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Kommentar
09:24 Uhr, 12.10.2026

pfp Advisory: "Höhere Zinsen sorgen für eine unruhige 'neue Welt'"

Fondsmanager Christoph Frank beschreibt die Rückkehr höherer Zinsen als grundlegenden Wandel an den Kapitalmärkten und zeigt auf, welche Herausforderungen und Chancen sich daraus für Anleger ergeben.

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Fondsmanager Christoph Frank beschreibt den neuen Zinszyklus als grundlegenden Wandel für die Kapitalmärkte, zeigt auf, welche Herausforderungen wie Chancen sich daraus ergeben.

12. Oktober 2026. FRANKFURT (pfp Advisory). Als ich mich Anfang der neunziger Jahre für die Kapitalmärkte zu interessieren begann, stieß ich als Novize bald auf die „Bundesschätzchen“ genannten Stufenzinsanleihen, die die Bundesrepublik Deutschland über die Bundesschuldenverwaltung emittierte. Ich erinnere mich noch, wie verzückt ich von den Zinscoupons von 7 oder sogar 9 Prozent (im siebten und letzten Jahr) war. Das war schon deutlich schicker als die damals üblichen 2,50 oder 3 Prozent, die das klassische Sparbuch abwarf. Der solide Heimatstaat als Schuldner, bis zu 9 Prozent Zinsen, mehr als 8 Prozent pro Jahr effektiv über die gesamte Laufzeit… Selbst als blutiger Anfänger verstand ich, dass das eine sehr attraktive Kombination war. (Dass ich dennoch nie Bundesschatzbriefe kaufte, lag lediglich daran, dass ich kurze Zeit später Aktien entdeckte, die ich als Anlageklasse noch wesentlich reizvoller fand.)

Rund 35 Jahre später gibt es Bundesschatzbriefe schon lange nicht mehr, ebenso wie die Bundesschuldenverwaltung in Bad Homburg, die in die Deutsche Finanzagentur in Frankfurt umgewandelt wurde. Zinscoupons von 9 Prozent bei deutschen Staatsanleihen oder eine Umlaufrendite von fast 8,5 Prozent sind ebenfalls längst Geschichte. Allerdings dürften die Zinsen die Talsohle mittlerweile durchschritten haben, stieg doch die Umlaufrendite seit dem Jahr 2020 von Werten unter 0 auf mittlerweile etwa 3,5 Prozent, mithin den höchsten Stand seit der Finanzkrise 2008.

Für mich, der in seiner „Anlegerkarriere“ zuvor fast 30 Jahre lang nur sinkende Zinsen kannte, ist das eine völlig neue Welt. Und „Welt“ ist hier durchaus wörtlich zu nehmen, denn das Phänomen deutlich steigender Zinsen ist keineswegs auf Deutschland beschränkt. Beispielsweise ist auch in den USA, also im größten und wichtigsten Kapitalmarkt der Welt, die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihen von rund 0,5 PProzent zu Corona-Zeiten mittlerweile auf über 5,3 Prozent gestiegen, das höchste Niveau seit 25 Jahren. Selbst im „sicheren Hafen" USA verlangen Anleihe-Investoren inzwischen ordentliche Zinsen.

Mich persönlich wundert das nicht, beäuge ich das Gebaren von US-Präsident Donald Trump und seinem Finanzminister Scott Bessent doch mit einigem Unbehagen. Die Staatsverschuldung der USA ist auf über 40 Billionen (deutsche, nicht amerikanische „billions“) US-Dollar angeschwollen. Würde für diese Schulden ein einheitlicher Zinssatz von 5 Prozent gelten, müssten die USA Jahr für Jahr alleine 2 Billionen Dollar für den Schuldendienst abzwacken, bevor sie auch nur einen einzigen Cent in Sozialausgaben, Verteidigung oder Infrastruktur stecken können.

Pläne oder gar wirkungsvolle Maßnahmen, diesen Schuldenberg wenigstens nicht noch weiter aufzublähen, vermag ich bisher nicht zu erkennen. Stattdessen sägt Trump unbeirrt an der Unabhängigkeit der US-Notenbank, arbeitet mit einem Haushaltsdefizit von ca. 6 Prozent und verspricht teure Geldgeschenke, falls die US-Wähler der republikanischen Partei bei den Zwischenwahlen zum Sieg verhelfen. Bessent wiederum, in seinem früheren Leben eigentlich ein anerkannter Mann des Kapitalmarkts, verblüffte zuletzt nicht nur mich mit verzweifelt wirkenden Eingriffen in den Finanzmarkt, die die Glaubwürdigkeit der US-Finanzpolitik zusätzlich unterminieren.

Leider schafft all das eine Gemengelage, die nicht nur Anleihe-Investorinnen und -Investoren, sondern auch Aktionäre im Blick behalten müssen. Selbst Extremszenarien (wie die Ausgabe von US-amerikanischen Zwangsanleihen gegen Militärhilfe), die ich vor einigen Jahren noch für nahezu unmöglich gehalten habe, müssen mit ihren Nebenwirkungen mittlerweile einkalkuliert werden. Desgleichen sollten spezielle Auswirkungen auf einzelne Branchen analysiert werden, z. B. eine verschärfte Regulierung, um Versicherungen zum Kauf von Staatsanleihen zu nötigen.

Abgesehen davon gilt in einem Umfeld steigender Zinsen, dass erstens Anleihen in Konkurrenz zu Aktien tendenziell an Attraktivität gewinnen und zweitens sich die Refinanzierung für Aktiengesellschaften verteuert. Firmen mit hoher Verschuldung wird das erhöhte Zinsniveau härter treffen als solche mit niedrigem Fremdkapitaleinsatz. Für meinen bzw. unseren Anlagestil bei pfp Advisory ändert sich dagegen nur wenig, da wir bei unseren Investments seit jeher auf eine solide Bilanzstruktur achten. So oder so gilt, dass Aktionäre in der „neuen Welt“ nicht nur ihren angestammten Aktienmarkt, sondern auch den Anleihenmarkt in ihre Strategien einbeziehen sollten.

Von Christoph Frank, 12. Oktober 2026, © pfp Advisory

Über den Autor

Christoph Frank ist geschäftsführender Gesellschafter der pfp Advisory GmbH. Gemeinsam mit seinem Partner Roger Peeters steuert der seit über 25 Jahren am deutschen Aktienmarkt aktive Experte den DWS Concept Platow (<LU1865032954>), einen 2006 aufgelegten und mehrfach ausgezeichneten Stock-Picking-Fonds, sowie den pfp Advisory German Small Caps (<LU2616373085>). Weitere Infos unter www.pfp-advisory.de. Frank schreibt regelmäßig für die Deutsche Börse Frankfurt.