Analyse
12:30 Uhr, 27.08.2026

PERNOD RICARD - Diese Zahlen lassen sich nur mit der Dividende schöntrinken

Der Kater bei Pernod Ricard hält an. Schwache Geschäfte in den USA und China, sinkende Gewinne und ein ernüchternder Ausblick lassen wenig Raum für Zuversicht.

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Anlegern bleibt vorerst vor allem die stabile Dividende (7,1 % Rendite) als Trostpflaster. Doch selbst deren Finanzierung wirkt zunehmend anspruchsvoll.

Im Geschäftsjahr 2026 sank der Umsatz organisch um 3,9 % und damit etwas stärker als die von Analysten erwarteten 3,7 %. Einschließlich Wechselkurseffekten und Markenverkäufen brachen die Erlöse sogar um 14,2 % auf 9,40 Mrd. EUR ein. Es war bereits das dritte Geschäftsjahr in Folge mit rückläufigen organischen Umsätzen.

Das Ergebnis fiel noch deutlicher. Der wiederkehrende operative Gewinn verringerte sich organisch um 5,2 % auf 2,42 Mrd. EUR. Berichtet lag der Rückgang bei 17,9 %. Der auf die Aktionäre entfallende Nettogewinn sank um 26 % auf 1,20 Mrd. EUR, das Ergebnis je Aktie gab um 19 % auf 5,85 EUR nach.

USA und China bleiben Problemfälle

Besonders bitter fällt die Entwicklung in den beiden wichtigsten Problemregionen aus. In den USA brach der Umsatz um 14 % ein, während die Verkäufe an Endkunden um rund 7 % zurückgingen. Neben der schwachen Verbraucherstimmung belasteten Lagerkorrekturen im Handel und die Neuorganisation des Vertriebs.


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Eine schnelle Besserung ist nicht in Sicht. Vorstandschef Alexandre Ricard rechnet damit, dass der US-Spirituosenmarkt bis mindestens 2029 nicht wächst. "Die Annahmen hinter diesem Ausblick basieren auf einem US-Markt, der in diesem Zeitraum nicht wächst und insgesamt ziemlich schwach bleibt", sagte Ricard gegenüber Reuters.

In China sackte der Umsatz sogar um 19 % ab. Die Konsumflaute, regulatorische Maßnahmen und die schwache Nachfrage nach hochpreisigem Cognac setzten vor allem der Marke Martell zu. Immerhin erkennt Pernod erste stabilisierende Signale im chinesischen Handel. Von einer belastbaren Erholung kann jedoch noch keine Rede sein.

Außerhalb der USA und Chinas sieht die Lage weniger trostlos aus. Dort stiegen die organischen Erlöse um 0,5 %. Indien legte um 7 % zu, bereinigt um den Verkauf von Imperial Blue sogar um 9 %. Auch trinkfertige Mischgetränke entwickelten sich mit einem Wachstum von 12 % stark. Diese Lichtblicke reichen bislang jedoch nicht aus, um die Schwäche der beiden großen Absatzmärkte auszugleichen.

Wachstum wird nach hinten verschoben

Für das laufende Geschäftsjahr 2027 erwartet Pernod Ricard lediglich einen weitgehend stabilen organischen Umsatz. Die Geschäfte in den USA und China sollen zunächst weiter schrumpfen, während Indien und andere Märkte den Konzern stützen müssen.

Noch ernüchternder fällt der mittelfristige Ausblick aus. Bis 2029 peilt Pernod beim organischen Umsatzwachstum im Durchschnitt nur noch einen Wert nahe dem unteren Ende der bisherigen Zielspanne von 3 % bis 6 % an. Das obere Ende wirkte angesichts der Branchenflaute ohnehin zunehmend wie eine Erinnerung an bessere Zeiten.

Pernod versucht deshalb, den Gewinn mit drastischen Einsparungen zu stabilisieren. Die Strukturkosten wurden organisch bereits um 8 % reduziert. Seit dem Geschäftsjahr 2024 strich der Konzern nach Angaben des Vorstandschefs rund 3.600 Stellen. Von dem auf 1 Mrd. EUR angelegten Effizienzprogramm wurde im vergangenen Geschäftsjahr bereits die Hälfte realisiert. Die vollständige Umsetzung soll nun ein Jahr früher als geplant bis 2028 erfolgen.

Das schützt zumindest teilweise die Margen. Die operative Marge sank organisch lediglich um 35 Basispunkte auf 25,8 %. Allerdings half dabei auch, dass Pernod die Werbeausgaben auf 15 % des Umsatzes und damit an das untere Ende der angestrebten Bandbreite drückte. Dauerhaft lassen sich fehlende Umsätze aber nicht allein durch Kostensenkungen ersetzen.

Die Dividende bleib ein Trost - Höhe aber in Gefahr

Der Free Cashflow stieg trotz des Gewinneinbruchs um 6 % auf 1,20 Mrd. EUR. Die Cash Conversion verbesserte sich deutlich auf 91 %. Das lag allerdings auch an geringeren Investitionen und einem konsequenteren Management des Working Capital.

Die Nettoverschuldung sank nur leicht um 65 Mio. EUR auf weiterhin hohe 10,66 Mrd. EUR. Weil das operative Ergebnis zurückging, stieg das Verhältnis von Nettoschulden zu EBITDA auf 3,7. Bis 2029 soll es wieder unter 3 fallen. Größere Übernahmen, wie der Anfang des Jahres diskutierte und schließlich gescheiterte Zusammenschluss mit Brown-Forman, wären vor diesem Hintergrund finanziell schwer zu stemmen.

Immerhin hält Pernod Ricard die Dividende stabil bei 4,70 EUR je Aktie. Gemessen am wiederkehrenden Ergebnis je Aktie von 5,85 EUR werden damit allerdings bereits gut 80 % des Gewinns ausgeschüttet. Der zuletzt gezahlte Dividendenbetrag von 1,23 Mrd. EUR lag sogar leicht über dem erwirtschafteten Free Cashflow. Aktionäre können die Schlussdividende von 2,35 EUR wahlweise in bar oder in Aktien beziehen.

Fazit: Pernod Ricard verteidigt seine Marge und verbessert den Cashflow, doch die Performance bleibt schwach. Solange die USA und China nicht zurückkehren, hängen Wachstum und Schuldenabbau stark an Indien und weiteren kleineren Märkten. Die Dividende versüßt das Warten. Schöntrinken sollte man sich mit ihr aber weder die Zahlen noch den Ausblick.

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Jahr 2025 2026e* 2027e*
Umsatz in Mrd. EUR 9,40 9,47 9,73
Ergebnis je Aktie in EUR 5,85 5,80 6,16
KGV 11 11 11
Dividende je Aktie in EUR 4,70 4,30 4,60
Dividendenrendite 7,12% 6,52% 6,97%

*e = erwartet, Berechnungen basieren bei
US-Unternehmen auf Non-GAAP-Daten

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