Gold: "Erneute Spannungen als Bremsklotz"
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9. Juli 2026. FRANKFURT (Xetra-Gold). Allmählich neigt sich die Fußball-Weltmeisterschaft ihrem Höhepunkt zu: Kommende Woche um diese Zeit werden wir beim Schreiben dieser Zeilen schon wissen, wer es in die Finalspiele geschafft hat. Zumindest das Achtelfinale war alles andere als langweilig – wer hätte gedacht, dass Norwegen Brasilien ein Bein stellen kann oder dass Ägypten Argentinien an den Rand einer Niederlage bringen würde. Auch an den Finanzmärkten ist von beschaulicher Sommerruhe keine Spur. Vor und nach dem langen Unabhängigkeitstag-Wochenende in den USA ging es ordentlich zur Sache.
Schwache US-Arbeitsmarktdaten drücken Dollar und Renditen
Gehen wir chronologisch vor: Nachdem der neue Fed-Vorsitzende Kevin Warsh Mitte vergangener Woche erläutert hatte, dass die Inflationsrisiken und -erwartungen zuletzt etwas abgenommen hätten, wurden am vergangenen Donnerstag die Daten zum US-Arbeitsmarkt im Juni veröffentlicht. Die Zahl der neugeschaffenen Stellen lag spürbar unterhalb der Erwartungen. Zudem sank die Erwerbsquote, also die Quote derer, die arbeiten oder aktiv Arbeit suchen, an der Gesamtbevölkerung, ungewöhnlich kräftig um 0,3 Prozentpunkte. Dies deutet darauf hin, dass vom Arbeitsmarkt momentan keine stark inflationstreibenden Impulse ausgehen sollten: Er ist weiterhin robust, aber überhitzt nicht. Somit sind keine extrem hohen Gehaltssteigerungen zu erwarten, welche Unternehmen zu kräftigen Preiserhöhungen für ihre Waren oder Dienstleistungen verleiten könnten. Infolgedessen sanken die US-Renditen spürbar, der US-Dollar geriet in die Defensive, Edel- und Industriemetalle verteuerten sich.
Nahost-Eskalation treibt Ölpreise und Anleiherenditen
In der neuen Woche verlagerte sich dann der Fokus wieder Richtung Naher Osten. Nach einigen Zwischenfällen in der Straße von Hormus kam es trotz der zwischen den USA und dem Iran vereinbarten Waffenruhe zu erneuten Angriffshandlungen. Daraufhin stiegen die Ölpreise deutlich an, ebenso die Renditen der Staatsanleihen. Nachdem US-Präsident Donald Trump gestern erklärte, dass aus seiner Sicht die Waffenruhe beendet sei, verstärkten sich diese Bewegungen noch etwas. Die Goldpreise reagierten wie so oft in den vergangenen Monaten auf diese Gemengelage – sie gaben ihre Gewinne vom Ende vergangener Woche wieder ab.
Goldpreis zwischen Nahost-Sorgen und Schnäppchenjägern
Notierten die Goldpreise am Donnerstagmorgen vergangener Woche noch bei rund 4.070 US-Dollar je Unze, sprangen sie nach den US-Arbeitsmarktdaten auf 4.140 und verabschiedeten sich bei 4.180 ins Wochenende. Nach einem kurzen Ausflug über die Marke von 4.200 Montagnacht setzte die erneute Eskalation der Lage im Nahen Osten den Goldpreisen zu. Sie sanken bis auf rund 4.022 US-Dollar. Hier scheinen dann jedoch „Schnäppchenjäger" zugegriffen zu haben: Beim Schreiben dieser Zeilen am Donnerstagmorgen wird Gold bei rund 4.105 US-Dollar gehandelt.
Xetra-Gold-Preis folgt der Goldpreisbewegung
Der Xetra-Gold-Preis gab die Gewinne, die er nach den US-Arbeitsmarktdaten erzielt hatte, ebenfalls zum Teil wieder ab. Während der üblichen Handelszeiten stieg er von 114,90 Euro pro Gramm am vergangenen Donnerstagmorgen bis auf rund 117,60 Euro am Donnerstagnachmittag nach Veröffentlichung der Daten. Am Dienstagnachmittag touchierte er dieses Niveau fast noch einmal, bevor die Entwicklung im Nahen Osten ihn auf Talfahrt gen 113,50 Euro schickte. Am heutigen Donnerstagmorgen startet der Xetra-Gold-Preis bei rund 115,50 Euro erholt in den Handelstag.
Ausblick: Geopolitik und US-Inflationsdaten im Fokus
Mit der Lage im Nahen Osten ist ein Thema zurückgekehrt, das an den Finanzmärkten vielleicht etwas zu früh als erledigt betrachtet worden war. Auch in den kommenden Tagen könnte das Augenmerk der Märkte auf der Geopolitik liegen. Auf die Veröffentlichung der US-Verbraucherpreisdaten am kommenden Mittwoch warten die Marktakteure ebenfalls mit allerhöchster Spannung.
Allen Leserinnen und Lesern wünsche ich ein erneutes schönes, sonniges Wochenende – ohne allzu hohen Hitzestress.
Von Michael Blumenroth, 9. Juli 2026 © Deutsche Börse AG
