Analyse
18:30 Uhr, 18.10.2026

Oktober-Crash im Techsektor - Warum ?!

Der KI-Boom läuft auf Hochtouren, doch plötzlich hat er einen neuen Gegner: Teures Kapital. Hyperscaler können es stemmen, hoch verschuldete Neoclouds geraten unter Druck und selbst Chip- und Optikzulieferer werden mitverkauft. Warum volle Auftragsbücher derzeit trotzdem nicht vor heftigen Kursverlusten schützen ...

Die Nachfrage nach Rechenleistung, Chips, Speicher und Datacentern ist weiterhin enorm. Das konnte man zuletzt an den Quartalszahlenberichten von Samsung, ASML, Taiwan Semiconductor ablesen. Die Nachfrage der Kunden ist extrem, teilweise sind diese KI-Riesen für die nächsten beiden Jahre schon ausverkauft. Das muss man sich mal vorstellen. Das Problem ist nicht, ob die Kunden die Kapazitäten wollen, sondern wer die Billioneninvestitionen zu welchen Konditionen finanzieren kann. Bislang wurde ein großer Teil des KI-Ausbaus aus den gigantischen Cashflows von Microsoft, Alphabet, Amazon und Meta bezahlt. Doch die Investitionen wachsen inzwischen schneller als diese Cashflows. Allein im zweiten Quartal investierten die 4 zusammen rund 165 Mrd. USD, 87% mehr als ein Jahr zuvor. Nach diesen Investitionen blieben zusammen nur noch rund 7 Mrd. USD Free Cashflow übrig; Alphabet und Amazon waren auf dieser Basis sogar negativ. Der KI-Ausbau wandert deshalb zunehmend vom eigenen Cashflow an den Kapitalmarkt. Unternehmen mit hohen operativen Cashflows, starken Bilanzen und Investment-Grade-Ratings können steigende Zinsen wesentlich besser verkraften. Microsoft, Alphabet, Amazon oder Meta können Milliardenanleihen platzieren und besitzen zusätzlich weiterhin enorme Cashmaschinen im Kerngeschäft. Für sie lautet die entscheidende Frage weniger ... Bekommen wir überhaupt Geld? Sondern lohnt sich der KI-Capex noch, wenn Kapital teurer wird und die Investitionen irgendwann eine angemessene Rendite erwirtschaften müssen?

Das Problem liegt nachgelagert ! ---->>>>>>

1.) Ganz anders sieht es bei hoch verschuldeten Neoclouds und Datacenter-Betreibern aus. CoreWeave ist das Extrembeispiel. Trotz eines gewaltigen Auftragsbestands von mehr als 100 Mrd. USD lasten inzwischen rund 50 Mrd. USD Schulden auf dem Unternehmen. Einige Anleihen rentierten zuletzt bei etwa 15–16%, während die Kosten für Kreditausfallversicherungen massiv gestiegen sind.

Das ist gefährlich, weil diese Unternehmen enorme Summen investieren müssen, bevor sie ihre langfristig vereinbarten Umsätze verdienen können. Ein Vertrag bis 2030 ist hervorragend, aber wenn dafür heute Milliarden in GPUs und Rechenzentren gesteckt werden müssen und das notwendige Kapital plötzlich 15% kostet, kann selbst ein prall gefülltes Auftragsbuch zum Finanzierungsproblem werden.

Damit verändert sich auch die Börsenlogik. Der Markt zweifelt aktuell nicht zwingend am KI-Boom, sondern er beginnt zu unterscheiden, wer ihn finanzieren kann. Hoch verschuldete Unternehmen müssen Investitionen reduzieren, Projekte verschieben oder zu immer schlechteren Konditionen refinanzieren. Der Markt hat sich auf diese Titel derzeit eingeschossen: CoreWeave, Nebius, IREN, Applied Digital, TeraWulf, Cipher Mining, Core Scientific und Hut 8 und Oracle als größerer Sonderfall.

2.) Der Markt verkauft aber auch Zulieferer, die wegen eines möglichen zukünftigen KI-Capex-Rückgangs verkauft werden. (KI-Capex-Ausgaben sind Investitionen in die physische Infrastruktur für künstliche Intelligenz, vor allem Rechenzentren, GPUs, Speicherchips, Netzwerktechnik, Stromversorgung und Kühlung.) Die haben keine Finanzierungsprobleme wie die Titel in Gruppe 1. Coherent, Lumentum, Applied Optoelectronics, Ciena, Credo, Astera Labs und weiter oben in der Kette Nvidia, Broadcom, Marvell etc. Coherent ist für das Geschäftsjahr 2027 weitgehend ausgebucht, Bestellungen reichen bis 2028. Lumentum hat ebenfalls sehr hohe Nachfrage und Kapazitätsengpässe. Die können sich vor Kundschaft und Nahcfrage nicht retten.

3.) Bei SanDisk, SK Hynix und Micron kommt noch ein anderer Faktor dazu. Das sind keine klassischen Finanzierungsproblem-Aktien. Hier verkauft der Markt einerseits die Befürchtung, dass ein gebremster KI-Capex irgendwann die Nachfrage nach HBM, DRAM und Storage trifft. Zusätzlich kam diese Woche die Sorge vor stärkerer chinesischer Konkurrenz durch CXMT hinzu. Kombination aus China-Wettbewerbsangst, KI-Capex-Sorgen und Gewinnmitnahmen nach der extremen Rally.

So siehts aus. Öl-, vor allem Diesel-, Kerosin-, Benzinpreise steigen. Die treiben als entscheidende Komponente die Inflation weltweit nach oben. Die Notenbanken agieren geldpolitisch restriktiver, Kapital wird teurer ... und dann BOOM kommt das in kapitalintensiven Branchen an und die Kurse beginnen dort dynamisch abzurutschen.


Ich kann Anlegern unter euch, die gerne Aktien handeln, die von meinem Kollegen Oliver Baron gemanagten Depots (in Select und Ultimate) nur wärmstens empfehlen. Er ist fundamental ausgerichtet, arbeitet stark mit statistischen Ansätzen und hat ein unglaublich gutes Händchen, die Aktien auszuwählen und zu kaufen, die dann auch steigen. Er outperformt Index-ETFs und er liefert sich mit Dirk Siebenhaar ein Kopf-an-Kopf-Rennen in Bezug auf Performance. Klar, Dirk ist Referenzklasse. Dirk Siebenhaar handelt aktiver als Oliver, also mehr Trades und er hat ein Gespür für die richtigen Aktien, die in Kürze durchstarten. Wer es ruhiger mag, folgt Oliver. Wer es aktiver mag, folgt Dirk.

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4 Kommentare

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  • Takeprofit_01
    Takeprofit_01

    Ich habe mir gerade die letzte Bilanz + P&L von Coreweave angesehen. Selbst wenn man die US$ 35 bn Schulden und die US$ 11 bn Anzahlungen mal beiseite lässt, fällt auf dass das operative Ergebnis vor Zinsen, grob gesprochen, plus-minus Null ist. D.h. obwohl die Nachfrage so groß sein soll schafft Coreweave gerade mal die Abschreibung, die Energie und ein paar Mitarbeiterkosten mit Umsätzen auszugleichen. Also entweder stimmt das mit der enormen Nachfrage nicht, oder die Nachfrage läßt sich nicht wie erforderlich Monetarisieren. Denn Coreweave ist ja nur Auftragsdienstleister, und welche up-front Investitionen sind denn hier nötig deren Abschreibungen nicht die Umsätze abgedeckt werden können wenn die Nachfrage so enorm ist?

    12:26 Uhr, 19.10.
    1 Antwort anzeigen
  • masi123
    masi123

    Von einem Crash kann man noch nicht sprechen, eher ist es erstaunlich, wie stabil sich der Markt angesichts des Bündels von Problemen/Risiken hält. Die Finanzierungskosten sind nur ein Teil und die Tendenz zu steigenden Zinsen/Renditen ist ja eigentlich schon länger ersichtlich. Für entscheidender halte ich eher die zugrunde gelegten Gewinnerwartungen und darauf basierenden Bewertungen/Kurse. Ich denke, dass diese nicht nachhaltig sind und sich v. a. nicht für Alle erfüllen werden; wie immer wird es einen ruinösen Ausleseprozess geben. Für ebenfalls sehr kritisch halte ich die intransparente Finanzierung (Zweckgesellschaften und ihre Sicherheiten) und insbesondere auch die Zirkelmodelle zur Finanzierung. Es bestehen hohe Abhängigkeiten und falls ein Partner ins Straucheln gerät, fällt das ganze Konstrukt (Dominoeffekt).

    08:39 Uhr, 19.10.
  • MainR
    MainR

    Danke Harry, sehr gut beschrieben. Allerdings dürften auch die Infrastruktur-Player in Not geraten, falls die Neoclouds und deren RZ nicht von den Hyperscaler aufgekauft werden. Nur mal so als Theorie: Evtl haben wir bald an Überangebot an RZ, Neoclouds werden zahlungsunfähig, keiner will die RZ. Was geschieht mit den Aufträgen der In frastrukturzulieferer? Dann helfen auch keine aufträge in den Büchern mehr

    21:41 Uhr, 18.10.