Gold: "Im Niemandsland"
- Lesezeichen für Artikel anlegen
- Artikel Url in die Zwischenablage kopieren
- Artikel per Mail weiterleiten
- Artikel auf X teilen
- Artikel auf WhatsApp teilen
- Ausdrucken oder als PDF speichern
16. Juli 2026. FRANKFURT (Xetra-Gold). Das von vielen Marktbeobachtern gefürchtete Sommerloch scheint sich mit Riesenschritten zu nähern. Gemeint ist damit eine an den Märkten oft relativ ereignislose Zeit, da viele Marktakteure – statt vor den Bildschirmen zu hocken – urlaubsbedingt in den Bergen oder am Strand dem Müßiggang frönen. Kommende Woche haben bis auf zwei Bundesländer alle anderen Schulferien – wenn ich mich nicht täusche –, die Fußball-Weltmeisterschaft wird Geschichte sein, die Tournee der besten Band der Musikgeschichte, Iron Maiden, wird für die Sommerpause unterbrochen und Marathonveranstaltungen muss man auch mit der Lupe suchen.
Nahost-Eskalation und US-Inflationsdaten als Markttreiber
Dieses sich abzeichnende Sommerloch könnte das etwas zähe Handelsgeschehen dieser Woche erklären. Denn schließlich haben wir in den vergangenen Tagen zumindest zwei „Aufregerthemen" an den Märkten gehabt: Zum einen die erneute Verschärfung der Kampfhandlungen im Nahen Osten und zudem Inflationsdaten aus den USA. Das Geschehen im USA-Iran-Konflikt hat die aus den vergangenen Wochen bekannten Auswirkungen nach sich gezogen: Primär schauen alle Händler und Analysten auf die Ölpreise, die sich seit knapp zwei Wochen nun stetig und deutlich verteuert haben. Dies hatte wieder ansteigende Inflationsgefahren, höhere Renditen von Anleihen und tendenziell Rückenwind für den US-Dollar zur Folge.
Schwächere Inflationsdaten dämpfen Zinssorgen
Genau den gegenteiligen Effekt hatten die Inflationsdaten aus den USA: Sowohl die Verbraucher- als auch die Erzeugerpreisinflation lagen im Juni spürbar unterhalb der Prognosen, was wiederum für Erleichterung an den Märkten und das Auspreisen potenzieller zeitnaher Leitzinserhöhungen der US-Notenbank Fed zur Folge hatte. Und somit niedrigere US-Renditen und einen etwas schwächeren US-Dollar.
Gegenläufige Kräfte halten Goldpreis in enger Spanne
Im Endeffekt heben sich diese beiden Entwicklungen zumindest teilweise auf, was zur Folge hatte, dass Gold sich in einer relativ engen Handelsspanne durch die Woche kämpfte. Der Gegenwind ist insgesamt vielleicht etwas stärker geworden, da die Inflationsdaten aus den USA den Juni betreffen, und mit den aktuell höheren Öl- und Benzinpreisen die Inflation im Juli wieder ansteigen könnte.
Goldpreisentwicklung im Wochenverlauf
Notierten die Goldpreise am Donnerstagmorgen vergangener Woche noch bei rund 4.105 US-Dollar je Unze, stiegen sie gleichtägig auf ihr Wochenhoch bei etwa 4.138 US-Dollar. Mit den wiederaufflammenden Kampfhandlungen im Nahen Osten und dem deutlichen Anstieg der Ölpreise ging es ab dem Handelsbeginn am Montag abwärts bis auf rund 3.985 US-Dollar Dienstagnacht. Die Daten zur US-Inflation hatten dann einen Hüpfer auf 4.100 US-Dollar am Dienstagnachmittag zur Folge. Seitdem können sich die Goldpreise nicht für eine klare Richtung entscheiden, handeln aber oberhalb der Marke von 4.000 US-Dollar. Beim Schreiben dieser Zeilen am Donnerstagmorgen wird Gold bei rund 4.030 US-Dollar gehandelt.
Xetra-Gold-Preis bewegt sich im Gleichklang mit dem Euro
Der Xetra-Gold-Preis handelte relativ parallel, da auch der EUR/USD-Kurs kein Ausbund an Volatilität war: Während der üblichen Handelszeiten stieg er von 115,50 Euro pro Gramm am vergangenen Donnerstagmorgen bis auf rund 116,20 Euro am Donnerstagnachmittag. Nach einem Wochenschluss bei 115,50 Euro fiel er am Montagnachmittag auf ein Wochentief bei rund 112,85 Euro. Nach einem Ausflug zurück über die Marke von 115,00 Euro nach den US-Inflationsdaten startet der Xetra-Gold-Preis am heutigen Donnerstagmorgen bei rund 113,85 Euro in den Handelstag.
Ausblick: Notenbanksitzungen könnten für neue Impulse sorgen
In den kommenden Tagen könnten die Entwicklungen im Nahen Osten und deren Auswirkung auf die Ölpreise weiter die Richtung bestimmen. Bis Ende Juli tagen jedoch auch noch viele Notenbanken wie auch die EZB und die Fed. Vielleicht bringt das etwas Spannung in die Finanzmärkte zurück.
Allen Leserinnen und Lesern wünsche ich ein schönes Wochenende und möglicherweise einen guten Start in die Ferien.
Von Michael Blumenroth, 9. Juli 2026 © Deutsche Börse AG
