pfp Advisory:''Das Altersvorsorgedepot wird einiges ändern, auch das Mindset?''
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26. Oktober 2026. FRANKFURT (pfp Advisory). Mittlerweile laufen die Vorbereitungen für das Anfang 2027 startende Altersvorsorgedepot, kurz AVD, auf Hochtouren. Banken, Broker, Fondsgesellschaften und viele andere Anbieter überschlagen sich mit preisaggressiven und niedrigschwelligen Angeboten für die informelle Nachfolge von „Riester“. Das AVD dürfte ob seiner einfachen Struktur, sehr ordentlicher Zulagen und seiner vollständigen Partizipation am Kapitalmarkt nach heutigem Wissensstand eine ganz andere Verbreitung finden als die Riester-Rente bei ihrer Einführung vor gut zwei Jahrzehnten. Neben den genannten Aspekten, die der Gesetzgeber allesamt beeinflussen kann, gibt es noch einen externen Faktor, den wiederum die Regierung (gleich welche Parteien gerade regieren) nicht beeinflussen kann: den Markt.
Zur Erinnerung: Riester kam schlussendlich am 1. Januar 2002 an den Markt. Also mitten in der wohl stärksten Baisse der vergangenen Jahrzehnte. Der Ausverkauf nach dem Technologie-Hype um die Jahrtausendwende war bereits weit fortgeschritten, aber noch längst nicht vorbei. Der DAX etwa büßte in dem Jahr epische knapp 44 Prozent ein. Das war in anderen Worten das schlechteste Jahr für den Leitindex seit seiner Einführung 1988 bis heute. In solch einem Umfeld kritisierte kaum jemand die renditebremsenden Sicherheitsmechanismen bei Riester, die es im AVD nicht gibt.
Heutzutage ist die Stimmung anders, durchaus vergleichbar mit dem Hype um den Jahrtausendwende vor dem Absturz in den Jahren 2000 bis 2003. Anleger sind gerade für Technologie-Unternehmen sehr optimistisch. Was damals das Internet war, ist heute KI. Damals waren die Netzwerkausrüster wie Cisco Systems die Giganten der Nasdaq, heute sind es Halbleiterspezialisten wie Nvidia. Ähnlich wie die junge Generation damals, die jeden Dip in der zweiten Hälfte der Neunziger als Chance sah, herrscht auch heute die Anschauung vor, dass Märkte nicht lange fallen können.
All das dürfte die Begeisterung für das AVD fördern: Optimistische Experten sehen durch das AVD eine siebenstellige, wenn nicht sogar achtstellige Anzahl von neuen Anlegern an den Markt kommen. Wenn es so kommt, stünde die deutsche Anlegerkultur in einer neuen Sphäre, und die Altersvorsorge gerade für die jungen Jahrgänge auf einem ganz anderen Fundament.
Wie sicher dieses Fundament ist, weiß jeder erst sicher im Rentenalter. Doch Wissenschaft und Empirie stützen die These gerade für junge Menschen, dass in 40 bis 50 Jahren Partizipation am Markt am Ende ein solides Plus herauskommen wird. Wie sicher das AVD kurzfristig gerade auf Neuanlegerinnen und -anleger wirkt, ist ein anderes Thema. Denn sollten die Märkte beispielsweise 2027 oder 2028 massiv korrigieren (was übrigens gerade für junge Menschen, die noch lange aufbauen, objektiv eher eine Chance wäre), dann wird sich zeigen, wie tief das Vertrauen in die Kraft des Zinseszins und an die Partizipation an der Realwirtschaft wirklich in der Gesellschaft verfestigt sind. Diese Verständnis, was es etwa in den USA, der Schweiz oder Skandinavien gibt, muss sich in Deutschland erst ausbilden.
Zumal: Sollte es nun zu einem starken Drawdown kommen, werden alle rückwärtsgewandten sozialistischen Kräfte, die momentan ohnehin versuchen, die Gesellschaft mehr in Richtung einer DDR 2.0. zu verwandeln (Stichwort „Vergesellschaftung von Wohnraum“ und vielem mehr), versuchen die Deutungshoheit zu erlangen, wie sie es bei kurzen Korrekturen etwa in 2020 oder 2022, allerdings sehr erfolglos, versucht haben. Zahlreiche hämische Posts der einschlägigen Akteure in den sozialen Netzwerken mit Kassandra-Rufen wegen der plötzlichen Verluste sind seither schlecht gealtert. Man wird sehen, wie die Wirkung ist, wenn es länger kracht.
Ich für meinen Teil bin hier durchaus optimistisch, dass gerade die junge Generation sich nicht ins Bockshorn jagen lässt. Die heute 16- bis 30-jährigen haben nach meiner Wahrnehmung eine sehr kritische Haltung zur Sicherheit eines Umlagesystems, gestützt auch aus dem schlichten Fakt, dass der Staat mit einem eher ungehörigen Teil seines Budgets die Löcher stopft und das Geld zeitgleich woanders fehlt. Das Gute dabei: Die jungen Menschen, die noch Jahrzehnte vor sich haben, haben grundsätzlich eine echte Chance, sich über Sparen und Teilhabe am Produktivkapital etwas aufzubauen. Selbst eine Phase von fünf schwachen Jahren an der Börse wäre aus Sicht eines jungen Menschen eine Chance zum günstigeren Aufbau. Bleibt zu hoffen, dass die jungen Menschen es auch so wahrnehmen. Ich bin da optimistisch. Dass der Staat all dies mit wirklich üppigen Zulagen fördert, ist ohne jede Frage begrüßenswert. Es wurde auch an dieser Stelle schon viel bzgl. fehlender Reformen kritisiert. Mit dem AVD indes wurde der Grundstein für etwas echt Werthaltiges gelegt.
Von Roger Peeters, 26. Oktober 2026, © pfp Advisory
Über den Autor
Roger Peeters ist geschäftsführender Gesellschafter der pfp Advisory GmbH. Gemeinsam mit seinem Partner Christoph Frank steuert der seit über 25 Jahren am deutschen Aktienmarkt aktive Experte den DWS Concept Platow (<LU1865032954>), einen 2006 aufgelegten und mehrfach ausgezeichneten Stock-Picking-Fonds, sowie den im August 2021 gestarteten pfp Advisory Aktien Mittelstand Premium (<LU2332977128>). Weitere Infos unter www.pfp-advisory.de. Peeters ist weiterhin Mitglied des Vorstands der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA) e.V. Roger Peeters schreibt regelmäßig für die Deutsche Börse Frankfurt.
