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Kommentar
14:22 Uhr, 15.09.2026

ETFs: Tausch von Tech- in globale Indizes

Auch am ETF-Markt steigt die Skepsis gegenüber KI. Viele nehmen Gewinne aus Tech-Aktien mit und streuen breiter. Der erneute Ölpreisanstieg sorgt für viel Umsatz mit Öl-ETCs.

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15. September 2026. FRANKFURT (Deutsche Börse). Neu aufgeflammte KI-Sorgen und der nochmals höhere Ölpreis bestimmen den ETF-Handel. Insgesamt überwiegen zwar die Käufe, wie Frank Mohr von der Société Générale berichtet. „Nasdaq-ETFs werden aber eindeutig verkauft.“

Die Chefs wichtiger KI-Unternehmen wie Anthropic und OpenAI hatten eindringlich vor den Risiken von KI gewarnt und eine Verlangsamung der Entwicklung eingefordert. Am ETF-Markt ist die Skepsis gegenüber KI schon spürbar: „Wir sehen einen Switch von Tech- in die breiter streuenden globalen Indizes“, berichtet Mohr. Nasdaq-Tracker würden kräftig verkauft. „Offenbar traut man dem Thema KI nicht mehr.“

Gewinnmitnahmen und breite Streuung

Gekauft werden Mohr zufolge dafür MSCI World-Tracker, etwa von iShares und Xtrackers oder der Vanguard FTSE All-World (<IE00BK5BQT80>) sowie der neue Vanguard FTSE Global All-Cap (<IE000VAHT5T0>). Der Letztere bietet Zugang zu Unternehmen mit hoher, mittlerer und geringer Marktkapitalisierung aus Industrie- und Schwellenländern weltweit, die Gesamtkostenquote liegt nur bei 0,07 Prozent. Für den extrem beliebten Vanguard FTSE All-World hatte Vanguard die Kosten kürzlich von 0,19 auf 0,14 Prozent gesenkt.

Auch US-Aktien stehen bei der Société Générale-Kundschaft auf den Einkaufslisten, etwa der SPDR S&P 500 (<IE000XZSV718>). Europäische Aktien würden ebenfalls mehr ge- als verkauft, spielten aber keine so große Rolle. „Deutsche Aktien machen nur 4 Prozent der Umsätze von Aktien-ETFs aus“, ergänzt Mohr. Beliebt hier: DAX-Tracker von iShares (<DE0005933931>) oder Xtrackers (<LU0274211480>), aber auch ShortDAX-ETFs, mit denen auf Kursverluste gesetzt wird.

Kein Sommerloch

Im Sommer wurde mehr als kräftig in ETFs investiert, wie das ETF-Analyse- und Handelshaus Crossflow berichtet: „Von wegen Sommerloch! Ein Investitionsvolumen von 128,3 Milliarden Euro innerhalb von nur drei Monaten hat der europäische ETF-Markt noch nie zuvor gesehen“, heißt es. Crossflow setzt die Volumen ins Verhältnis zu den Vorjahren: „Während das durchschnittliche monatliche Investitionsvolumen 2022 im Aktienbereich noch bei 4,3 Milliarden Euro lag, waren es 2024 bereits 16,5 Milliarden Euro, letztes Jahr 20,9 Milliarden Euro und bis August nun stramme 29 Milliarden Euro im Monat.“ Damit habe sich der Zufluss innerhalb weniger Jahre mehr als versechsfacht.

„Alles, was mit Öl zu tun hat“

Bei der ICF Bank geht es um „Rohstoffe, Rohstoffe und Rohstoffe“, wie Frank Wöllnitz meldet. Der Ölpreis ist zuletzt deutlich gestiegen. Das Barrel Brent kostet am Dienstagmittag 108 US-Dollar – der höchste Stand seit Mai. „Alles, was mit Öl zu tun hat, ist gesucht, etwa WTI-ETCs“, meldet Wöllnitz. „Massive Käufe“ sieht er auch für den WisdomTree Broad Commodities (<IE00BKY4W127>), der den Bloomberg Commodity Total Return Index abbildet. Bei Lang & Schwarz geht in Öl-ETCs wie dem WisdomTree Brent Crude Oil 3x Daily Leveraged (<IE00BMTM6D55>) viel um, wie Andreas Schröer berichtet. „Das sind vor allem Käufe.“

Nicht mehr so gut an wie in den Vorwochen kommen Wöllnitz zufolge Gold-ETCs und Goldminen-ETFs. „Die werden überwiegend abgegeben“, stellt er fest. Eine Ausnahme: der währungsgesicherte Invesco Physical Gold EUR Hedged (<XS2183935274>). Schröer zufolge wird noch auf den VanEck Junior Gold Miners (<IE00BQQP9G91>) gesetzt. Der Goldpreis hat einen großen Teil seiner Gewinne aus dem August wieder abgegeben. Die Unze kostet aktuell 4.265 US-Dollar.

Gold-ETCs beliebt wie nie

Im August flossen Gold-ETCs so viele Mittel zu wie noch nie. Crossflow spricht von „einem echten Kracher“ mit 5,7 Milliarden Euro an Zuflüssen – den höchsten, seitdem es ETCs gebe. Dabei landeten gleich drei Physical Gold-ETCs auf den vorderen Plätzen der Top 10-Tabelle mit den höchsten Mittelzuflüssen in ETFs und ETCs, und zwar der iShares Physical Gold, der Invesco Physical Gold und der Amundi Physical Gold.

Gesundheitsaktien gefragt

Was weitere Branchen angeht, sind Gesundheit und Energie Themen. „Gesundheitsaktien werden meist gekauft“, meldet Mohr mit Blick auf den iShares Nasdaq US Biotechnology (<IE00BYXG2H39>). Eher abgestoßen würden Energie-ETFs. „Das dürften Gewinnmitnahmen sein.“ Ein Favorit der ICF-Kundschaft bleibt der L&G Clean Water (IE00BK5BC891). Ebenfalls gesucht: der WisdomTree Europe Infrastructure (<IE000AFVONT7>).

Anleihen: Nicht mehr nur Geldmarkt

Im Handel mit Anleihen-ETFs dominieren einmal mehr Geldmarkt-Tracker, wie Mohr feststellt. Doch auch eine breite Palette anderer Produkte sei beliebt: US-inflationsindexierte Anleihen (TIPS) etwa, dazu spanische Staatsanleihen oder Covered Bonds.

Frank Mohr

Einiges los ist Schröer zufolge im Handel mit Krypto-ETNs, mit Zu- und Abflüssen. „Da geht es fast nur um Bitcoin, nicht die zweite oder dritte Reihe.“ Der Bitcoin wird aktuell zu knapp 77.000 US-Dollar gehandelt – trotz jüngstem Anstieg immer noch deutlich unter dem Rekordstand von Oktober bei über 125.000 US-Dollar.

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Von Anna-Maria Borse, 15. September 2026, © Deutsche Börse AG

Über die Autorin

Anna-Maria Borse ist Finanz- und Wirtschaftsredakteurin mit den Schwerpunkten Finanzmarkt/Börse und volkswirtschaftliche Themen.

Feedback und Fragen an live@deutsche-boerse.com