MÄRKTE EUROPA/Risikoprämie steigt mit Ausbruch der Irak-Krieges
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DOW JONES--An den europäischen Aktienmärkten geht es nach dem Ausbruch des Iran-Krieges zum Start in die Woche nach unten. Nach einem Abverkauf im frühen Handel ging es für den DAX im Verlauf zunächst um 200 Punkte nach oben, aktuell handelt der Index 2,3 Prozent tiefer bei 24.696 Punkten, der Euro-Stoxx-50 verliert 2,4 Prozent auf 5.991 Punkte. Defensive Branchen wie Versorger, Rüstung und Nahrungsmittel halten sich besser als Banken oder Chemie. Vor allem Aktien aus der Reisebranche geraten in einer ersten Reaktion massiv unter Druck. Der Touristikkonzern Tui (-10%) hat nach den Luftangriffen der USA und Israels auf den Iran Reisen in die Region storniert oder abgesagt.
Röhöl der Sorte Brent notiert am Mittag 8,7 Prozent höher bei 79,22 Dollar je Barrel, kostete allerdings je nach Nachrichtenlage zeitweise über 80 Dollar. Die europäischen Erdgaspreise könnten sich nach Einschätzung von Analysten bei Goldman Sachs beinahe verdoppeln, falls die Lieferungen durch die Straße von Hormus für einen Monat vollständig gestoppt würden. In einem solchen Szenario würde die Kapazität der nordwesteuropäischen Gasspeicher um rund 8 Prozent sinken, was die TTF-Preise von derzeit rund 39 Euro auf etwa 62 Euro je Megawattstunde treiben würde. Der Dollar profitiert, der Euro fällt auf 1,1720 Dollar zurück.
Die Liquidität fließt zunächst in die sicheren Häfen von Anleihen. Alles in allem sprechen Marktteilnehmer von einer geordneten Risikoscheu unter Investoren mit Blick auf die Entwicklung im Nahen Osten - ein chaotischer Abverkauf quer durch alle Assetklassen und Notverkäufe infolge von Margin Calls finde bisher nicht statt.
Ölversorgung entscheidend für Höhe der Risikoprämie
Der gemeinsame US‐amerikanisch‐israelische Angriff auf den Iran dürfte mindestens bis zum Ende der Woche andauern. Geht es nach DWS-CIO Vincenzo Vedd, dürften sich die Auswirkungen auf Wirtschaft und Märkte vor allem über die Entwicklung des Ölpreises entfalten, der maßgeblich davon abhänge, welche Einschränkungen der Konflikt für die iranische Ölproduktion sowie für die Handelsströme durch die Straße von Hormus mit sich bringe. Die von Investoren geforderte Risikoprämie belaste Risikoanlagen wie eben Aktien. Mit Fortdauer der Angriffe rechnet die DWS mit einem deutlichen Anstieg der Öl‐ und anderer Rohstoffpreise. Sollte die iranische Vergeltung darauf abzielen, an den Verhandlungstisch zurückzukehren, werde erwartet, dass die Ölpreise relativ rasch wieder nachgeben. Eine Eskalation, die die Straße von Hormus beeinträchtige, könnte das Ölangebot jedoch erheblich stören und dazu führen, dass der Ölpreis stark ansteige und auf erhöhtem Niveau verbleibe, bis die Meerenge wieder vollständig funktionsfähig ist.
Sobald die Märkte den ersten Schock verdaut hätten, erwartet Marktstratege Michael Brown von Pepperstone, dass der Fokus relativ rasch zu den fundamentalen Treibern und dem Narrativ zurückkehren werde, die zuvor vorgeherrscht hätten. Vor diesem Hintergrund würde Brown bei deutlichen Kursrückgängen an den Aktienmärkten eher gegen den Trend kaufen, da das grundlegende Szenario für steigende Kurse weiterhin sehr robust ausfalle.
Defensive Sektoren laufen besser als breiter Markt
Als potenzielle Profiteure der Eskalation gilt für IG-Marktstratege Salah-Eddine Bouhmid der Energiesektor infolge steigender Ölpreise, der Sektor der Energiewerte legt europaweit gegen den Trend um 2,3 Prozent zu. Hier steigen die Aktien von Equinor um knapp 6 Prozent, Totalenergies notieren 3,7 Prozent im Plus. Die Aktien der Rüstungsindustrie profitieren von einer verschärften sicherheitspolitischen Lage, unter anderem steigen Hensoldt und BAE Systems um 4,5 Prozent. Gleichzeitig zeichnet sich eine Rotation in klassische defensive Marktsegmente ab. Versorgerpapiere (-0,5%) halten sich vergleichsweise gut, während konjunktursensible Branchen wie Technologie (-2,0%), Finanzen (-2,7%) und zyklischer Konsum (-3,4%) unter Verkaufsdruck geraten.
Das Ergebnis der dänischen Reederei Maersk könnte von den Angriffen im Nahen Osten einen Schub erhalten, wie Mikkel Emil Jensen von der Sydbank schreibt. "Die Kombination aus verschobenen Plänen zur Rückkehr ins Rote Meer, im Persischen Golf festsitzenden Schiffen und der Umleitung von Schiffen weg von der Straße von Hormus wird zu steigenden Frachtraten führen", so der Analyst. Rund 1 Prozent der weltweiten Containerflotte sei im Persischen Golf gefangen, was zu einer Kapazitätsverknappung führen könnte, fügt Jensen hinzu.
=== INDEX zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag +/- % YTD Euro-Stoxx-50 5.991,33 -2,4 -147,08 6.138,41 16,8 Stoxx-50 5.200,55 -1,8 -93,71 5.294,26 11,9 DAX 24.695,91 -2,3 -588,35 25.284,26 19,9 MDAX 30.835,64 -2,3 -724,70 27.039,42 15,3 TecDAX 3.724,54 -1,7 -63,38 3.091,28 4,8 SDAX 17.904,29 -1,6 -290,67 13.062,07 22,4 CAC 8.406,25 -2,0 -174,50 8.580,75 10,0 SMI 13.800,48 -1,5 -213,82 14.014,30 11,4 ATX 5.618,10 -1,5 -83,60 5.701,70 38,3 US-Treasuries Rendite +/- Tageshoch Tagestief 2 Jahre 3,42 +0,04 3,43 3,37 5 Jahre 3,54 +0,03 3,55 3,48 10 Jahre 3,98 +0,01 3,99 3,93 DEVISEN zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag Fr, 17:05 EUR/USD 1,1716 -0,8 -0,0097 1,1813 1,1814 EUR/JPY 184,2 -0,1 -0,1900 184,39 184,3800 EUR/CHF 0,9105 +0,2 0,0016 0,9089 0,9081 EUR/GBP 0,8735 -0,3 -0,0027 0,8762 0,8782 USD/JPY 157,2 +0,8 1,1700 156,05 156,0500 GBP/USD 1,3409 -0,6 -0,0075 1,3484 1,3450 USD/CNY 6,8821 +0,4 0,0242 6,8579 6,8579 USD/CNH 6,8879 +0,4 0,0280 6,8599 6,8604 AUS/USD 0,7067 -0,7 -0,0046 0,7113 0,7127 Bitcoin/USD 66.021,72 +0,5 335,72 65.686,00 66.011,66 ROHOEL zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag WTI/Nymex 72,58 +8,3 5,56 67,02 Brent/ICE 79,22 +8,7 6,35 72,87 Metalle zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag Gold 5.388,40 +2,1 111,11 5.277,29 Silber 94,80 +1,0 0,98 93,82 Platin 2.352,55 -0,5 -12,20 2.364,75 ===
Kontakt zum Autor: maerkte.de@dowjones.com
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