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16:26 Uhr, 16.01.2026

KONJUNKTUR IM BLICK/Die bekannten Unbekannten der Woche

Von Hans Bentzien

DOW JONES--Das Jahr 2026 ist noch recht jung, aber die im Jahr 2025 für das neue Jahr verfassten Ausblicke sind trotzdem schon rapide - und "schlecht" - gealtert, wie der Angelsachse sagt (und die Angelsächsin auch): US-Präsident Donald Trump setzt seine neue außenpolitische Strategie zumindest im "Hinterhof" der USA recht forsch um. Zur Unsicherheit hinsichtlich der Einfuhrzölle tritt nun die Frage: Wer ist nach Venezuela das nächste Opfer? Wie geht es weiter mit Grönland? Immerhin: Einen gewaltsamen Regimewechsel im Iran scheint Trump vorerst nicht anzustreben.

Aber ein Wochenausblick sollte bei aller Unsicherheit möglich sein, wenn wir uns auf die "bekannten Unbekannten" konzentrieren. Als da wären:

Chinas Wachstum schwächt sich im vierten Quartal etwas ab

Chinas Wirtschaftswachstum dürfte sich im vierten Quartal etwas abgeschwächt haben. Analysten erwarten laut Factset-Konsens, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) mit einer Jahresrate von 4,5 Prozent gestiegen ist. Im dritten Quartal waren es noch 4,8 Prozent gewesen. Damit würde sich das Wachstum weiter von den offiziell als Ziel ausgegeben "rund 5 Prozent" entfernen. Für das erste Quartal war ein Wachstum von 5,4 Prozent gemeldet worden und für das zweite 5,2 Prozent. Eine wichtige Rolle beim Erreichen des Wachstumsziels spielte im vergangenen Jahr die Exportwirtschaft, was bei den Handelspartnern zunehmend Sorgen hervorruft. Die Zahlen werden am Montag (3.00 Uhr) veröffentlicht.

Eurogruppe nominiert Nachfolger von EZB-Vizepräsident De Guindos

Die Euro-Finanzminister nominieren am Montag einen Nachfolger für den Vizepräsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), Luis de Guindos. Zur Wahl stehen sechs Kandidaten, die mit Ausnahme von zweien aus ehemaligen Ostblock-Ländern kommen. Die beiden Ausnahmen sind Olli Rehn (Gouverneur der finnischen Zentralbank) und Mario Centeno (bis vor kurzem Gouverneur der portugiesischen Zentralbank). Bei Rehn handelt es sich um eine moderate "geldpolitische Taube", während Centeno auf dem äußersten "Tauben"-Flügel verortet wird. Die "mittelosteuropäischen" Kandidaten sind Martins Kazaks (Gouverneur der lettischen Zentralbank), Madis Müller (Gouverneur der estnischen Zentralbank), Rimantas Sadzius (Ex-Finanzminister Litauens) und Boris Vujcic (Gouverneur der kroatischen Zentralbank). Sie gelten als moderate "Falken" beziehungsweise Pragmatiker. Bestätigt wird die Wahl von den Staats- und Regierungschefs im März.

ZEW-Konjunkturerwartungen verbessern sich weiter

Die vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) unter Investoren erhobenen Konjunkturerwartungen für Deutschland dürften sich im Januar erneut verbessert haben. Von Dow Jones Newswires befragte Volkswirte rechnen mit einem Anstieg des ZEW-Index auf plus 50,0 (Dezember: plus 45,8) Punkte. Zwar haben sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen seit Ende 2025 nicht wirklich verbessert, doch könnten die unerwartet guten Konjunkturdaten für November zu einer Stimmungsaufhellung beigetragen haben. Die vom Beratungsunternehmen Sentix erhobenen Konjunkturerwartungen von Investoren sind ebenfalls gestiegen. Das ZEW veröffentlicht die Daten am Dienstag (11.00 Uhr).

EZB veröffentlicht Protokoll der Ratssitzung vom 17./18. Dezember

EZB-Watcher hatten im Vorfeld der Sitzung des Rats der Europäischen Zentralbank (EZB) am 17./18. Dezember mal wieder gemutmaßt, dass es eine ereignislose werden würde. Mit dieser Vermutung lagen sie in der Vergangenheit schon einige Male falsch. Zur jüngsten Sitzung ist zu sagen: Möglicherweise ging es hinter verschlossenen Türen Mal hoch her. Falls dem so war, ist aber nichts davon nach außen gedrungen: Mit Ausnahme kleinerer Korrekturen an den Inflations- und Wachstumsprognosen gab es weder im geldpolitischen Statement, noch in der Pressekonferenz mit Präsidentin Christine Lagarde etwas Buchenswertes. Aber vielleicht kann das am Donnerstag (13.30 Uhr) zur Veröffentlichung anstehende Sitzungsprotokoll etwas an diesem Eindruck ändern.

US-PCE-Inflation in ungewissen Gefilden

Der Preisindex der persönlichen Konsumausgaben (PCE-Deflator) ist (in seiner Kerngröße ohne Energie und Nahrungsmittel) das von der Notenbank bevorzugte Inflationsmaß. Das hat ihn nicht davor bewahrt, während der zeitweiligen Schließung von Regierungsbehörden wegen eines Haushaltsstreits nicht erhoben zu werden. Wenn das Bureau of Economic Analyses (Bea) nun am Donnerstag (16.00 Uhr) etwas verspätet daran geht, Daten für November zu veröffentlichen, dann wird beim Monat Oktober weiterhin ein Lücke klaffen, denn der letzte zuvor veröffentlichte Wert war der für September. Damals war der Kern-PCE-Deflator mit einer Jahresrate von 2,8 Prozent gestiegen und der PCE-Deflator um ebenfalls 2,8 Prozent. Konsensprognosen für November sind nicht verfügbar.

Kontakt: hans.bentzien@dowjones.com

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