Analyse
10:15 Uhr, 28.08.2026

LUMENTUM kommt mit dem Ausbau seiner Produktion kaum hinterher

Der Spezialist für optische Komponenten hat erst große Mengen an Indiumphosphid-Substraten bei einem japanischen Lieferanten reserviert und anschließend einen weiteren Vertrag mit AXT geschlossen.

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  • Lumentum Holdings Inc. - WKN: A14WK0 - ISIN: US55024U1097 - Kurs: 956,140 $ (Nasdaq)

Doch selbst das könnte nicht reichen. Der KI-Boom beschert dem Unternehmen eine Nachfrage, die vor wenigen Jahren kaum vorstellbar gewesen wäre.

Der Grund ist einfach: Kupfer stößt in modernen Rechenzentren an seine physikalischen Grenzen. Bei Übertragungsraten von 800 Gigabit können elektrische Signale laut Lumentum noch rund zehn Meter zuverlässig über Kupfer transportiert werden. Bei 1,6 Terabit sind es nur noch zwei bis drei Meter. Das reicht in vielen Server-Racks und erst recht zwischen mehreren Rechenclustern nicht aus. Optische Verbindungen dringen deshalb immer weiter in Bereiche vor, die bislang von Kupfer dominiert wurden.

"Ich sehe kein Szenario, in dem dieser Übergang zum Stillstand kommt", sagte Lumentum-Chef Michael Hurlston auf der Technologiekonferenz der Deutschen Bank. In einigen Jahren könnte sogar die Rückwand kompletter Serversysteme optisch angebunden sein. Inzwischen wird bereits darüber gesprochen, Lichtleiter innerhalb einzelner Recheneinschübe einzusetzen, etwa für die Verbindung zwischen GPUs und Hochleistungsspeichern.

Das Geschäft wächst bereits rasant

Im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2026 hat Lumentum den Umsatz gegenüber dem Vorjahr auf gut 1,0 Mrd. USD mehr als verdoppelt. Der bereinigte Gewinn stieg auf 3,23 USD je Aktie. Für das erste Quartal des neuen Geschäftsjahres stellte das Unternehmen einen weiteren sequenziellen Umsatzanstieg um rund 25 % in Aussicht.

Hurlston legte auf der Konferenz nun noch einmal nach. Für das Geschäftsjahr 2028 hält er einen Gewinnt von 40 USD je Aktie für erreichbar (Konsens aktuell 33 USD). Das wäre ein gewaltiger Sprung. Hauptgrund für den größeren Optimismus sind die Optical Circuit Switches, kurz OCS. Seit dem jüngsten Quartalsbericht habe der größte Kunde seine Bestellungen noch einmal deutlich erhöht.

Ein OCS verteilt Daten auf optischem Weg, ohne sie zunächst in elektrische Signale umzuwandeln. Das senkt den Stromverbrauch und die Signalverluste. In KI-Rechenzentren können solche Schalter außerdem ausgefallene oder überlastete GPUs umgehen. Das ist wichtig, weil nach Angaben von Hurlston überraschend viele GPUs ausfallen. Wenn ein Trainingslauf Rechenzeit im Wert von 20 Mio. bis 40 Mio. USD beansprucht, kann ein einzelner Defekt teuer werden.


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Lumentum dürfte mit OCS bereits im kommenden Quartal mehr als 100 Mio. USD umsetzen. Das Geschäft hängt momentan noch stark an einem Großkunden, doch die Zahl der Interessenten nimmt zu. Die bisherige Schätzung eines Gesamtmarktes von 8 Mrd. USD hält das Management mittlerweile für deutlich zu niedrig. OCS biete gegenüber elektrischen Schaltern Vorteile beim Energieverbrauch und beim Signalverlust. "Wir erleben einen regelrechten Ansturm auf neue Einsatzmöglichkeiten", sagte Hurlston.

NPO kommt früher als gedacht

Daneben rücken Co-Packaged Optics und Near-Packaged Optics in den Fokus. Bei CPO sitzt die optische Einheit direkt mit dem Rechenchip auf demselben Träger. Nvidia setzt auf diesen Ansatz und hat mit Lumentum bereits einen langfristigen Liefervertrag im Milliardenvolumen geschlossen. Bei NPO befindet sich die optische Einheit nahe am Chip, bleibt aber technisch etwas stärker von ihm getrennt.

Für Lumentum sind beide Architekturen zusätzliche Märkte. Die heute erzielten Umsätze enthalten davon noch so gut wie nichts. Besonders NPO entwickelt sich schneller als erwartet und könnte kurzfristig sogar größer werden als das CPO-Geschäft mit Nvidia. Bis vor Kurzem rechnete Lumentum mit einem nennenswerten Hochlauf Ende 2028 oder Anfang 2029. Inzwischen stellt sich das Unternehmen auf erste größere Volumina ab Ende 2027 oder Anfang 2028 ein.

Auch bei klassischen Lasern spielt Lumentum der Technologiesprung in die Karten. EML-Laser mit einer Geschwindigkeit von 200 Gigabit pro Datenkanal kosten ungefähr doppelt so viel wie die ältere 100-Gigabit-Generation. Sie werden vor allem für Transceiver mit 1,6 Terabit benötigt. Nennenswerte Konkurrenz sieht Hurlston derzeit fast nur von Broadcom.

Der Anteil von EML-Lösungen könnte bei 1,6-Terabit-Transceivern zwar von derzeit rund 70 bis 80 % auf 40 bis 50 % sinken, weil die Siliziumphotonik Marktanteile gewinnt. Wegen des stark wachsenden Gesamtmarktes dürfte die verkaufte Stückzahl dennoch steigen. Bei der nächsten Generation mit 3,2 Terabit könnte sich das Bild wieder zugunsten von EML drehen. Nach Einschätzung der Lumentum-Techniker stößt die heutige Siliziumphotonik dort erneut an Leistungsgrenzen.

Cloud Light hat die Technik im Griff, nicht die Kosten

Auch die Entwicklung der übernommenen Tochter Cloud Light fällt inzwischen besser aus. Nach der Übernahme kämpfte der Modulhersteller mit Qualitätsproblemen. Der Quartalsumsatz rutschte von rund 75 Mio. auf zeitweise 40 Mio. bis 50 Mio. USD ab. Vor allem Großkunde Google war mit der Qualität unzufrieden.

Mit der 1,6-Terabit-Generation gelang die Wende. Lumentum bringt mehrere Module inzwischen früher auf den Markt als die Konkurrenz. Der Quartalsumsatz dieses Geschäfts liegt mittlerweile bei mehr als 200 Mio. USD und soll 2027 weiter deutlich wachsen. Eine Baustelle bleibt die Profitabilität. "Wir haben das Entwicklungsproblem gelöst, aber die Bruttomarge noch nicht", räumte Hurlston ein. An die besten chinesischen Hersteller werde Lumentum möglicherweise nie ganz herankommen.

Der Ausbau der Produktion wird deshalb entscheidend. Das Anfang 2026 von Qorvo erworbene Werk in Greensboro soll Anfang 2028 erste Umsätze liefern und 2029 vollständig hochgefahren sein. Nvidia beteiligt sich an der Finanzierung. Gleichzeitig sucht Lumentum ähnliche Abnahmezusagen von NPO-Kunden. Hurlston will nicht Milliarden in neue Kapazitäten stecken, ohne dass Großkunden einen Teil des Risikos übernehmen.

Die Nachfrage ist momentan nicht das Problem. Knapp sind Zeit, Spezialmaschinen, Substrate und qualifizierte Kapazitäten. Allein die Freigabe der Lumentum-Laser bei Nvidia dauerte etwa ein Jahr. Genau diese langen Zyklen schützen das Geschäft allerdings auch vor neuen Wettbewerbern.

Risiken bleiben trotzdem. Ein US-Verbot chinesischer Transceiver könnte Lumentum langfristig nutzen, kurzfristig aber massive Lieferprobleme auslösen. Chinesische Anbieter decken laut Hurlston etwa 70 % des US-Marktes ab. Zudem bezieht die Branche wichtige Vorprodukte aus China.

Fazit: Für Lumentum spricht, dass der Aufschwung längst in den Zahlen angekommen ist und mit OCS, NPO sowie CPO weitere Wachstumstreiber erst anlaufen. Gegen die Euphorie sprechen die enorme Abhängigkeit von wenigen Großkunden, der weiterhin hohe Kapitalbedarf und die schwachen Margen im Modulgeschäft. In den nächsten 12 bis 18 Monaten wird klarer, ob optische Verbindungen tatsächlich bis zwischen GPUs und Speicher vordringen. Gelingt das, dürfte der derzeitige Optikboom noch einige Jahre weiterlaufen. Die aktuelle Konsolidierung der Lumentum-Aktie verläuft im bullischen Rahmen. Zwar ist die Bewertung sehr hoch, aber die Qualität eben auch. Gut möglich, dass wir hier bald noch einen weiteren Schub nach oben erleben werden.

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Jahr 2025/26 2026/27e* 2027/28e*
Umsatz in Mrd. USD 3,01 6,27 9,37
Ergebnis je Aktie in USD 8,67 21,63 33,01
Gewinnwachstum 149,48% 52,61%
KGV 110 44 29
KUV 28,5 13,7 9,2
PEG 0,30 0,55
*e = erwartet, Berechnungen basieren bei
US-Unternehmen auf Non-GAAP-Daten
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