Kommentar
15:41 Uhr, 15.01.2026

Gold: "Im Höhenrausch"

Rohstoffanalyst fasst die Hause am Gold- und Silbermarkt, aber auch bei anderen Metallen, zusammen.

15. Januar 2026. FRANKFURT (Xetra-Gold). Unbarmherzig für diejenigen, die noch nicht mit an Bord sind – was in diesem Falle investiert bedeutet – ging es in den vergangenen Tagen mit den Metallpreisen weiter aufwärts. Neue Rekordpreise gab es für Kupfer, Silber und Gold. Auch zuletzt "vernachlässigte“ Industriemetalle wie Nickel und Zinn legten zeitweise deutlich zu. Im Fokus steht zwar weiterhin Silber mit einem spektakulären Kursanstieg von fast 28 Prozent innerhalb der ersten neun Handelstage des neuen Jahres. Aber auch die Anhänger des edelsten aller Metalle dürfen sich über sieben Prozent Kurszuwachs im selben Zeitraum sowie Kurse oberhalb der Marke von 4.600 US-Dollar pro Unze erfreuen.

Geopolitische Lage und Fed-Konflikt treiben Goldnachfrage

Die Edelmetalle profitierten dabei unter anderem von dem sich zu Wochenbeginn hochschaukelnden Konflikt zwischen der US-Regierung und dem Vorsitzenden der US-Notenbank Fed, Jerome Powell. Dieser verstärkte die Suche nach „sicheren Häfen“ ebenso wie die unsichere Lage im Iran und der potentiellen Auswirkungen einer weiteren Eskalation dort auf das Ölangebot und die Weltkonjunktur. Bei den meisten Metallen – insbesondere Kupfer, Silber und Platin – fürchten die Finanzmärkte zudem eine zunehmende Angebotsknappheit auf mittlere Sicht und potenzielle US-Importzölle im Laufe dieses Jahres, weshalb die US-Lagerhäuser voll bleiben und momentan nicht ausreichende Mengen an Angebot nach Asien gelangen.

Viele Analysten führen für die anhaltend starke Nachfrage nach Gold weiterhin die Überlegung des sogenannten „Debasement-Trades“ an, was bedeutet, dass viele Großanleger einen Teil des oft sehr hohen Anteils an US-Staatsanleihen aus ihren Portfolien in andere Anlageformen umschichten möchten, und deshalb ein Auge ein Gold werfen.

Gold handelt erstmals über 4.600 US-Dollar

Notierten die Goldpreise am Mittwochabend, dem 7. Januar, bei 4.450 US-Dollar, sanken sie zunächst am Donnerstag auf 4.408. Nach einem unerwartet starken Rückgang der Arbeitslosenquote in den USA, der am Freitagnachmittag gemeldet wurde, beendete Gold die Woche bei 4.510, sprang am Montag erstmals über die Marke von 4.600 US-Dollar und erzielte am gestrigen Mittwoch mit 4.643,75 erneut ein Rekordhoch – begünstigt durch am Dienstag gemeldete Daten zu den Verbraucherpreisen in den USA, die in Teilbereichen unterhalb der Erwartungen lagen. Heute Morgen notiert Gold beim Schreiben dieser Zeilen bei rund 4.605 US-Dollar.

Xetra-Gold erzielt neues Rekordhoch

Der Xetra-Gold-Preis schloss sich der Rekordjagd an: Während der üblichen Handelszeiten ging es von 122,35 Eurei je Gramm am vergangenen Mittwochabend kräftig aufwärts bis auf 128,10 gestern Mittag, ein weiteres Rekordhoch. Heute Morgen dürfte es bei ungefähr 127,20 in den Tag starten.

Wenngleich die Preissprünge aufwärts an den Metallmärkten möglicherweise nun zu weit gelaufen sind und die Märkte überhitzt erscheinen, möchte sich anscheinend momentan niemand robust gegen diesen Trend stellen. Die geopolitischen Risiken könnten noch eine Weile eine dominante Rolle an den Märkten spielen, ebenso die Sorgen um ausufernde Staatsschulden rund um den Globus, die aktuell für einen kräftigen Renditeanstieg in Japan sorgen. Diese dürften die Goldpreise weiterhin stützen. Die physische Nachfrage könnte in den Feiertagen rund um das chinesische Neujahrsfest Mitte Februar kurzzeitig etwas nachlassen.

Allen Leserinnen und Lesern wünsche ich ein goldenes Händchen und an diesem Wochenende mal weder Schnee noch Regen.

Von Michael Blumenroth, 15. Januar 2026 © Deutsche Börse AG