Guten Morgen aus der Redaktion: Zinsen, Halbleiter-Ängste und dennoch 60 % Potenzial bei Nvidia?
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Die Märkte stehen klar unter Druck. Halbleiter und andere Technologieaktien füheren die Verliererlisten an. Software bietet noch relative Stärke. Die Begründung lieferten wir schon gestern mit stark gestiegen Zinsen mit entsprechendem Chart am langen Ende. Zusätzlicher Druck kommt vom Ölmarkt. Brent stieg den vierten Tag in Folge und notierte oberhalb von 91,60 Dollar je Barrel. Unternehmenszahlen als positiven Trigger gibt es erst wieder ab der zweiten Oktoberhälfte.
Halbleiter geraten weltweit unter die Räder
Der globale Abverkauf bei Chipaktien hat sich in Asien deutlich verschärft. In Südkorea verloren Samsung Electronics und SK Hynix jeweils mehr als 7 %. Zuvor war der Philadelphia Semiconductor Index in den USA um 5 % eingebrochen, der stärkste Tagesverlust seit Ende Juli. Der Bloomberg beziehungsweise MSCI Sektorindex für asiatische Halbleiter verlor rund 3,5 %. Wichtig für den Sektor ist nun: Die Korrekturtiefs vom 30. Juli müssen halten (s. Chart unten). Operativ / fundamental hat sich nichts geändert. Es geht um Ängste - denn:
Stark steigende Zinsen verteuern die Capex-Orgien im KI-Sektor. Mindestens sieben Unternehmen verzichteten deshalb darauf, geplante Anleiheemissionen an den Markt zu bringen. Das muss beobachtet werden. Die reale Refinanzierung von Unternehmen wird somit schwieriger und teurer. Das alles trifft auf die jüngste Bank of America-Umfrage mit Tiefwerten in der Cashquote (die wir für unsere Abonnenten im Bernecker Newspilot auseinanderpflücken). Hier gehts zum Newspilot: https://www.bernecker.info/news/list/alle
Und dennoch:
Bank of America hält die aktuelle Bewertung von Nvidia für deutlich zu niedrig. Analyst Vivek Arya kommt in einer Sum-of-the-Parts-Betrachtung des freien Cashflows auf einen rechnerischen Abschlag von 34 bis 50 %, selbst wenn Finanzierungsrisiken berücksichtigt werden. BofA bestätigt Buy mit einem Kursziel von 350 Dollar. Beim Bloomberg-Schlusskurs von 219 Dollar entspricht das einem Potenzial von knapp 60 %.
Die Größenordnung der Verpflichtungen, die Nvidia inzwischen im KI-Ökosystem eingegangen ist werden zugleich quantifiziert. BofA schätzt sie auf rund 300 Mrd. Dollar. Davon entfallen etwa 70 Mrd. Dollar auf Beteiligungen und 230 Mrd. Dollar auf Restwertgarantien oder andere Absicherungszusagen. Zu den jüngeren Engagements gehören Beteiligungen an SpaceX und Intel sowie die Zusage, bis zu 105 Mrd. Dollar für einen Rechenzentrumskomplex in Ohio bereitzustellen, der von OpenAI gemietet werden soll.
BofA sieht darin eine Absicherung der gesamten KI-Wertschöpfungskette. Nächste Woche kommen die Nvidia-Zahlen!
Volker Schulz
Redaktionsleiter Hans A. Bernecker Börsenbriefe
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