
| Ticker | SKHY (Nasdaq) |
Der Emissionserlös fließt in neue Produktionsanlagen und in Lithografiemaschinen des niederländischen Ausrüsters ASML, deren neueste EUV-Generation pro Stück mehrere Hundert Mio. USD kostet. Die den ADRs zugrunde liegenden neuen Stammaktien notieren ab dem 29. Juli zusätzlich an der Börse in Seoul.
Warum verkauft man in Seoul, während in New York gefeiert wird?
Mit dem operativen Geschäft hat der Absturz vom Montag wenig zu tun. "Das ADR-Listing war hochgradig erfolgreich, aber ein Großteil dieses Erfolgs war bereits eingepreist", sagt Chan H Lee, Managing Partner beim Hedgefonds Petra Capital Management in Seoul. Die Schwäche spiegele eine typische "Sell the News"-Reaktion und Gewinnmitnahmen wider, keine Verschlechterung der Fundamentaldaten.
Hinzu kommt die Mechanik zwischen den beiden Notierungen. Der ADR-Schlusskurs vom Freitag lag umgerechnet rund 16 % über dem Seouler Schlusskurs von 2,18 Mio. KRW. Weil die Umwandlung zwischen Stammaktien und ADRs nur eingeschränkt möglich ist, kann sich diese Prämie halten. Morgan Stanley rechnet dauerhaft mit 5 bis 10 %, andere Häuser mit bis zu 30 %. UBS empfahl deshalb, koreanische Stammaktien zugunsten der liquideren US-Papiere abzubauen. Zudem hatten sich Investoren die Prämie offenbar schon vor dem Listing gesichert: Sie zeichneten die ADRs zum Ausgabepreis und verkauften parallel Stammaktien in Seoul leer. Darauf deutet die Wertpapierleihe hin, die zwischen dem 23. Juni und dem 8. Juli um 31,4 % anschwoll. Beides erzeugt Verkaufsdruck auf die Stammaktie, ganz ohne neue Nachrichten aus dem Geschäft.
Es ist schon paradox: Eine klassische Arbitrage sollte in dieser Situation eigentlich eher dazu führen, dass man die im Vergleich teuren ADRs verkauft und dafür Stammaktien kauft.
Aber natürlich kommt heute ganz erschwerend die abermalige Eskalation im Irankrieg hinzu. Ohne dieses Ereignis würde es wahrscheinlich heute an der Börse anders aussehen.
Der Kospi hängt am Tropf zweier Aktien
Dass ein einzelner Titel den Kospi um 8 % drücken kann, liegt an der extremen Konzentration des koreanischen Marktes. Samsung Electronics und SK Hynix stehen für mehr als die Hälfte der Kospi-Marktkapitalisierung, Ende des Vorjahres war es noch rund ein Viertel. Seit dem Jahr 2000 hat die Börse den Handel im Kospi 13 Mal unterbrochen, allein siebenmal in diesem Jahr. Gehebelte ETFs auf die beiden Speicherwerte verstärken die Ausschläge. In Hongkong wuchs ein doppelt gehebelter SK-Hynix-ETF des Anbieters CSOP auf über 17 Mrd. USD an und wurde zum größten ETF der Stadt.
Entsprechend groß ist die Fallhöhe. Der Kurs der koreanischen Aktien von SK Hynix ist seit Ende 2022 auf mehr als das 25-Fache gestiegen, liegt nach dem jüngsten Rutsch aber über 30 % unter dem Allzeithoch von Ende Juni. Die größten gehebelten ETFs auf die Aktie haben seit ihrer Auflage Ende Mai fast 40 % verloren.

HBM: Stärke und Schwachstelle in einem
Fundamental bleibt SK Hynix einer der der wichtigsten Profiteur des KI-Booms. Der Konzern dominiert den Markt für High Bandwidth Memory (HBM). Das sind jene Spezialspeicher, die direkt neben den KI-Beschleunigern von Nvidia sitzen und die Datenraten für das Training großer Sprachmodelle liefern. Rund 60 % des globalen HBM-Umsatzes entfallen auf die Südkoreaner. Der Vorsprung geht auf die gemeinsame Entwicklung des ersten HBM-Chips mit AMD im Jahr 2013 zurück.
Ausgerechnet diese Stärke wird nun zum kurzfristigen Risiko. Korea Investment & Securities rechnet damit, dass der operative Gewinn des jüngsten Quartals den Konsens um 8 % verfehlen könnte, weil HBM einen großen Umsatzanteil ausmacht und die Preise dort langsamer steigen als bei Standardspeichern. Konventionelle DRAM- und NAND-Preise klettern wegen der Knappheit, HBM-Lieferungen sind über langfristige Verträge fixiert. Genau diese Vertragsstruktur führen Optimisten allerdings als Beleg für einen "Superzyklus" an, der das übliche Auf und Ab der Speicherbranche ("Schweinezkyklus") außer Kraft setzen soll.
Vorstandschef Kwak Noh-Jung stützt diese Betrachtung. Die Speicherknappheit werde voraussichtlich über das Jahr 2030 hinaus anhalten, sagte er am Freitag. Skeptiker halten dagegen, dass die Branche mit dem frischen Kapital die Kapazitäten aufbaut, die den nächsten Abschwung auslösen könnten. "SK Hynix hat diese Kapitalerhöhung nicht gemacht, um eine Dividende zu zahlen, sondern um Kapazität aufzubauen", sagt Aleksey Mironenko von Leo Wealth. Gleichzeitig arbeiteten die Abnehmer permanent daran, ihren Speicher- und Rechenbedarf zu senken. Die Nachfrage sinke also langsam, während das Angebot langsam steige, so die These.
Das eigentliche Ziel: der Abbau des "Korea-Abschlags"
Hinter dem Rekord-Listing steht auch ein besonderes Kalkül, das über das Einsammeln von 26,5 Mrd. USD hinausreicht. Trotz seiner Führungsposition bei HBM wird SK Hynix nur mit dem Fünffachen des erwarteten Gewinns der nächsten zwölf Monate bewertet. US-Rivale Micron kommt auf das fast Siebenfache. Dieser "Korea-Abschlag" gilt als Preis für die undurchsichtigen Konglomeratsstrukturen der "Chaebol" (die großen, familiengeführten Mischkonzerne Südkoreas). HSBC-Analysten trauen dem ADR-Listing zu, die Bewertung um bis zu 20 % anzuheben, weil US-Investoren erstmals direkten Zugang zu dem Titel erhalten.
Am 29. Juli legt SK Hynix die Quartalszahlen vor, nachdem bereits die vorläufigen Samsung-Ergebnisse der Vorwoche eine Verkaufswelle durch die globale Chip-Lieferkette geschickt hatten.
Fazit
Extremste Kurssteigerungen und gleichzeitig sind die Speicher-Aktien eigentlich so billig wie nie. Die Märke gehen davon aus, dass die außerordentlich hohen Speicherpreise nicht nur nicht haltbar sind, sondern in einigen Jahren drastisch einbrechen werden. Somit würden die aktuell niedrigen KGVs den Anleger blenden. Das ist nicht ganz falsch. Trotzdem dürfte auch der heutige Einbruch in den nächsten Tagen wieder ausgebügelt werden.
Erstveröffentlichung: 07:32 Uhr, 13.07.2026 von Daniel Kühn
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