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Kommentar
08:55 Uhr, 30.07.2026

Gold: "Wachsende Nervosität"

Fallende Ölpreise, steigende Zinssorgen und neue Spannungen im Nahen Osten sorgen für starke Marktbewegungen. Michael Blumenroth analysiert, warum sich Gold auch abseits der üblichen Korrelationen bewegt.

30. Juli 2026. FRANKFURT (Xetra-Gold). Wenngleich viele Marktakteure entweder bereits in der Sommerpause sein sollten oder aber zumindest vorfreudig die Kalenderblätter abreißen dürften, weil es bald losgeht, ist von sommerlicher Ruhe nichts zu spüren. Im Gegenteil, die Märkte zeigten sich in den vergangenen Tagen zunehmend nervös. Dabei standen die Zeichen zu Beginn dieser Woche eigentlich eher auf Entspannung: Sowohl am Samstag als auch am Sonntag wurden keine neuen Kampfhandlungen und Angriffe aus dem Nahen Osten vermeldet, was zur Folge hatte, dass die Ölpreise ordentlich unter Druck gerieten: Brent-Öl, das im September-Kontrakt am vergangenen Donnerstag noch bei 102 US-Dollar je Barrel gehandelt wurde, verbilligte sich von dort rund 20 Prozent bis auf etwa 82,50 US-Dollar/Barrel am Dienstag dieser Woche. Auch die Preise der Ölsorte WTI gaben deutlich nach.

Allerdings kam es in der Nacht zum Mittwoch dann doch wieder zu gegenseitigen Angriffen der Kontrahenten, was zur Folge hatte, dass der Ölpreis vom Tagesschluss am Dienstag bis gestern Nachmittag acht Prozent zulegte. Unabhängig von den turbulenten Marktbewegungen an den Ölmärkten wuchs in den vergangenen Tagen die „Besorgnis“ vieler Marktakteure, dass die US-Notenbank Fed bereits am gestrigen Mittwoch die Leitzinsen aufgrund des anhaltend hohen Inflationsdruck erhöhen könnte. War eine Woche zuvor an den Zinsterminmärkten lediglich eine Wahrscheinlichkeit von zehn Prozent eingepreist worden, stieg diese zum Ende vergangener Woche auf rund 40 Prozent. Dies sorgte zunächst für weiteren Aufwärtsdruck auf die Renditen der US-Staatsanleihen. Zwar gaben diese zu Beginn dieser Woche mit den sinkenden Ölpreisen zusammen etwas nach – aber nicht so stark wie man im Vorfeld hätte vermuten können.

Das haben sie mit den Goldpreisen gemeinsam: Auch hier hätte man rational davon ausgehen können, dass die Goldpreise von den fallenden Ölpreisen starken Rückenwind erhalten. Stattdessen gaben sie seit Wochenbeginn moderat nach. Hier könnte die „Furcht“ vor einer Leitzinserhöhung der Fed gestern Abend eine Rolle gespielt haben.

Notierten die Goldpreise am Mittwochnachmittag vergangener Woche noch bei rund 4.150 US-Dollar je Unze, rutschten sie bereits bis zum Freitag – erklärbar durch die hohen Ölpreise – bis auf 4.020 US-Dollar ab und verabschiedeten sich mit 4.055 US-Dollar in das Wochenende. Zum Handelsstart am Montag wurde aufgrund der sinkenden Ölpreise Gold zunächst bis auf 4.115 US-Dollar hochgekauft, was rational noch gut nachvollziehbar war. Seitdem blickten die Notierungen jedoch südwärts, was in einem kurzen Sturz knapp unter die Marke von 4.000 US-Dollar gestern Nachmittag gipfelte. Dann jedoch eilte die Fed den Goldpreisen zur Hilfe: Mit ihrem Beschluss, die Leitzinsen unverändert zu lassen, wurde das Damoklesschwert einer Zinserhöhung zumindest bis Mitte September eingezogen. Der Goldpreis sprang von 4.020 US-Dollar bis auf 4.115 US-Dollar.

Jetzt wird es kompliziert: Zwar wird der Goldpries nun von einem schwächeren US-Dollar und niedrigeren Renditen für kurze Laufzeiten der US-Staatsanleihen gestützt, ein sprunghafter Anstieg der Renditen der US-Langläufer liefert jedoch wiederum Gegenwind. Das gelbe Metall kann sich heute Morgen noch nicht für eine Richtung entscheiden. Aktuell notiert es bei 4.045 US-Dollar.

Der Xetra-Gold-Preis handelte relativ parallel, da sich der Eurodollar-Kurs wie bereits in den Vorwochen wenig bewegte: Während der üblichen Handelszeiten setzte er von 117,00 Euro/Gramm am vergangenen Mittwochnachmittag bis auf rund 114,50 Euro zum Wochenschluss am Freitagnachmittag zurück. Nach einem kurzen Ausflug auf 115,85 Euro am Montag sank auch hier der Preis recht kontinuierlich, und zwar bis auf 112,85 Euro am gestrigen Nachmittag. Würde er zum Handelsstart auf dem Niveau von 7 Uhr gehandelt, wäre dies bei 113,50 Euro.

Nach der Fed ist vor der Bank of England und vor der Bank of Japan. Zumindest die morgige Sitzung in Tokio könnte noch etwas Spannungspotential bergen. In der kommenden Woche stehen eine ganz Menge von Makrodaten aus den USA im Datenkalender. Zuvor gibt es auch noch Inflationsdaten aus der Eurozone (nämlich morgen). Weiterhin im Fokus bleibt natürlich die Nachrichtenlage aus dem Nahen Osten.

Allen Leserinnen und Lesern wünsche ich ein kühleres Wochenende als die 37 bis 39 Grad, die für den heutigen Donnerstag für Frankfurt vorhergesagt sind.

Von Michael Blumenroth, 30. Juli 2026 © Deutsche Börse AG

Über den Autor

Michael Blumenroth ist Investment Strategist im Chief Investment Office der Deutschen Bank mit dem Schwerpunkt Rohstoffe und Währungen. Er verfügt über langjährige Erfahrung im Handel von Produkten aus diesen Bereichen, insbesondere in den Edelmetallen.