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Kommentar
10:57 Uhr, 29.08.2025

MARVELL TECHNOLOGY enttäuscht im Rechenzentrumsgeschäft

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Die Aktie von Marvell Technology bricht heute im vorbörslichen US-Handel um mehr als 11 % ein, da die Erwartungen an das Rechenzentrumsgeschäft nicht erfüllt wurden. Anleger hatten stark auf kundenspezifische Chips gesetzt, die KI-Workloads für Cloud-Giganten wie Microsoft und Amazon unterstützen. Die Wachstumsdynamik in diesem Segment schwächte sich ab, obwohl Marvell im zweiten Quartal mit einem Umsatz von 2,01 Mrd. $ und einem Gewinn je Aktie von 0,22 $ deutliche Fortschritte gegenüber dem Vorjahr erzielte. Der Nettogewinn lag bei 194,8 Mio. $, nach einem Verlust von 193,3 Mio. $ im Vorjahreszeitraum. Das Umsatzplus von 58 % resultierte vor allem aus der starken Nachfrage nach KI-Chips im Rechenzentrumsgeschäft, das um 69 % wuchs und 74 % zum Gesamtumsatz beitrug.

Für das dritte Quartal stellte das Unternehmen einen Umsatz von 2,06 Mrd. $ +/- 5 % in Aussicht, womit die Erwartungen der Analysten von 2,11 Mrd. $ leicht verfehlt werden. Der Non-GAAP-Gewinn je Aktie soll 0,69–0,79 $ betragen. Die Bruttomarge wird mit 59,5–60 % (Non-GAAP) prognostiziert, während die Rechenzentrumserlöse im Quartalsvergleich stagnieren sollen. CEO Matthew Murphy sprach von normalen Schwankungen bei Hyperscaler-Projekten, räumte aber ein, dass der Rückgang im ASIC-Geschäft für das Gesamtjahr überraschend sei. Analysten von Morgan Stanley bestätigten diese Einschätzung.

Die jüngste Entscheidung, das Automotive-Ethernet-Geschäft für 2,5 Mrd. $ zu verkaufen, soll die strategische Fokussierung auf KI und Rechenzentren schärfen. CFO Willem Meintjes bezifferte die operative Marge auf 34,8 % und den operativen Cashflow im Quartal auf 462 Mio. $, nach 333 Mio. $ im Vorquartal. Zudem wurden Aktien im Wert von 200 Mio. $ zurückgekauft. Die Nettoverschuldung lag bei einem Verhältnis von 1,19x zum EBITDA.

Das Management betonte die Bedeutung der wachsenden Pipeline an Design-Gewinnen im Custom-Silizium-Geschäft. Auf einer Investorenveranstaltung hatte Marvell den adressierbaren Markt für Rechenzentren bis 2028 auf 94 Mrd. $ angehoben. Neue Führungsstrukturen – mit Chris Koopmans als COO und Sandeep Bharathi als Präsident der Data Center Group – sollen das Wachstum zusätzlich beschleunigen.

Analysten blieben trotz der operativen Fortschritte vorsichtig. Risiken sehen sie in der hohen Kundendichte bei Hyperscalern, einer angespannten Lieferkette und möglichen Verzögerungen bei Design-Gewinnen. Auch die Konkurrenzsituation verschärft sich: Broadcom hat noch keine Zahlen vorgelegt, während Nvidia nach starken Ergebnissen ebenfalls einen Wachstumsrückgang im Rechenzentrumsgeschäft verzeichnete. Zudem verschiebt Microsoft laut Medienberichten die Einführung eigener KI-Chips auf frühestens 2028, was Marvells Pipeline belasten könnte. AWS, ebenfalls ein Schlüsselpartner, verliert Marktanteile an Azure und Google Cloud.

Die Bewertung von Marvell liegt mit einem KGV von 24 unter dem Niveau von Broadcom (39), was die Skepsis der Anleger widerspiegelt. Während das Unternehmen strategisch klar auf KI setzt und die Kapitalstruktur nach dem Verkauf des Automotive-Geschäfts gestärkt wurde, sorgt die Stagnation im Rechenzentrumsgeschäft kurzfristig für Enttäuschung am Markt. Langfristig bleibt das Ziel bestehen, den Marktanteil im Rechenzentrumsgeschäft von aktuell 13 % auf 20 % auszubauen.

Oliver Kantimm, Redaktion "Der Aktionärsbrief"

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