NOVO NORDISK - Folgt bald die zweite Prognoseanhebung?
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- Novo Nordisk AS - WKN: A3EU6F - ISIN: DK0062498333 - Kurs: 39,190 € (XETRA)
Freilich muss man eine "Prognoseanhebung" bei Novo Nordisk in der aktuellen Lage richtig einordnen. Möglicherweise fällt die Entwicklung lediglich weniger negativ aus, als Analysten für 2026 zunächst erwartet hatten. Nach der Anhebung im Mai rechnet der Konzern jetzt nur noch mit einem Rückgang von 4 bis 12 % bei Umsatz und Gewinn. Ein Rückgang bleibt es dennoch. Die entscheidende Frage ist, warum Analysten trotzdem weiteres Potenzial sehen.
Berenberg und Nordea setzen auf das obere Ende der Prognosespanne
Hier setzt das konstruktivere Analystenlager an. Berenberg hat das Kursziel am 16. Juni auf 325 DKK von zuvor 300 DKK erhöht und die Einstufung "Buy" bestätigt. Der Hintergrund: Nach Gesprächen mit dem US-Chef von Novo Nordisk und mit Blick auf die dynamische Nachfrage nach der oralen Wegovy-Variante traut Berenberg dem Konzern zu, das obere Ende der Jahresprognose zu erreichen.
Wichtig ist die Einordnung. Gemeint ist das obere Ende der bereits im Mai angehobenen adjustierten Spanne, also ein Rückgang von 4 % statt 12 % bei Umsatz und operativem Gewinn. Berenberg erwartet für 2026 damit weiterhin ein schwächeres Jahr, nur eben weniger schwach als bislang befürchtet. Eine Rückkehr zu echtem Wachstum sieht das Haus erst 2027, dann mit einem Umsatzplus von 3 %. Für die Jahre 2028 bis 2030 stellen die Analysten dann jeweils rund 6 % Wachstum in Aussicht. Treiber sollen neue Produkte und eine breiter werdende Pipeline sein.
Heute kam zudem Rückenwind von Nordea hinzu. Das Haus stufte die Novo-Nordisk-Aktie auf "Buy" von zuvor "Hold" hoch und hob das Kursziel auf 350 DKK an. Damit liegt Nordea aktuell sogar über Berenberg. Die Begründung passt ins bekannte Muster, geht beim kurzfristigen Optimismus aber noch einen Schritt weiter: Das News-Umfeld sei aus Sicht der Analysten positiv verzerrt, weil der Wegovy-Absatz die Erwartungen übertreffen könnte. Im Raum steht dabei das Szenario, dass die Umsätze der Wegovy-Pille im Jahr 2026 rund 18 Mrd. DKK erreichen könnten. Der bisherige Marktkonsens liegt nach den vorliegenden Berichten bei etwa 11 Mrd. DKK. Auch Nordea setzt damit auf die These, dass sich Pille und Injektionspräparate im zweiten Halbjahr stark entwickeln und die Guidance erneut nach oben angepasst werden könnte.
Der Q1-Bericht erklärt den Stimmungswechsel
Dass sich Analysten wieder stärker mit einer Stabilisierung beschäftigen, hängt vor allem an der operativen Entwicklung im ersten Quartal. Auf den ersten Blick sahen die Zahlen deutlich besser aus, als sie im bereinigten Bild tatsächlich waren. Der berichtete Umsatz stieg währungsbereinigt um 32 % auf 96,8 Mrd. DKK, das operative Ergebnis legte um 65 % auf 59,6 Mrd. DKK zu. Dahinter stand allerdings ein erheblicher Einmaleffekt aus der Auflösung einer Rückstellung im Zusammenhang mit dem US-340B-Programm.
Bereinigt zeigte sich ein deutlich nüchterneres Bild. Der Umsatz sank um 4 % auf 70,1 Mrd. DKK, das operative Ergebnis ging um 6 % auf 32,9 Mrd. DKK zurück. Auch beim verwässerten Gewinn je Aktie stand bereinigt ein Minus von 3 %. Genau deshalb wäre eine weitere Prognoseanhebung zwar positiv für die Aktie, sie würde aber noch keine Rückkehr zur früheren Wachstumsdynamik bedeuten.
Ganz ohne positive Signale verlief das Quartal aber ebenfalls nicht. Der bereinigte Umsatz im Bereich Adipositas stieg um 22 %. Im Mittelpunkt stand dabei die orale Wegovy-Tablette, die im ersten Quartal bereits 2,3 Mrd. DKK Umsatz beisteuerte. Novo Nordisk sprach damals von mehr als 1 Mio. behandelten Patienten seit dem Marktstart im Januar. Berenberg verweist inzwischen auf rund 3 Mio. Verschreibungen innerhalb von etwa 22 Wochen. Das spricht für einen sehr schnellen Hochlauf.
Die Wegovy-Pille ist der zentrale Hebel
Genau hier liegt der Kern der bullischen These. Wenn ein neues Produkt in kurzer Zeit hohe Verschreibungszahlen erreicht, steigen die Chancen, dass es den Preisdruck in anderen Bereichen zumindest teilweise abfedern kann. Darauf baut Berenberg seine Erwartung für das Gesamtjahr auf.
Hinzu kommt, dass Novo Nordisk seit Anfang April in den USA mit Wegovy HD auch eine höher dosierte Variante anbietet. Laut Berenberg wechselten rund 80 % der Patienten von der 2,4-mg-Dosis auf die neue Version. Das ist vor allem deshalb relevant, weil es auf eine hohe Bindung bestehender Patienten hindeutet. In einem Markt mit intensivem Wettbewerb durch Eli Lilly ist das ein wichtiger Punkt.
Auch regulatorisch gab es zuletzt Rückenwind. In Großbritannien erhielt die tägliche Wegovy-Tablette im Juni eine Zulassung durch die MHRA. Das ist für sich genommen noch kein entscheidender Wendepunkt, unterstreicht aber, dass Novo Nordisk die orale Plattform Schritt für Schritt international ausrollt.
Der Markt bleibt gespalten
So schlüssig die Argumentationen der Novo-Nordisk-Bullen auf den ersten Blick wirken, Konsens sind sie am Markt nicht. Das Bärenlager ist noch gut gefüllt. Die Deutsche Bank bleibt bei "Hold" mit einem Kursziel von 290 DKK. JPMorgan zeigt sich mit "Neutral" und 250 DKK noch vorsichtiger. Dort verweist man zwar ebenfalls auf Chancen in der Pipeline, bleibt aber zurückhaltend, solange neue Produkte ihren kommerziellen Erfolg erst nachhaltig beweisen müssen.
Genau hier verläuft die Trennlinie. Über den starken Start der Wegovy-Pille wird kaum noch diskutiert. Die offene Frage ist, wie viel davon im Kurs bereits vorweggenommen wurde und ob neue Produkte ausreichen, um Preisdruck, Margenbelastung und spätere Patentabläufe aufzufangen. Die Bandbreite bei den Analystenzielen zeigt, wie groß die Unsicherheit weiterhin ist. Je nach Quelle reicht sie derzeit von 200 bis 454 DKK. Für einen Large Cap dieser Größenordnung ist das eine ungewöhnlich breite Spanne.
Gegenwind bleibt sichtbar
Novo Nordisk hat trotz der besseren Stimmung weiterhin mit klaren Belastungsfaktoren zu kämpfen. Im US-Geschäft sanken die bereinigten Umsätze im ersten Quartal um 11 %, vor allem wegen niedrigerer realisierter Preise. Die bereinigte Bruttomarge fiel auf 80,6 % von 83,5 %. Der Preisdruck ist damit längst in den Zahlen angekommen.
Dazu kommt politische Unsicherheit in den USA. Bei der Prognoseanhebung im Mai hatte Novo Nordisk unter anderem Effekte eines "Most-Favored-Nation"-Preisrahmens berücksichtigt. Solche regulatorischen Eingriffe können die Profitabilität im Pharmageschäft spürbar verändern.
Vorsicht ist auch bei einem weiteren Thema angebracht. Eine Hackergruppe behauptet, sich über zwei Monate Zugang zu Systemen von Novo Nordisk verschafft und mehr als 1,3 Terabyte an Daten entwendet zu haben, darunter angeblich auch Informationen zu klinischen Studien und nicht zugelassenen Medikamenten. Eine belastbare Bewertung möglicher Folgen liegt bisher nicht vor. Entsprechend bleibt das aktuell ein potenzielles Risiko, mehr aber vorerst auch nicht.
Die nächsten Kurstreiber sind klar
Für die Novo-Nordisk-Aktie dürfte der Newsflow in den kommenden Monaten hoch bleiben. Im Fokus stehen zunächst die Zahlen zum zweiten Quartal am 5. August. Dann wird sich zeigen, ob der starke Start der Wegovy-Pille ausreicht, um die Jahresziele erneut in Richtung oberes Ende der Spanne zu schieben.
Hinzu kommen mehrere wichtige Pipeline-Ereignisse. Für CagriSema in den Bereichen Adipositas und Typ-2-Diabetes werden im zweiten Halbjahr regulatorische Fortschritte erwartet. Eine FDA-Entscheidung zur Gewichtsreduktion wird am Markt im vierten Quartal einkalkuliert. Auch für Mim8 steht im zweiten Halbjahr eine mögliche US-Zulassung im Raum. Zudem könnte die ZEUS-Studie mit Ziltivekimab ein weiterer relevanter Datenpunkt werden.
Fundamental bleibt die Lage damit anspruchsvoll. Die Hoffnung auf eine bessere Entwicklung 2026 stützt sich vor allem auf die Dynamik bei der Wegovy-Pille und auf neue Produkte aus der Pipeline. Der Markt verlangt damit in gewisser Weise einen Beweis, dass das Tal bei Umsatz und Gewinn flacher ausfällt als bislang befürchtet. Genau das macht die Aktie aktuell interessant, aber eben auch anfällig für Enttäuschungen.
Fazit: Die Stimmen mehren sich, dass Novo Nordisk dank des sehr guten Starts der Wegovy-Tablette im Jahr 2026 besser abschneiden könnte als erwartet. Gut, das wäre in meinen Augen aber auch zwingend notwendig. Warum sollte ich für ein Gewinnminus oder eine Gewinnstagnation KGVs von 14 bezahlen? Das kann ich woanders auch günstiger haben. Die Dividende, die auch immer als Argument pro Novo Nordisk angeführt wird, wird im Übrigen bis 2027 ebenfalls sinkend erwartet. Also fundamental für mich immer noch tricky und eher eine Spekulation, dass es besser werden MUSS und die Analysten zu tief stapeln. Erst im Mai hatte ich über Bernstein berichtet, die vor allen Dingen die langfristigen Voraussetzungen weiter sehr kritisch sehen.
Charttechnisch dagegen ist die Ausgangslage für Trader hochspannend. Mein Kollege André Rain hat nicht ohne Grund zuletzt gleich doppelt auf den Wert hingewiesen:
- NOVO NORDISK - Das sollte man sich anschauen!
- Chart Tracker: SpaceX, Siemens Energy, Strategy, Novo Nordisk
| Jahr | 2025 | 2026e* | 2027e* |
| Umsatz in Mrd. DKK | 309,06 | 292,69 | 298,73 |
| Ergebnis je Aktie in DKK | 23,03 | 21,00 | 21,46 |
| Gewinnwachstum | -8,81% | 2,19% | |
| KGV | 13 | 14 | 14 |
| KUV | 3,2 | 3,4 | 3,3 |
| PEG | neg. | 6,23 | |
| Dividende je Aktie in DKK | 11,70 | 11,35 | 10,90 |
| Dividendenrendite | 3,99% | 3,87% | 3,72% |
| *e = erwartet, Berechnungen basieren bei US-Unternehmen auf Non-GAAP-Daten |

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