Gold-Rally zwingt Lagerstellen ins Risiko
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- GoldKursstand: 5.006,30 $/oz. (JFD Brokers) - Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung
- Gold - WKN: 965515 - ISIN: XC0009655157 - Kurs: 5.006,30 $/oz. (JFD Brokers)
Tresorbetreiber und Depotbanken stoßen zunehmend an die Grenzen ihrer Versicherungspolicen, was zu drastischen Anpassungen in der Lagerlogistik und im Risikomanagement führt. Wie Maklerkreise berichten, sind erste Betreiber dazu übergegangen, signifikante Bestände unversichert zu lassen.
Der Kern des Problems liegt in der enormen Wertkonzentration auf engstem Raum. Die physische Menge der Barren in einem Tresorraum mag konstant bleiben, ihr nomineller Wert hat sich aber in den vergangenen Jahren vervielfacht. Barry Vickery vom Versicherungsmakler Howden erklärt, dass die Deckungssummen für einzelne Lagerstandorte zwar angehoben wurden – von durchschnittlich 3 Mrd. USD vor einigen Jahren auf heute bis zu 5 Mrd. USD –, doch die Dynamik der Gold-Rally hat selbst diese erweiterten Puffer aufgezehrt. Die Branche sieht sich gezwungen, ihr Verhalten grundlegend zu ändern.
Die Rückkehr der Selbstversicherung
Eine der auffälligsten Reaktionen auf die Kapazitätsengpässe ist der Trend zur partiellen Selbstversicherung. Lagerstellen behalten Risiken zunehmend auf der eigenen Bilanz, statt sie an den Londoner Versicherungsmarkt weiterzureichen. Dieses Vorgehen war bislang vorwiegend ein Privileg der großen "Bullion Banks" wie HSBC, JPMorgan, ICBC Standard Bank oder UBS. Diese Institute lagern seit Jahren Werte, die die Kapazitäten externer Versicherer weit übersteigen, und decken das Restrisiko über ihre gewaltigen Bilanzen ab.
Neu ist jedoch, dass nun auch mittelgroße Verwahrstellen diesem Muster folgen. Paul Martin vom Makler Marsh beobachtet, dass Betreiber, die früher "jeden Dollar" ihres Gold-Exposures versichert hätten, nun gezwungen sind, ins Risiko zu gehen. Die Kalkulation dahinter: Betreiber vertrauen auf ihre massiven Sicherheitsvorkehrungen. Interne Studien einiger Depots zur Ermittlung des maximalen Verlustpotenzials kamen zu dem Schluss, dass ein erfolgreicher Raubzug logistisch kaum durchführbar wäre. Um die dort gelagerten Mengen zu stehlen, bräuchte es "eine Armee mit mehreren Lastwagen", so das Fazit der Risikoanalysen.
Physische Umverteilung zur Risikominimierung
Jene Betreiber, die das Risiko der Selbstversicherung scheuen, greifen zu aufwendigen logistischen Maßnahmen. Um die Versicherungsobergrenzen für einen einzelnen Standort nicht zu reißen, wird das Gold physisch umverteilt. Händler berichten von einer Art Verschiebebahnhof zwischen verschiedenen Lagerstätten. Dabei spielt die Definition dessen, was versicherungstechnisch als "Standort" gilt, eine entscheidende Rolle. Ein Händler erläuterte gegenüber der Financial Times, dass auf einem Industriegelände mit drei separaten Lagerhallen das Material so zwischen den Gebäuden "gemischt" werden kann, dass die individuellen Policen-Limits eingehalten werden.
Diese Strategie birgt jedoch eine eigene Ironie: Gold ist im Tresor am sichersten, das größte Risiko entsteht erst durch die Bewegung. Vickery weist darauf hin, dass Zwischenfälle fast immer im Moment des Transfers geschehen. Wenn große Mengen Material bewegt werden und gleichzeitig der Preis für das Metall steigt, erhöht sich die Attraktivität für kriminelle Banden signifikant. Die Speziallogistiker reagieren darauf, indem sie ihrerseits die Versicherungssummen für Transporte erhöhen müssen.
Boomende Nachfrage - nicht nur nach Gold, auch nach Versicherungen
Der Druck auf die Lagerkapazitäten ist nicht allein preisgetrieben, sondern auch eine folge physischer Nachfrage. Ein massiver Anstieg der Nachfrage nach physischem Edelmetall, insbesondere in Schlüsselmärkten wie Indien und den USA, sorgt dafür, dass mehr Gold durch das System geschleust wird als in ruhigeren Marktphasen. Dies verschärft die Situation zusätzlich, da die Umschlaggeschwindigkeit und die gelagerten Volumina parallel zum Preis steigen.
Für die Lagerstellen, die nicht in die Selbstversicherung flüchten wollen, steigen die Kosten der Absicherung spürbar an. Dies ruft wiederum neue Anbieter auf den Plan. Der Markt für Goldversicherungen boomt, und Akteure wie Westfield Specialty haben im vergangenen Jahr spezialisierte Teams aufgebaut, um Zeichnungskapazitäten für Edelmetalle bereitzustellen.

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