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10:39 Uhr, 25.02.2026

Marktstimmung: "Trugbild einer Aufwärtstendenz"

Trotz der geringen Kursspanne seit vergangenem Mittwoch nehmen Profis Gewinne mit während Private in geringem Umfang von long nach short wechseln. Wie gut die Ausgangsposition für stabilere Gewinne jetzt ist, weiß Joachim Goldberg.

Zusammenfassung

Angesichts der Nachrichtenlage wirken die DAX-Kursschwankungen und die Handelsaktivitäten der mittelfristig orientierten Anlegerinnen und Anleger eher gering. 7 Prozent der Profis haben Aktien verkauft, davon ist etwa je die Hälfte short gegangen bzw. an die Seitenlinie gewechselt. Gewinnmitnahmen trotz der kleinen Handelsspanne, findet Joachim Goldberg erstaunlich. Trotz des Sentiment-Index von +14 Punkten wertet er die Stimmung als relativ neutral.

Nach oben sieht der Verhaltensökonom den DAX bei 25.700 und 25.750 Punkten gedeckelt. Nach unten rechnet er ab 24.700/750 Punkten mit Kaufinteresse. Allerdings könne eine nachhaltige Bewegung nur von außen kommen.

25. Februar 2026. FRANKFURT (Goldberg & Goldberg). Vor allem unter vielen institutionellen Investoren hierzulande hatte sich zuletzt Optimismus breitgemacht, höchstwahrscheinlich verbunden mit dem Wunsch, die wochenlange Pattsituation beim DAX nach oben aufzulösen. Tatsächlich hat es zwei Anläufe gegeben, die aber unweit oberhalb von 25.300 Zählern versandeten. Übrig geblieben ist eine Handelsspanne von knapp 1,8 Prozent seit unserer vergangenen Stimmungserhebung – ein Band, dessen Größenordnung angesichts der Nachrichtenlage recht bescheiden wirkt. Denn immerhin hatten die Börsianer das Urteil des US-Supreme-Court in Sachen Handelszölle – mit all seinen Folgen und Unwägbarkeiten – zu verdauen, und auch von der „KI-Front“ gab es wenig erbauliche Neuigkeiten aus den USA zu vermelden. Aus der Februar-Umfrage der Bank of America in der vergangenen Woche war hervorgegangen, dass die internationalen Fondsmanager nun das größte Extremrisiko in einer AI-Blase sehen. Ein Wochenminus beim DAX von 0,4 Prozent zeugt allerdings nicht von allzu großer Angst.

Allerdings ist vom Optimismus der Vorwoche, der bei den von uns befragten institutionellen Investoren mit mittelfristigem Handelshorizont vorherrschte, mittlerweile einiges verloren gegangen. Denn unser Deutsche Börse Sentiment-Index ist um 11 Punkte auf einen neuen Stand von +14 gefallen. Dabei hat sich das Bullenlager um 7 Prozentpunkte reduziert, wobei sich die Gruppe der Wechselwilligen etwa zu gleichen Teilen auf Bären und neutral gestimmte Investoren verteilt hat.

Mit wenig zufrieden

Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass sich die früheren Optimisten offenbar mit vergleichsweise niedrigen Gewinnen zufrieden gegeben haben dürften, wenn man die enge Handelsspanne seit vergangenem Mittwoch betrachtet. So gesehen, hat zumindest einige der Akteure der Glaube an nachhaltig steigende Kurse verlassen, wobei allerdings auch nicht allzu viele ihre Position direkt von Long auf Short gedreht haben.

Bei den Privatanlegern gab es indes eine Bewegung in die andere Richtung. Denn unser Deutsche Börse Sentiment-Index in diesem Panel steigt um 6 Punkte auf einen neuen Stand von +24 – also entgegengesetzt zur Entwicklung bei den institutionellen Investoren. Dabei haben sich 3 Prozent aller Befragten von der Bärenseite zu den Bullen geschlagen, also ihr Engagement um 180° gedreht. Interessanterweise ist diese Entwicklung sowohl bei denjenigen Anlegenden, die wir über Social Media befragen, als auch bei den übrigen Akteuren gleichermaßen zu beobachten: Der Prozentsatz der Wechselwilligen war in beiden Gruppen sogar gleich hoch.

Klammert man allerdings diejenigen Privatanleger aus, die wir nicht über Social Media befragen, befindet sich der Sentiment-Index dieser Untergruppe auf einem Stand von +14 und somit auf dem gleichen Niveau wie derjenige der institutionellen Investoren. Zumindest zwischen diesen beiden Gruppen besteht also derzeit keine Stimmungskluft.

Pattsituation

Auch wenn das Sentiment der institutionellen Investoren mit einem Stand von +14 absolut betrachtet immer noch einen positiven Überhang aufweist, geht der Optimismus in der relativen Betrachtung auf drei und sechs Monate auf ein neutrales Niveau zurück. Dabei bleibt die Oberseite aufgrund drohender Gewinnmitnahmen der verbliebenen Optimisten wahrscheinlich zwischen 25.700 und 25.750 DAX-Zählern immer noch recht undurchlässig.

An der Unterseite hat sich dagegen die Nachfragesituation aus heimischen Quellen etwas verbessert, wobei wir mit Kaufinteresse im Bereich von 24.700/750 Punkten rechnen. Große Trends sind aufgrund der Positionierung heimischer Investoren nicht zu erwarten. Wieder einmal scheint das Schicksal des DAX in den Händen langfristiger Investoren zu liegen, vornehmlich aus dem Ausland.

von Joachim Goldberg

25. Februar 2026, © Goldberg & Goldberg für Deutsche Börse

Videokommentar

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Sentiment-Index institutioneller Anleger*innen

Bullish Bearish Neutral
Total 44% 30% 26%
ggü. letzter Erhebung -7% +4% +3%

DAX (Veränderung zu vergangener Erhebung): 25.050 Punkte (-100 Punkte zur letzten Erhebung)
Deutsche Börse Sentiment-Index institutionell Anlegende: 14 Punkte (-9 Punkte zur letzten Erhebung)

Sentiment-Index privater Anleger*innen

Bullish Bearish Neutral
Total 50% 26% 24%
ggü. letzter Erhebung +3% -3% +0%

DAX (Veränderung zu vergangener Erhebung): 25.050 Punkte (-100 Punkte zur letzten Erhebung)
Deutsche Börse Sentiment-Index privat Anlegende: 24 Punkte (+6 Punkte zur letzten Erhebung)

Über den Deutsche Börse Sentiment-Index

Der Deutsche Börse Sentiment-Index bewegt sich zwischen -100 (totaler Pessimismus) und +100 (totaler Optimismus), der Übergang von positive in negative Werte markiert die neutrale Linie.