Kryptowährungen: „Bitcoin trotzt dem Gegenwind“
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15. Oktober 2026. FRANKFURT (Deutsche Börse). Die Kryptowährungen haben ein starkes drittes Quartal hinter sich, zuletzt ging es aber nicht mehr so dynamisch aufwärts. Der Bitcoin verteuerte sich im dritten Quartal um mehr als 40 Prozent und kletterte Ende September auf über 87.000 US-Dollar. Aktuell sind es 81.300 US-Dollar. Ethereum stieg im abgelaufenen Quartal sogar um gut 70 Prozent. Nach Kursen von um die 2.800 US-Dollar in der Spitze kostet die zweitgrößte Kryptowährung jetzt rund 2.375 US-Dollar. Für Bitcoin war es das stärkste Quartal seit 2024, für Ethereum sogar seit 2021.
Zinsanstieg und Regulierung bremsen nicht dauerhaft
„Was Bitcoin nicht umbringt, macht ihn stärker“, kommentiert Jacob Lindberg vom Krypto-ETP-Emittenten Valour. Er verweist auf zwei Belastungsproben im September: die erste Zinserhöhung der US-Notenbank seit 2023 und das Scheitern des Clarity Acts im US-Senat. Das Gesetz sollte einen klareren regulatorischen Rahmen für den Kryptomarkt schaffen. Beide Ereignisse führten zunächst zu Kursverlusten, von denen sich der Bitcoin aber schnell erholte. Fortschritte in der US-Regulierung gibt es dennoch. So hat die Börsenaufsicht SEC Mitte September unter bestimmten Bedingungen den Handel mit tokenisierten Aktien ermöglicht.
André Dragosch von Bitwise sieht die Entwicklung ebenfalls positiv. Der Bitcoin habe sich zuletzt trotz des Drucks an den Anleihemärkten bemerkenswert widerstandsfähig gezeigt. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen ist seit Ende Februar deutlich von 3,95 Prozent auf aktuell 5,20 Prozent gestiegen. Das macht festverzinsliche Anlagen attraktiver und verschärft zugleich die Finanzierungsbedingungen.
Der US-Dollar spielt eine Schlüsselrolle
Für Dragosch spielt aber vor allem die Entwicklung der US-Währung eine wichtige Rolle. Bitcoin und US-Dollar bewegen sich häufig in entgegengesetzte Richtungen. Auf Sicht von 90 Tagen liegt die Korrelation laut Bitwise bei minus 0,40. Ein schwächerer Dollar und eine stärkere Ausweitung der globalen Geldmenge könnten den Bitcoin daher weiter stützen. Umgekehrt drohen bei neuen Krisen Rückschläge. „Schocks beim Euro, bei britischen Staatsanleihen, im Iran oder seitens der US-Notenbank könnten eine Flucht in den Dollar auslösen und Bitcoin kurzfristig belasten“, warnt Dragosch.
Nach hohen Zuflüssen wieder Geldabzüge
Ein wichtiger Faktor für die Kursentwicklung bleiben die Kapitalströme in börsengehandelte Krypto-Produkte. Im September flossen laut WisdomTree fast 3 Milliarden US-Dollar in US-amerikanische Bitcoin-ETPs, europäische Bitcoin-Produkte verzeichneten Zuflüsse von rund 100 Millionen US-Dollar. Seit Jahresbeginn liegt Europa mit gut 1,35 Milliarden US-Dollar allerdings noch vor den USA mit knapp 1 Milliarde US-Dollar. Auch Ethereum-Produkte erhielten im September in den USA deutliche Zuflüsse von mehr als 750 Millionen US-Dollar, in Europa gab es hingegen leichte Abflüsse.
Im Oktober hat sich das Bild wieder eingetrübt. Max Michielsen von 21Shares berichtet von Nettoabflüssen aus US-Spot-Bitcoin-ETPs in Höhe von rund 400 Millionen US-Dollar seit Monatsbeginn. Nach Angaben von Bitwise flossen in der jüngsten Berichtswoche weltweit sogar rund 1,27 Milliarden US-Dollar aus Krypto-ETPs ab, davon 656 Millionen US-Dollar aus Bitcoin-Produkten.
„100.000 US-Dollar bis Jahresende“ bleiben möglich
Michielsen interpretiert die jüngsten Kursrückgänge dennoch als normalen Rücksetzer innerhalb einer wieder verbesserten Marktstruktur. Der Bereich zwischen 81.000 und 82.000 US-Dollar habe sich von einer Widerstands- zu einer Unterstützungszone entwickelt. Nach oben sei zunächst die Region um 86.500 bis 87.000 US-Dollar entscheidend. Ein Monatsschluss oberhalb von 88.000 US-Dollar würde aus seiner Sicht die Trendwende bestätigen. Sollten sich zudem die Anleiherenditen stabilisieren und die ETP-Zuflüsse wieder anziehen, hält er einen Anstieg auf 100.000 US-Dollar bis Jahresende für möglich. Bei einem Rückfall unter 81.000 US-Dollar drohe hingegen ein erneuter Test der September-Tiefs um 75.000 US-Dollar.
Bitcoin-Produkte werden überwiegend gekauft
Im Krypto-ETN-Handel an der Deutschen Börse dominieren weiterhin Bitcoin-Anlageprodukte. Im September führte der iShares Bitcoin (<XS2940466316>) die Umsatzliste des Xetra-ETN-Segments mit 135,5 Millionen Euro an, gefolgt vom 21Shares Bitcoin (<CH0454664001>) mit 87,9 Millionen Euro. Die aktuellen Handelsaktivitäten ordnet Ivo Orlemann von der ICF Bank wie folgt ein: Im WisdomTree Physical Bitcoin (<GB00BJYDH287>) und im 21Shares Bitcoin Core (<CH1199067674>) beobachtet er überwiegend Käufe. Der VanEck Ethereum (<DE000A3GPSP7>) wird hingegen in beide Richtungen gehandelt und im 21Shares Crypto Basket Index (<CH0445689208>) überwiegen die Verkäufe.
Ivo Orlemann
Von Thomas Koch, 15. Oktober 2026, © Deutsche Börse AG
Über den Autor
Thomas Koch ist CEFA-Investmentanalyst, Investmentspezialist für strukturierte Produkte und geprüfter Zertifikateberater. Seit Anfang 2006 beschäftigt er sich als freier Journalist mit dem Geschehen an den Kapitalmärkten.
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