Aus dem ETF Magazin: "Gelungener Auftakt"
- Lesezeichen für Artikel anlegen
- Artikel Url in die Zwischenablage kopieren
- Artikel per Mail weiterleiten
- Artikel auf X teilen
- Artikel auf WhatsApp teilen
- Ausdrucken oder als PDF speichern
4. Februar 2025. MÜNCHEN (ETF Magazin). Mehr als drei Jahre traten europäische Nebenwerte praktisch auf der Stelle, während Large Caps richtig Gas gaben. Hohe Zinsen, Energiekrise, Lieferkettenprobleme – all das belastete gerade die kleineren Aktiengesellschaften. Doch nun zeigt sich Licht am Horizont: In 2025 legten ETFs mit Small Caps der Eurozone um fast 20 Prozent zu.
Auch fundamentale und makroökonomische Indikatoren signalisieren, dass die Nebenwerte nun endlich die Talsohle durchschritten haben könnten. „Die Liquiditätsbedingungen verbessern sich und das Umfeld wird konstruktiver“, schreiben Analysten von Société Générale (SG) und Bernstein in einem aktuellen Whitepaper. Titel ihres Reports: “Small is beautiful again”.
Die Analysten sehen gleich mehrere Faktoren, die für eine anhaltende Erholung der Nebenwerte sprechen. Zum einen endet der geldpolitische Straffungszyklus der Europäischen Zentralbank. Niedrigere Zinsen und geringere Finanzierungskosten helfen kleinere Unternehmen besonders. Zum anderen verbessert sich die Geldmengenentwicklung – ein Frühindikator für Konjunktur und Unternehmensgewinne. Der dreijährige Rückgang der M1-Geldmenge, der eng mit der Underperformance von Small Caps korrelierte, ist beendet. Historisch folgten auf solche Phasen oft deutliche Kursanstiege im Small-Cap-Segment, erklären die Analysten. Hinzu kommt die sanfte Erholung der Euro-Wirtschaft: Der Einkaufsmanagerindex, ein wichtiger Frühindikator, liegt wieder über der Marke von 50 Punkten. Das signalisiert Wachstum.
SG und Bernstein heben hervor, dass Small Caps im aktuellen Umfeld gleich doppelt profitieren können: von steigender Liquidität und von einer sich normalisierenden Binnenkonjunktur. Da sie stärker auf den europäischen Heimatmarkt ausgerichtet sind als internationale Großkonzerne, reagieren sie besonders sensibel auf eine Verbesserung der lokalen Wirtschaftsdaten. Mit zunehmendem Vertrauen der Investoren und sinkenden Risikoprämien könnte sich daraus eine nachhaltige Aufholbewegung entwickeln – ähnlich wie in den frühen 2000er Jahren oder nach der Finanzkrise.
Doppelter Antrieb
Die Anlagestrategen von Russell Investments sehen Small Caps „next in line“ – also als nächste Anlageklasse, die vom neuen Zinsumfeld und anziehender Wirtschaft profitieren dürfte. Historische Daten zeigten, dass Small Caps typischerweise in der Frühphase wirtschaftlicher Erholungen besser abschneiden als Large Caps. Zudem verzeichnen die Nebenwerte überdurchschnittliches Gewinnwachstum, sobald sich die Finanzierungskosten stabilisieren und die Kreditvergabe an kleinere Firmen zunimmt.
Auch die attraktive Bewertung vieler kleiner Aktiengesellschaften spricht für ein Comeback. Europäische Small Caps sind aktuell etwa 20 Prozent niedriger bewertet als im historischen Mittel. Dieser Abstand dürfte in den kommenden zwölf bis achtzehn Monaten deutlich schrumpfen, schätzt Jeannette Louh, Senior Research Analyst bei Russell Investments.
Im Vergleich zu Aktien mit hoher Marktkapitalisierung sind die Nebenwerte aktuell ebenfalls günstig wie selten. Traditionell werden Small Caps mit einer höheren Bewertung gehandelt als die Dickschiffe der Börse. Das hat gute Gründe: Nebenwerte gelten als wachstumsstärker und haben oft Übernahmepotenzial. Viele Börsengiganten begannen als kleine, kaum bekannte Firmen, die sich durch Innovation zu globalen Konzernen entwickelten. Die Aussicht, bei der nächsten Erfolgsgeschichte früh dabei zu sein, rechtfertigt für viele einen Bewertungsaufschlag.
Aktuell liegt die Bewertung der europäischen Nebenwerte jedoch nicht über, sondern unter der Bewertung der Standardwerte. Nach den Berechnungen von SG und Bernstein handeln die kleinen Aktien (ohne Finanzwerte) heute mit einem Abschlag von 27 Prozent auf die großen Aktien, gemessen am Verhältnis des Buchwerts zum Vorsteuergewinn (EV/EBITDA). Früher sei dagegen ein Aufschlag von 13 Prozent üblich gewesen. Gemessen am Verhältnis von Aktienkurs zum erwarteten Gewinn (KGV) gäbe es die Nebenwerte mit einem Abschlag von 14 Prozent und nicht mit dem in der Vergangenheit üblichen Aufschlag von 17 Prozent.
Peter Kraus, Small-Cap-Spezialist bei Berenberg, erinnert in diesem Zusammenhang daran, dass viele europäische Nebenwerte solide Bilanzen, geringe Verschuldung und starke Marktpositionen haben – ideale Voraussetzungen für steigende Gewinne. Viele Small Caps seien zudem weltweit führend in ihren Nischen – etwa im Halbleiterbereich, in der Medizintechnik oder bei nachhaltigen Technologien.
Die richtigen ETFs
Wer das Potenzial der europäischen Small- und Midcaps nutzen will, kann mit spezialisierten ETFs arbeiten. Zur Verfügung stehen ETFs auf den Nebenwerte-Index von Stoxx sowie auf das Pendant von MSCI.
Der Stoxx Europe Small 200 Index enthält 200 Nebenwerte aus 18 europäischen Ländern. Der iShares STOXX Europe Small 200 ETF bildet diesen Index ab.
Der MSCI Europe Small Cap Index umfasst etwa 1.000 Titel aus 15 Ländern. Der SPDR MSCI Europe Small Cap ETF und der Xtrackers MSCI Europe Small Cap ETF bilden beide diesen Index ab und bieten so breiten Zugang zu mehr als tausend kleineren europäischen Aktiengesellschaften.
Der SPDR MSCI Europe Small Cap Value Weighted ETF investiert ebenfalls in die Aktien des MSCI Europe Small Cap Index, gewichtet jedoch die Aktien nach fundamentalen Kennzahlen wie Buchwert und Cashflow, anstatt nach Marktkapitalisierung. Dadurch erhalten günstig bewertete Small Caps mehr Gewicht.
Aber Achtung: In den beschriebenen Indizes dominieren Aktien aus Großbritannien, was in den letzten Jahren nicht unbedingt ein Pluspunkt war. Wer das hohe Gewicht der britischen Nebenwerte nicht will, greift zum iShares Euro Stoxx Small ETF. Dieser ETF enthält rund 100 Aktien aus der Eurozone; neben Großbritannien fehlen deshalb bei diesem ETF auch die Werte aus Schweden und der Schweiz.
Auschliesslich auf deutsche Nebenwerte zielt der Ende 2023 aufgelegte Amundi SDAX ETF. Er investiert in die 70 Titel des Sdax-Index, also in Unternehmen, deren Marktkapitalisierung unterhalb der Aktien von Dax- und Mdax-Index bleibt.
Seit dem 12. November gibt es auch den ersten aktiv verwalteten ETF für Nebenwerte. Der neue Jupiter Origin Global Smaller Companies ETF setzt eine bereits seit mehreren Jahren bewährte Strategie der britischen Fondsboutique Origin um (s. Interview nächste Seite).
Eine gute Ergänzung zu den reinen Small-Cap-ETFs sind ETFs für mittelgroße Aktien, etwa der iShares MSCI Europe Mid Cap ETF. Er enthält über 240 Aktien mittlerer Marktkapitalisierung aus 15 Ländern.
Der iShares Euro Stoxx Mid ETF investiert in rund 90 mittelgroße Aktien aus der Eurozone.
Ausschließlich auf deutsche Mittelwerte zielt der Deka MDAX ETF. Er investiert in die 50 größten deutschen Aktiengesellschaft unterhalb des DAX.
Von Wilhelm Nordhaus, Dezember 2025, © ETF Magazin
Der Artikel stammt aus der aktuellen Ausgabe des ETF Magazins, dem Fachjournal für Profis und informierte Anleger*innen.



