Gold: "Erste Erholungstendenzen"
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Die Nahost-Spannungen treiben Ölpreise und Renditen nach oben. Trotzdem zeigt sich Gold überraschend stark: Michael Blumenroth sieht Anzeichen für eine Loslösung von der bisherigen Öl- und Zinskorrelation.
23. Juli 2026. FRANKFURT (Xetra-Gold). Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer, sagt der Volksmund. Deswegen wollen wir an dieser Stelle auch nicht verfrüht Entwarnung geben. Allerdings diskutieren einige Kommentare in den vergangenen Tagen, dass es möglicherweise an der Zeit sein könnte, allmählich über eine Trendwende bei den Goldpreisen nachzudenken.
Goldpreis löst sich von Öl- und Anleihekorrelation
Etwas unbemerkt im Schatten der nun endlich beendeten Fußball-Weltmeisterschaft (ein kleiner Fun Fact: Die diesjährige WM dauerte 39 Tage, die WM 2030 soll sich – Stand heute – über 44 Tage erstrecken) hat es der Goldpreis nämlich anscheinend geschafft, sich von der starken Korrelation zu den Ölpreisen und den Renditen der Staatsanleihen zu lösen. Korrelation in dem Sinne, dass die Goldpreise seit der Eskalation im Nahen Osten unter steigenden Ölpreisen sowie den daraufhin steigenden Inflations- und Zinserhöhungserwartungen sowie den höheren Renditen litten. Schließlich zahlt Gold weder Zins noch Dividende, und das erhöhte Renditeniveau dürfte insbesondere viele Großanleger in den vergangenen Wochen dazu verleitet haben, sich dieses Niveau zu sichern und stattdessen Goldpositionen aufzulösen.
Nahost-Spannungen sorgen für neuen Ölpreisschub
Nun ist seit Beginn der vergangenen Woche die Lage im Nahen Osten wieder angespannter. Die Huthi-Rebellen im Jemen drohten zudem eine Blockade der Straße von Bab al-Mandab an, was den Schiffsverkehr durch das Rote Meer zum Erliegen bringen könnte. Nach der Sperrung der Straße von Hormus hat Saudi-Arabien einen Großteil der Ölexporte über das Rote Meer transportiert. Dies würde somit einen erneuten Angebotsschock bedeuten, was an den Finanzmärkten dementsprechend eingepreist wird:
Notierten die Terminpreise für Brent-Öl in der kurzen Laufzeit noch kürzlich bei 72 US-Dollar je Barrel, handelten sie am heutigen Mittwochnachmittag erstmals seit sechs Wochen oberhalb der Marke von 95 US-Dollar/Barrel. An den Zinsterminmärkten werden infolgedessen sowohl für die US-Notenbank als auch die EZB aktuell zwei Leitzinserhöhungen zu jeweils 0,25 Prozentpunkten eingepreist. Die Renditen der Staatsanleihen legten rund um den Globus spürbar zu.
Gold als sicherer Hafen wieder gefragt
Seit Anfang März hatte dies verlässlich zur Folge, dass die Goldpreise unter Druck gerieten; in den letzten Tagen änderte sich dies – vermutlich dürften Anleger Gold momentan als „sicheren Hafen" nachfragen. Sowohl von den spekulativ orientierten Anlegern an den US-Terminbörsen als auch von Seiten der Käufer von ETCs wurde reges Kaufinteresse verzeichnet.
Goldpreisentwicklung im Wochenverlauf
Notierten die Goldpreise am Donnerstagmorgen vergangener Woche noch bei rund 4.030 US-Dollar je Unze, sanken sie am Freitag auf ein Wochentief bei etwa 3.960 US-Dollar und verabschiedeten sich mit 4.020 US-Dollar in das Wochenende. Nach einem relativ ereignislosen Montag nahm sich das gelbe Metall offenbar die beherzt auftretenden spanischen Fußballer zum Vorbild und gewann ordentlich hinzu. Beim Schreiben dieser Zeilen – aus logistischen Gründen diesmal am Mittwochnachmittag – wurde es kurzzeitig bei 4.163 US-Dollar gehandelt und notiert nun bei 4.150 US-Dollar.
Xetra-Gold-Preis folgt der Entwicklung
Der Xetra-Gold-Preis handelte relativ parallel, da sich der Eurodollar kaum bewegte: Während der üblichen Handelszeiten setzte er von 113,85 Euro pro Gramm am vergangenen Donnerstagmorgen bis auf rund 111,45 Euro im Wochentief am Freitagnachmittag zurück. Nach einem Wochenschluss bei 112,80 Euro rückte auch der Xetra-Gold-Preis stramm vor, und zwar bis auf 117,25 Euro vor wenigen Minuten. Momentan notiert er leicht darunter bei 117,00 Euro.
Ausblick: EZB und Fed im Fokus
Am morgigen Donnerstag dürfte die EZB die Leitzinsen unverändert lassen. Entscheidender dürfte sein, wie sie sich hinsichtlich potenzieller Leitzinsschritte im Herbst äußern wird. Ähnliches gilt für die Notenbanken, die nächste Woche tagen werden, insbesondere für die US-Notenbank Fed am kommenden Mittwochabend – worüber ich nächste Woche berichten werde. Die Entwicklungen im Nahen Osten dürften zudem weiterhin im Fokus stehen, die spannende Frage ist nun, ob noch weitere Anleger auf den gen Norden fahrenden Gold-Zug aufspringen werden.
Allen Leserinnen und Lesern wünsche ich ein schönes und erholsames Wochenende, bevor es Ende kommender Woche vermutlich wieder richtig heiß werden dürfte.
Von Michael Blumenroth, 23. Juli 2026 © Deutsche Börse AG
