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11:00 Uhr, 05.03.2026

Nagel: EZB muss mittelfristige Folgen des Kriegs analysieren

Von Hans Bentzien

DOW JONES--Die Europäische Zentralbank (EZB) muss nach Aussage von EZB-Ratsmitglied Joachim Nagel analysieren, welche Auswirkungen der Krieg im Nahen Osten auf das mittelfristige Inflationsziel hat. Bei der Vorlage des Jahresabschlusses der Deutschen Bundesbank sagte er laut veröffentlichtem Redetext: "Wir sind aus heutiger Sicht auf dem aktuellen Leitzins-Niveau richtig positioniert. Sollte sich das Inflationsbild substanziell ändern, sind wir in einer guten Lage, um darauf reagieren zu können." Für die Geldpolitik sei die Frage entscheidend, ob es sich um temporäre Angebotsschocks handele, über die sie hinwegsehen könnte.

"Bei einem zügigen Ende der Kämpfe, und einer politischen Einigung und allenfalls minimalen Schäden an der Energieinfrastruktur der Region könnten die Energiepreise bald wieder sinken", fuhr Nagel fort. Die Folgen für die Inflation wären dann kurzfristig und insgesamt überschaubar. "Sollten die Energiepreise hingegen für eine längere Zeit erhöht bleiben, würde dies im Euroraum tendenziell zu einer höheren Inflation und einer schwächeren Konjunktur führen."

Derzeit wäre es Nagel zufolge verfrüht, aus der volatilen Lage geldpolitische Schlussfolgerungen zu ziehen. "Wir sind gut beraten, die Auswirkungen auf unser mittelfristiges Inflationsziel sorgfältig zu analysieren", sagte er.

Nagel wies darauf hin, dass die deutsche Wirtschaft im laufenden Jahr etwas stärker als im Dezember prognostiziert (0,6 Prozent) ausfallen könnte. "Das liegt vor allem an einem höheren Ausgangsniveau. Denn im Schlussquartal 2025 ist die Wirtschaft überraschend stark gewachsen", sagte er.

Die Deutsche Bundesbank, deren Präsident Nagel ist, wies für 2025 einen Fehlbetrag von 8,6 (2024: 19,2) Milliarden Euro aus. Seit der Zinswende 2022 übersteigen die Zinsaufwendungen für die Einlagen die Zinserträge aus den Anleiheportfolios der Bundesbank. Nagel zufolge beläuft sich der kumulierte Bilanzverlust derzeit auf 27,8 Milliarden Euro, und 2026 dürfte erneut ein - wenn auch geringerer - Fehlbetrag anfallen.

Künftige Jahresüberschüsse wird die Bundesbank dazu nutzen, um den aufgelaufenen Bilanzverlust aus eigener Kraft ab- und die notwendige Risikovorsorge aufzubauen. "Wir erwarten deshalb, längere Zeit keine Gewinne ausschütten zu können", sagte Nagel.

Kontakt: hans.bentzien@dowjones.com

DJG/hab/kla

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