Kocher: EZB sollte zu raschen Zinsbewegungen bereit sein
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Von Ed Frankl
DOW JONES--Die Europäische Zentralbank (EZB) sollte nach Einschätzung von EZB-Ratsmitglied Martin Kocher bereit sein, ihren Leitzins schnell in die eine oder die andere Richtung zu bewegen, falls einige der potenziellen Bedrohungen für die Wirtschaft der Eurozone durch die erneut gestiegene Unsicherheit eintreten sollten. In einem Interview mit dem Wall Street Journal erklärte Kocher, dass eine neue Zunahme der Unsicherheit seit Jahresbeginn sowohl eine Zinssenkung als auch eine Erhöhung als nächsten Schritt möglich mache.
"Wenn man sich am Ende oder sehr nahe am Ende eines Lockerungszyklus befindet ... dann ist es immer schwierig zu sagen, was als Nächstes passiert", sagte Kocher, der Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) ist. "In Zeiten wirklich hoher Unsicherheit ist es wichtig, in der Lage zu sein, schnell handeln zu können", sagte er in dem am vergangenen Donnerstag geführten Interview.
Am Wochenende fügte er auf Nachfrage hinzu: "Zum jetzigen Zeitpunkt ist es definitiv zu früh, um konkrete Auswirkungen der aktuellen Ereignisse auf die Inflation oder das Wachstum im Euroraum zu quantifizieren", so Kocher. Störungen auf den Ölmärkten oder der Schifffahrt durch die Straße von Hormus könnten die Kosten und damit die Inflation in die Höhe treiben, während die Spannungen gleichzeitig die wirtschaftliche Aktivität belasten könnten. Kocher betonte jedoch, dass man auf tatsächliche Ergebnisse und nicht auf bloße Möglichkeiten reagieren müsse.
Eine weitere Unsicherheit ist der Euro-Wechselkurs. Die Währung hat in den vergangenen zwölf Monaten gegenüber dem US-Dollar um mehr als 13 Prozent zugelegt, was europäische Exporte verteuert, aber die Inflation durch günstigere Importe dämpft. Kocher sagte, dass Währungsbewegungen zwar berücksichtigt würden, aber keinen entscheidenden Einfluss auf Zinsentscheidungen hätten: "Der Wechselkurs ist kein Auslöseparameter für die EZB."
Hinsichtlich Spekulationen über einen vorzeitigen Rücktritt von EZB-Präsidentin Christine Lagarde vor Ende ihrer Amtszeit im Oktober 2027 zeigte sich Kocher skeptisch. "Es gibt keine Anzeichen dafür. Ich erwarte, dass sie ihre Amtszeit beendet", sagte er. Spekulationen, wonach eine frühzeitige Nachfolgeregelung die EZB vor dem Einfluss rechtspopulistischer Politiker schützen solle, hält er für "überbewertet".
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