MÄRKTE EUROPA/US-Zollpolitik löst Verkaufswelle an den Börsen aus
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DOW JONES--Mit kräftigen Verlusten reagieren die europäischen Aktienmärkte am Donnerstag auf die Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump gegenüber dem Rest der Welt. Die von ihm am Mittwoch verkündeten Vergeltungszölle sind nach Wahrnehmung der Marktteilnehmer höher als befürchtet ausgefallen. Sie werden als aggressiv bezeichnet. Trump beschwöre mit den Zöllen einen regelrechten Handelskrieg herauf, heißt es. Die meisten Importe aus der EU sollen ab Mitte kommender Woche mit 20 Prozent belegt werden, womit die EU im Vergleich mit vielen anderen Regionen sogar noch relativ glimpflich davonkommt.
Aus Sorge vor den negativen Folgen der Zölle für Konjunktur und Unternehmensgewinne weltweit werden Aktien verkauft und Anleihen in ihrer Funktion als sicherer Hafen gekauft - die Marktzinsen sinken also. Der DAX rutschte im frühen Handel bis auf 21.809 Punkte ab, aktuell handelt er mit einem Minus von 2,3 Prozent bei 21.875 Punkten. Der Euro-Stoxx-50 gibt um 3,1 Prozent noch etwas mehr nach - belastet unter anderem von besonders schwachen Kursen im Luxusgütersegment. Europäische Luxusunternehmen gehören nach Einschätzung von RBC Capital Markets zu den großen Verlierern.
Zu dem Segment gehören auch die Sportartikelhersteller wie Adidas oder Puma. Deren Kurse knicken 12 und 9,5 Prozent ein, weil die USA besonders hohe Zölle auf den Schuhproduktionsstandort Vietnam von 46 Prozent verhängt haben. Profiteur der Zollthematik sind Aktien aus von davon mutmaßlich nicht direkt betroffenen Branchen.
Der Stoxx-Subindex der Immobilienwerte gewinnt 2,5 Prozent, der Index der Versorger 2,7 Prozent. Sie profitieren zugleich auch besonders davon, dass die Zinsen sinken. Auch die als defensiv geltenden Aktien aus der Nahrungsmittelbranche halten sich gut mit einem Plus von 0,2 Prozent, ebenso Telekomaktien (+0,4%). Am Ende bei den Branchenindizes rangieren Banken mit einem Minus von 4,3 Prozent.
Für die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen geht es um 7 Basispunkte auf 2,65 Prozent nach unten. Angesichts der negativen Folgen der Zölle für die Konjunktur könnten die Notenbanken mit Zinssenkungen zur Stützung der Konjunktur versuchen, gegenzusteuern.
Starke Verluste beschert die US-Zollpolitik dem Dollar. Er gibt auf breiter Front nach, besonders gegenüber dem Yen mit dessen Ruf als sicherem Hafen. Der Welthandel werde überwiegend in der Leitwährung Dollar abgewickelt. Sollte die globale Konjunktur nun erlahmen, werde auch die Nachfrage nach dem Dollar sinken, heißt es im Handel.
Die Ankündigung der US-Zölle ist eines der verheerendsten Szenarien für die Weltwirtschaft, kommentiert Tomasz Wieladek, Chefvolkswirt für Europa bei T. Rowe Price. Es gebe mehrere Faktoren, die der Wirtschaft der EU schaden werden. Erstens gebe es die direkten Auswirkungen der Zölle, zweitens sei ein höherer Zoll gegenüber China verhängt worden, was zu einem verstärkten Wettbewerb auf dem Inlands- und Drittmarkt führen werde. Und schließlich gebe es weiter ein beispielloses Maß an handelspolitischen Unsicherheiten, was den Unternehmen Investitionsentscheidungen erschwere, abgesehen von den negativen Folgen eines schwächeren Konsums. Eine leichte Rezession im Euroraum im Jahr 2025 sei nun wahrscheinlich.
Mit den geplanten US-Zöllen ist es nach Einschätzung der ING wahrscheinlicher geworden, dass die EZB ihre Leitzinsen noch in diesem Monat senkt. Während einige EZB-Ratsmitglieder zuletzt angedeutet hätten, dass angesichts des andauernden Inflationsdrucks eine Pause bei den Zinssenkungen angebracht sein könnte, verweisen die ING-Ökonomen auf den gravierenden Schock für Handel und Vertrauen, den die Zölle nun darstellen.
Für den Subindex der Ölaktien geht es um 4,1 Prozent nach unten, weil bei einer Konjunkturabschwächung auch die Ölnachfrage sinken dürfte. Zudem denkt die Opec+ darüber nach, die Förderung zu erhöhen. Entsprechend sind auch die Ölpreise unter Druck geraten. Der Subindex der Autowerte verliert 2,6 Prozent. Hier war zuvor bereits klar, dass Importe in die USA nun mit 25 Prozent belastet werden.
Aktien der Pharmabranche halten sich in dem breiten Abwärtstrend etwas besser, weil US-Präsident Trump Pharmazeutika vorerst von seinen gegenseitigen Zöllen auf globale Importe ausgenommen hat. "Unserer Meinung nach ist es immer noch etwas unklar, ob die weiterreichenden 10 Prozent Basiszölle immer noch gegen importierte Medikamente und Impfstoffe erhoben werden könnten", kommentiert Shore-Capital-Analyst Sean Conroy. Auch die Analysten von Bryan Garnier sprechen von Unsicherheit und Unklarheit über die Zollrisiken für die Branche angesichts der diffusen Aussagen Trumps, wonach die Arzneimittelhersteller "mit voller Kraft in die USA zurückkehren werden, denn wenn sie es nicht tun, müssen sie eine hohe Steuer zahlen". Der Branchenindex gibt um 1,8 Prozent nach.
=== Aktienindex zuletzt +/- % absolut +/- % YTD Euro-Stoxx-50 5.141,27 -3,1% -162,68 +8,3% Stoxx-50 4.454,56 -2,5% -112,79 +6,0% DAX 21.875,09 -2,3% -515,75 +12,5% MDAX 26.991,36 -1,8% -503,04 +7,4% TecDAX 3.517,46 -2,7% -96,26 +5,8% SDAX 15.036,00 -1,8% -277,44 +11,7% CAC 7.621,37 -3,0% -237,46 +6,5% INDEX zuletzt +/- % absolut +/- % YTD DJIA 40.954,22 -3,0% -1271,10 -1,3% S&P-500 5.481,16 -3,3% -189,81 -4,2% NASDAQ Comp 16.830,23 -4,4% -770,82 -8,9% NASDAQ 100 18.849,46 -3,7% -732,32 -6,8% DEVISEN zuletzt +/- % 0:00 Mi, 17:10 % YTD EUR/USD 1,1094 +2,5% 1,0828 1,0857 +4,6% EUR/JPY 161,6990 +0,4% 161,0315 162,7140 -1,1% EUR/CHF 0,9509 -0,4% 0,9551 0,9578 +2,2% EUR/GBP 0,8428 +1,2% 0,8331 0,8372 +0,7% USD/JPY 145,7590 -2,0% 148,7225 149,8705 -5,5% GBP/USD 1,3163 +1,3% 1,3000 1,2968 +3,8% USD/CNY 7,1848 -0,6% 7,2270 7,1771 +0,2% USD/CNH 7,2959 -0,4% 7,3254 7,2756 -0,5% AUS/USD 0,6373 +1,8% 0,6260 0,6301 +1,1% Bitcoin/USD 82.392,80 -2,9% 84.829,95 86.392,45 -9,3% ROHOEL zuletzt VT-Schluss +/- % +/- USD % YTD WTI/Nymex 67,10 70,01 -4,2% -2,91 +1,6% Brent/ICE 70,48 73,37 -3,9% -2,89 +0,2% METALLE zuletzt Vortag +/- % +/- USD % YTD Gold 3088,51 3134,15 -1,5% -45,65 +19,4% Silber 28,92 31,46 -8,1% -2,54 +12,6% Platin 866,82 911,67 -4,9% -44,85 +4,1% Kupfer 4,87 5,04 -3,4% -0,17 +19,9% YTD bezogen auf Schlussstand des Vortags ===
Kontakt zum Autor: maerkte.de@dowjones.com
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