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Kommentar
09:45 Uhr, 16.10.2026

Nvidia-Aktie: Warum die KI-Chip-Aktien trotz TSMC-Rekord fallen

Goldesel Kompakt

Das Wichtigste in Kürze

  1. 01Zwei Tage Verluste: Nvidia verlor am 14. Oktober 3,16 % und am 15. Oktober weitere 1,84 %.
  2. 02Rekorde bei TSMC: TSMC steigerte im dritten Quartal 2026 den Umsatz um 50,9 % und den Nettogewinn um 68,7 % gegenüber dem Vorjahr.
  3. 03Verbindung zu CoreWeave: Nvidia besitzt laut Yahoo Finance etwa 10 % an CoreWeave und hat sich zur Abnahme ansonsten unverkaufter Rechenkapazität bis 2032 verpflichtet.

Der KI-Ausverkauf bei der Nvidia-Aktie hat sich am Donnerstag, 15. Oktober, fortgesetzt: Nach einem Minus von 3,16 % am Mittwoch verlor die Aktie weitere 1,84 %. Gleichzeitig legte TSMC Rekordzahlen vor. Zum 16. Oktober stehen damit zwei unterschiedliche Entwicklungen nebeneinander: Das Geschäft des Chipfertigers wächst kräftig, während Anleger KI-Aktien verkaufen. Laut CNBC verloren 20 der wertvollsten KI- und Halbleiterunternehmen in dieser Woche zusammen mehr als 1 Bio. US-Dollar Börsenwert. Für Dich lohnt deshalb der Blick auf die Finanzierung hinter dem Wachstum: CoreWeaves Schulden und Anleiherenditen erklären einen anderen Teil der Geschichte als die Chipbestellungen.

TSMC liefert Rekorde, aber keine Beruhigung

TSMC erzielte im dritten Quartal 2026 einen Umsatz von 1.494,24 Mrd. NT$ und einen Nettogewinn von 763,06 Mrd. NT$. Der Umsatz stieg gegenüber dem Vorjahr um 50,9 %, der Gewinn um 68,7 %. Es war bereits der sechste Quartalsrekordgewinn in Folge. Damit zeigen die Geschäftszahlen eine anhaltende Expansion, während der Aktienmarkt den KI-Sektor unter Druck setzt. Der Gewinn wuchs zudem um 17,8 Prozentpunkte schneller als der Umsatz.

Für das vierte Quartal prognostizierte TSMC einen Umsatz von bis zu 54,3 Mrd. US-Dollar. Die Prognose betrifft das noch laufende Quartal, die Rekordzahlen dagegen das abgeschlossene dritte Quartal. Beide Angaben zeigen unterschiedliche Zeiträume des Geschäfts. TSMC-Chef C.C. Wei beschrieb die Nachfrage nach den neuesten Fertigungstechnologien auf der Ergebniskonferenz so:

„Demand for our leading-edge technologies continue to be extremely robust,“

C.C. Wei, TSMC-CEO, Ergebniskonferenz zum dritten Quartal 2026

Auch Nvidia-Chef Jensen Huang sagte laut Yahoo Finance, sein Unternehmen erhalte weiterhin mehr Bestellungen für KI-Chips, als es liefern könne. Der Gegensatz zum Aktienkurs ist damit konkret: Hohe Bestellungen und Rekordgewinne verhindern den Ausverkauf derzeit nicht. ActionForex beschreibt die Finanzierung des KI-Ausbaus als einen wesentlichen Grund für die Verkäufe. Das lenkt den Blick vom laufenden Absatz auf die finanzielle Situation der Unternehmen, die Rechenkapazität aufbauen.

CoreWeaves Schulden verbinden den Kreditmarkt mit Nvidia

Bei CoreWeave ist dieser Zusammenhang besonders sichtbar. Laut Yahoo Finance hat das Unternehmen rund 50 Mrd. US-Dollar Schulden; die Renditen einiger Anleihen näherten sich 16 %. ActionForex berichtete für Anleihen mit Laufzeiten bis 2031 und 2032 von Renditen nahe 15 % und wertete dies als Zeichen von Finanzierungsstress. Die Aufmerksamkeit richtet sich also auf Verpflichtungen, die noch mehrere Jahre laufen.

Nvidia ist mit CoreWeave auch finanziell verbunden. Nach Angaben von Yahoo Finance besitzt Nvidia etwa 10 % an dem Unternehmen und hat sich verpflichtet, ansonsten unverkaufte Rechenkapazität bis 2032 abzunehmen. Nvidia ist damit zugleich Beteiligter und vertraglicher Abnehmer. Für die Einordnung der Aktie ist diese Verbindung konkreter als die pauschale Aussage, alle KI-Unternehmen seien vom selben Trend abhängig: Hier gibt es eine Beteiligung und eine Abnahmeverpflichtung.

Huang sagte am Donnerstag, Nvidia müsse CoreWeave nicht finanziell absichern. Zugleich erklärte er, CoreWeaves Kapitalkosten würden sinken. Die Aktie von CoreWeave erholte sich am 15. Oktober um rund 5,94 %, nachdem sie am Vortag mehr als 15 % verloren hatte. Die Erholung machte den vorherigen Rückgang rechnerisch nicht wett: Selbst auf einen Verlust von genau 15 % müsste ein Anstieg von rund 17,65 % folgen, um wieder den Ausgangswert zu erreichen.

Für Nvidia liegt hier der Unterschied zwischen einer Bestellung und ihrer Finanzierung. Huang beschreibt einen Bestellüberhang bei Chips; die Berichte über CoreWeave betreffen die Kosten und Schulden auf der Seite des Rechenkapazitätsanbieters. ActionForex sieht in schlechteren Finanzierungskonditionen einen möglichen mittelbaren Belastungsfaktor für Nvidias Chipnachfrage. Das Risiko betrifft somit den weiteren Ausbau, während die Aussagen zur aktuellen Nachfrage weiterhin auf mehr Bestellungen als Liefermöglichkeiten verweisen.

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Anleiherendite ist nicht Aktienrendite

Die für CoreWeave genannten Werte nahe 15 % beziehungsweise 16 % beziehen sich auf Anleihen. Die Erholung von rund 5,94 % beschreibt dagegen die Tagesveränderung der Aktie am 15. Oktober. ActionForex deutet die hohen Anleiherenditen als Finanzierungsstress; der steigende Aktienkurs am selben Tag betrifft einen anderen Teil des Kapitalmarkts.

Die US-Preisdaten verschärfen den Finanzierungskontext

Am 15. Oktober kam ein weiterer Faktor hinzu: Der US-Erzeugerpreisindex für die Endnachfrage stieg im September saisonbereinigt um 1,3 % gegenüber dem Vormonat und um 6,3 % gegenüber dem Vorjahresmonat. Diese Werte veröffentlichte die US-Statistikbehörde BLS. Die Monatsrate beschreibt die Veränderung gegenüber August, die Jahresrate den Vergleich mit September 2025. Beide Zahlen zeigen kräftige Preissteigerungen, messen aber unterschiedliche Zeiträume.

Damit treffen die Sorgen um CoreWeaves Finanzierung auf hohe Erzeugerpreisinflation. Du solltest dabei die Kennzahlen auseinanderhalten: 6,3 % ist eine Preisveränderung in der US-Wirtschaft. Die für CoreWeave berichteten Werte nahe 15 % und 16 % sind Anleiherenditen eines einzelnen Unternehmens. Sie lassen sich nicht direkt miteinander vergleichen. Zusammen erklären sie jedoch, warum die Diskussion über KI-Aktien derzeit über Umsatz und Chipbestellungen hinausgeht.

TSMCs Wachstum und CoreWeaves Finanzierung stehen dadurch in einem anderen Verhältnis als zwei gewöhnliche Quartalsmeldungen. Der Chipfertiger berichtet bereits erzielte Umsätze und Gewinne; beim Rechenkapazitätsanbieter geht es um Schulden und die finanziellen Bedingungen des Ausbaus. Rekordgewinne an einer Stelle der Branche beantworten deshalb nicht automatisch die Finanzierungsfragen an einer anderen. Genau diesen Unterschied hebt ActionForex in seiner Analyse des Ausverkaufs hervor.

Speicherchips bringen ein anderes Risiko in die Geschichte

Ein weiterer Teil des Ausverkaufs betrifft Speicherchips. Laut International Business Times hat Chinas ChangXin Memory Technologies Fortschritte bei einem dichteren DRAM-Design gemeldet. Der Bericht verbindet diese Entwicklung mit Sorgen über künftige Überkapazitäten und Preisdruck. Anders als bei CoreWeave steht hier eine technische Entwicklung im Mittelpunkt. Die dazu beschriebene Sorge betrifft das künftige Angebot an Speicherchips, während CoreWeaves Anleiherenditen die Finanzierung des Rechenkapazitätsanbieters betreffen.

Auch die Struktur der Neocloud-Branche spielt in den Berichten eine Rolle. International Business Times verweist auf eine Gartner-Prognose, nach der mehr als 80 % der sogenannten Neocloud-Anbieter bis 2030 ihre Eigenständigkeit verlieren könnten. Diese Prognose bezieht sich auf die künftige Unternehmensstruktur. Sie sagt etwas anderes aus als Huangs Aussage über Nvidias Bestellüberhang. Ein Anbieter kann seine Eigenständigkeit verlieren, ohne dass die Frage nach Chipbestellungen damit beantwortet wäre.

Für Deine Einordnung ergeben sich damit drei getrennte Ebenen: TSMC liefert Geschäftszahlen, CoreWeave steht für die Finanzierung von Rechenkapazität, und der Bericht über ChangXin betrifft die Entwicklung des Speicherangebots. Der gemeinsame Ausverkauf an der Börse macht daraus keine identischen Geschäftsrisiken. Bei Nvidia ist die Verbindung zu CoreWeave durch Beteiligung und Abnahmeverpflichtung besonders direkt; die Speicherchip-Sorgen betreffen einen anderen Teil der Halbleiterbranche.

Offenlegung wegen möglicher Interessenkonflikte

Keiner der Autoren ist zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Analyse in den erwähnten Wertpapieren investiert.

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