Kommentar
10:15 Uhr, 06.01.2026

ETFs 2026: „Für viele Privatanleger Vehikel der Wahl“

Aktive, Buffer- oder Laufzeit-ETFs – zwar gibt es immer wieder neue Konzepte auf dem Markt. Das Gros der Mittel wird nach Einschätzung von Branchen-Insidern aber weiter in die großen Aktienindizes fließen.

6. Januar 2026. FRANKFURT (Deutsche Börse). Nach dem Rekordjahr ist vor dem Rekordjahr – auch für 2026 erwarten viele ein weiteres Jahr der Superlative für den ETF-Markt. „ETFs sind in Europa derzeit das Anlageprodukt, das am schnellsten wächst“, heißt es in der People & Money-Studie von BlackRock. Demnach sollen in den nächsten 12 Monaten allein in Deutschland 1,6 Millionen neue ETF-Anlegerinnen und -anleger hinzukommen.

Damit würde sich die Erfolgsserie von ETFs fortsetzen. Denn schon zwischen 2022 und 2025 stieg die Zahl der ETF-Anlegerinnen und -Anleger hierzulande von 9,2 auf 14,5 Millionen. „Was vor 25 Jahren in Europa als Instrument für institutionelle Investoren begann, hat sich zu einer Anlageoption entwickelt, die heute Millionen Menschen dabei unterstützt, ihre langfristige finanzielle Zukunft zu gestalten“, heißt es in der Studie. Stefan Kuhn, Head of ETF & Index Distribution von Fidelity International, sieht drei Gründe für den Siegeszug von ETFs: Kosteneffizienz, einfacher Marktzugang und regulatorische Sicherheit. „Solange diese drei Treiber vorhanden sind, bleibt der ETF für viele Privatanleger das Vehikel der Wahl.“

Aktive ETFs: „Große Bewährungsprobe steht noch aus“

2025 waren aktive ETFs großes Thema. Der Markt wird nach Einschätzung von Michael Mohr, globaler Leiter der Xtrackers-Produkte bei der DWS, weiterwachsen. „Wir sehen eine Vielzahl neuer Anbieter in den Markt kommen. Neben traditionellen ETF-Anbietern auch bisher reine aktive Manager sowie US-Vermögensverwalter und sogar ganz neue Unternehmen“, erklärt er in einem Interview. Mohr geht davon aus, dass sich neben professionellen Fondsinvestoren und Vermögensverwaltern zunehmend auch Private und Selbstentscheider für aktive ETFs interessieren werden.

Auch für Stefan Kuhn von Fidelity sind aktive ETFs kein Nischenphänomen mehr. Erste Studien deuteten zudem an, dass sich aktive ETFs auch in puncto Performance gut schlügen. „Die große Bewährungsprobe, etwa in einem längeren Bärenmarkt, steht für aktive ETFs noch aus. Aber sollten sich die ersten positiven Anzeichen bestätigen, könnte dies der Produktklasse einen weiteren Schub verleihen“, betont er.

„Nicht alles eins zu eins in passiven Bereich übertragbar“

Auch Frank Mohr, Leiter des ETF-Handels bei der Société Générale, wird sich der Erfolg aktiver ETFs fortsetzen. Er sieht aber auch Grenzen: „Nicht alle Anlagekonzepte aus dem aktiven Bereich lassen sich eins zu eins in den passiven Bereich übertragen“, betont er und verweist auf die Rolle der Market Maker im ETF-Geschäft. Diese müssen zur Berechnung des ETF-Preises das Konzept genau kennen. „Manche Fondsmanager aus dem aktiven Bereich wollen ihr Konzept aber nicht so gerne publik machen.“

Relativ neu sind auch ETFs mit Sicherheitspuffer („Buffer-ETFs“). Analog zu aktiven Fonds bilden sie die Entwicklung eines Aktienindex bis zu einer Obergrenze ab und bieten gleichzeitig einen Puffer gegen Verlusten nach unten – umgesetzt über Optionen. „Diese Art von ETFs sind in den USA extrem erfolgreich“, bemerkt Frank Mohr. Er erwartet für Europa ebenfalls weitere neue Produkte. Angesichts des umfangreichen Angebots an Zertifikaten hierzulande rechnet er aber nicht mit einer ähnlichen Entwicklung wie in den USA.

„Laufzeit-ETFs weiter interessant – trotz gesunkener Renditen“

Im Anleihebereich konnten zudem die 2023 erstmals emittierten Laufzeit-ETFs beachtliche Mittel einsammeln. „Diese Produkte verbinden die Vorteile von Anleihen − wie eine feste Laufzeit, planbarere potenzielle Zinserträge und Rückzahlung zum Ende der Laufzeit – mit den Diversifikations- und Liquiditätsvorteilen von ETFs“, erläutert Mohr von der DWS. Er sieht diese trotz etwas gesunkener Renditen weiterhin als ein gutes Instrument an, um aktuelle Renditen langfristig oder einen bestimmten Zeitraum festzuzurren.

Schub durch Altersvorsorgereform in Deutschland

Trotz immer neuer Konzepte: Das Gros der Gelder floss 2025 in Standardindizes. „Grundsätzlich sehe ich weiter die höchsten Mittelzuflüsse in den großen Kategorien wie weltweite Aktien der entwickelten Märkte oder auch einzelnen Themen“, erklärt Michael Mohr von der DWS. Produktseitig erwartet er, dass sich die Ausdifferenzierung weiter fortsetzen wird, etwa durch weitere Arten von aktiven ETFs oder Strukturen, die auch in volatilen Marktphasen attraktive Chancen bieten.

Einen neuen Schub für den ETF-Markt erwartet Frank Mohr von der Société Générale im Übrigen durch die geplante Altersvorsorgereform und „Frühstart-Rente“ in Deutschland. „ETFs dürften dabei eine tragende Rolle spielen“, ist er überzeugt. Die DWS begrüßen jeden Schritt hin zur Ermutigung der Bevölkerung, private Vorsorge zu betreiben. „Neben dem individuellen Nutzen für Anleger fließt dadurch auch mehr Geld von Bankkonten in die Unternehmen und kann so positive wirtschaftliche Entwicklungen unterstützen“, erklärt Michael Mohr.

Von Anna-Maria Borse, 6. Januar 2026 © Deutsche Börse AG

Über die Autorin

Anna-Maria Borse ist Finanz- und Wirtschaftsredakteurin mit den Schwerpunkten Finanzmarkt/Börse und volkswirtschaftliche Themen.

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