Gelingt Trump gar kein Deal mehr? Kanada stellt sich auf langen Handelskrieg ein
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Nach dem abrupten Scheitern der Verhandlungen mit den USA stellt sich die Regierung von Premierminister Mark Carney auf einen Handelskonflikt ein, der nicht nur bis zu den amerikanischen Zwischenwahlen im November dauern könnte. Ottawa bereitet sich darauf vor, die Auseinandersetzung notfalls bis zum Ende von Trumps Amtszeit durchzustehen. Neue Gespräche vor den Midterms gelten nach dem Bruch vom Freitag als wenig wahrscheinlich.
Trump hat bislang darauf gesetzt, mit hohen Zöllen maximalen wirtschaftlichen Druck aufzubauen und seine Partner anschließend zu Zugeständnissen zu bewegen. Kanada entscheidet sich nun bewusst für die Gegenstrategie. Carneys Maxime lautet: Kein Deal ist besser als ein schlechter Deal.
50 % Zoll statt Kompromiss
Der Preis dafür ist erheblich. Seit Freitag gelten US-Zölle von 50 % auf kanadische Waren im Wert von rund 20 Mrd. USD. Betroffen sind etwa 5 % der kanadischen Exporte in die USA. Besonders unter Druck geraten Hersteller von Kunststoffen, Chemikalien, Forstprodukten und Maschinen.
Nach Berechnungen von BMO Capital Markets steigt die effektive durchschnittliche US-Zollbelastung kanadischer Waren damit von etwa 5 % auf 7,5 %. Gesamtwirtschaftlich erscheint das zunächst verkraftbar. Für einzelne Unternehmen kann die Belastung jedoch existenziell werden. In einer Umfrage des kanadischen Mittelstandsverbands CFIB erwarteten fast 80 % der betroffenen Exporteure Umsatzverluste.
Carney nimmt dieses Risiko bewusst in Kauf. "Wir können nicht akzeptieren, was sie angeboten haben, und wir werden nicht geben, was sie verlangt haben", sagte der Premierminister. Kanada werde Unternehmen so lange unterstützen, wie es nötig sei, ausdrücklich auch über die Amtszeit der aktuellen US-Regierung hinaus.
Ottawa arbeitet an einem Hilfspaket für betroffene Unternehmen. Gleichzeitig sollen am 8. September Gegenzölle auf US-Produkte in Kraft treten. Damit droht aus einem gescheiterten Deal ein längerfristiger wirtschaftspolitischer Stellungskrieg zu werden.
Warum Kanada den Deal platzen ließ
Dabei war eine Einigung bereits greifbar. Washington wollte die Zölle auf kanadischen Stahl und Aluminium von 50 % auf 25 % senken. Bei Autos sollte der Satz von 25 % auf 15 % fallen. Im Gegenzug hätte Kanada Teile seiner Vergeltungszölle zurückgenommen und Provinzen dazu bewegen sollen, Beschränkungen für amerikanischen Alkohol aufzuheben.
Doch aus kanadischer Sicht blieb das Kernproblem bestehen: Ein Vertrag hätte hohe US-Zölle dauerhaft festgeschrieben und Ottawa zugleich Verhandlungsmacht vor der anstehenden Überprüfung des nordamerikanischen Freihandelsabkommens USMCA genommen.
Genau hier könnte Trumps Strategie zunehmend an Wirkung verlieren. Ein Deal funktioniert politisch nur, wenn die Gegenseite das Ergebnis zu Hause als Fortschritt verkaufen kann. Werden die Bedingungen so hart, dass ein Abbruch attraktiver erscheint, verwandelt sich maximaler Druck in ein Hindernis für Vereinbarungen.
US-Handelsbeauftragter Jamieson Greer bestätigte am Wochenende, dass derzeit keine neuen Gespräche mit Kanada geplant seien. Washington bereite vielmehr weitere Maßnahmen als Reaktion auf die angekündigten kanadischen Gegenzölle vor. Eine weitere Eskalationsrunde ist damit wahrscheinlicher geworden.
Carney kann sich den Widerstand leisten
Politisch sitzt der kanadische Premierminister bislang erstaunlich fest im Sattel. Mehr als 75 % der Kanadier unterstützen laut einer aktuellen Umfrage seine Entscheidung, die Gespräche abzubrechen. Gleichzeitig sorgen sich fast 90 % um die wirtschaftlichen Folgen. Nur 18 % sprechen sich dafür aus, Washington für einen Deal weitere Zugeständnisse zu machen.
Das verschafft Carney etwas, das in Handelskriegen entscheidend sein kann: Zeit. Selbst die konservative Opposition und wichtige Provinzregierungen stellen sich weitgehend hinter seinen Kurs. Ökonomisch bleibt das Experiment dennoch riskant. Die USA sind mit Abstand Kanadas wichtigster Handelspartner. Die Unternehmensinvestitionen sind bereits fünf Quartale in Folge gesunken. Dauerhafte Unsicherheit könnte Investitionen weiter bremsen und Carneys Versuch erschweren, Kapital anzuziehen und die kanadische Wirtschaft stärker auf andere Absatzmärkte auszurichten.
Für Trump entsteht zugleich ein weiteres Problem. Je weniger Kanada daran glaubt, durch Verhandlungen verlässliche Bedingungen erreichen zu können, desto geringer wird der Wert. Sollte Carney wirtschaftlich durchhalten und politisch Rückendeckung behalten, könnte Ottawa anderen Handelspartnern demonstrieren, dass Widerstand gegen Washington möglich ist. Für Trump wäre das eine unangenehme Entwicklung: Nicht die Höhe seiner Zölle wäre dann das größte Hindernis für neue Handelsabkommen, sondern der schwindende Glaube daran, dass sich ein Deal mit den USA überhaupt noch lohnt.
Fazit: Kurzfristig besitzt Washington aufgrund der Größe des US-Marktes die stärkeren wirtschaftlichen Hebel und Argumente. Doch Kanada setzt darauf, dass politische Geschlossenheit und staatliche Hilfen diesen Vorteil abschwächen. Hält Carney durch, könnte ausgerechnet Trumps Strategie des maximalen Drucks dazu führen, dass er immer weniger Deals bekommt. Das zeigt sich auch ganz klar in den Verhandlungen mit dem Iran und anderen "Partnern". Trumps Strategie hat seine besten Zeiten hinter sich, die anderen haben sich darauf eingestellt.
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