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10:15 Uhr, 22.09.2026

Dreifache Chip-Leistung und 10-Billionen-Parameter-Pläne: Alibabas KI-Offensive

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Das Wichtigste in Kürze

  1. 01Neuer KI-Chip vorgestellt: Alibaba hat den KI-Beschleuniger Zhenwu V900 mit der dreifachen Leistung des Vorgängers M890 vorgestellt; die Serienproduktion ist für das erste Quartal 2027 geplant.
  2. 02Riesige Modelle geplant: Die künftigen Modellreihen Qwen 4.5 und Qwen 5 sollen auf 5 bis 10 Billionen Parameter skalieren.
  3. 03Aktie deutlich im Plus: Die Hongkonger Alibaba-Aktie stieg am 22. September intraday laut Reuters um rund 5 Prozent.

Neuer Chip, riesige Modelle: Alibaba legt auf der Apsara-Konferenz nach

Alibaba hat am 22. September auf seiner jährlichen Apsara-Konferenz einen neuen KI-Beschleuniger vorgestellt und zugleich die nächsten Stufen seiner Modellstrategie skizziert. Der Chip trägt den Namen Zhenwu V900 und wurde von Alibabas Halbleitereinheit T-Head entwickelt. Er ist für das Training und die Inferenz großer Sprachmodelle gedacht und richtet sich damit an genau die beiden Arbeitslasten, die in KI-Rechenzentren die meiste Hardware binden.

Laut Alibaba erreicht der V900 die dreifache Leistung seines Vorgängers Zhenwu M890. Der Chip verfügt über 216 GB GPU-Speicher und eine Inter-Chip-Bandbreite von 1200 GB/s. Beide Werte sind entscheidend für den Betrieb großer Modelle: Der Speicher bestimmt, wie große Modelle überhaupt auf einer Karte Platz finden, die Bandbreite, wie schnell die Karten untereinander Daten austauschen. Die Massenproduktion und die kommerzielle Einführung sind für das erste Quartal 2027 vorgesehen. Ein auf dem V900 basierender Cluster soll bis zu 500.000 Beschleunigerkarten für Training und Inferenz unterstützen.

Alibaba bezeichnet den Zhenwu V900 als leistungsstärksten KI-Chip Chinas.

CNBC, 22. September 2026

Die Markteinführung fällt in eine Phase, in der chinesische Technologiekonzerne wegen US-Exportbeschränkungen verstärkt eigene Alternativen zu ausländischen KI-Prozessoren aufbauen. Der Zeitplan ist ambitioniert: Bis der V900 in Serie geht, dauert es noch Monate. Was heute vorgestellt wurde, ist vor allem ein Baustein der größeren Strategie, die Alibaba-Chef Eddie Wu auf der Konferenz vorstellte.

Qwen 4.5 und Qwen 5: Modelle mit bis zu 10 Billionen Parametern

Neben der Hardware kündigte Alibaba auch die nächste Generation seiner Qwen-Modellreihe an. Qwen 4 befindet sich laut Unternehmensangaben derzeit im Training. Die Folgemodelle Qwen 4.5 und Qwen 5 sollen perspektivisch auf 5 bis 10 Billionen Parameter skalieren.

Das ist eine deutliche Steigerung gegenüber den heutigen Modellen. Ein konkreter Zeitplan für Qwen 4.5 und Qwen 5 wurde nicht genannt. Die Parameterzahl gilt als grober Hinweis auf die Größe und potenzielle Fähigkeiten eines Modells, garantiert aber weder bessere Qualität noch schnellere Einnahmen. Mit der nächsten Modellgeneration will Alibaba nach eigenen Angaben komplexere Aufgaben über längere Zeiträume lösen können. Für die geplanten Größenordnungen sind wiederum die eigenen Chips und Rechenzentren die Voraussetzung, denn Modelle mit Billionen von Parametern lassen sich nur in entsprechend dimensionierten Verbünden trainieren.

Das Qwen-Team meldete zudem Fortschritte bei der rekursiven Selbstverbesserung von Modellen. Dabei erkennen Systeme ihre eigenen Grenzen, entwerfen Experimente und erzeugen daraus neue Trainingsdaten. Ziel ist ein Kreislauf, in dem Modelle sich zunehmend selbst weiterentwickeln.

Was Parameter bei KI-Modellen bedeuten

Parameter sind die verstellbaren Werte in einem neuronalen Netz, die während des Trainings gelernt werden. Mehr Parameter erlauben einem Modell grundsätzlich, komplexere Zusammenhänge zu speichern. Der Preis dafür sind höherer Rechenaufwand und Energieverbrauch beim Training und im Betrieb. Eine hohe Parameterzahl allein sagt deshalb wenig über die Qualität eines Modells aus.

Alibaba Cloud will bis 2032 auf mehr als 20 Gigawatt wachsen

Die dritte Säule der Ankündigungen betrifft die Rechenzentren. Alibaba Cloud plant, seine globale Rechenzentrumskapazität bis 2032 auf mehr als 20 Gigawatt auszubauen. Zum Vergleich: Das entspricht der Leistung mehrerer großer Kernkraftwerke und zeigt, welche Dimensionen der geplante KI-Ausbau hat.

Der Ausbau stößt allerdings an Grenzen. Laut CNBC nannte das Management die Nachfrage nach KI-Rechenleistung außergewöhnlich stark und exponentiell wachsend, gleichzeitig begrenzten Engpässe bei Komponenten und Energie das Expansionstempo. Die Lieferkette für KI-Rechenzentren ist damit der begrenzende Faktor, nicht die Nachfrage.

Die eigenen KI-Supernodes, also besonders leistungsfähige Rechenverbünde, sollen laut Ankündigung noch im laufenden Quartal im kommerziellen Maßstab online gehen. Für Alibabas Cloud-Sparte ist der Rechenzentrumsausbau die Voraussetzung, um die Nachfrage nach Trainings- und Inferenzkapazität überhaupt bedienen zu können. Für Kunden der Cloud bedeutet das: Rechenleistung, die Alibaba selbst bereitstellt, wird künftig auch als Dienstleistung verkauft.

Markt reagiert positiv: Alibaba-Aktie mit deutlichem Anstieg

Die Ankündigungen kamen bei Anlegern gut an. Die in Hongkong notierte Alibaba-Aktie stieg laut Reuters am 22. September intraday um rund 5 Prozent beziehungsweise mehr als 4,5 Prozent. Damit setzte sie die Gewinne der vergangenen Handelstage fort.

Die Reaktion zeigt, wie stark der Markt Alibabas KI-Aussichten inzwischen einpreist. Nach Reuters erreichte das Papier dabei den höchsten Stand seit dem 21. August. Bemerkenswert ist der Anstieg auch deshalb, weil auf der Konferenz keine kurzfristigen Finanzkennzahlen neu waren: Investoren bewerteten vielmehr die Perspektive, dass Alibaba die KI-Wertschöpfung künftig stärker in der eigenen Hand hält.

Warum die Full-Stack-Strategie für Alibaba zählen könnte

Der Kern der Ankündigungen ist die Abdeckung der gesamten KI-Wertschöpfungskette: eigene Modelle über die Qwen-Reihe, eigene Chips mit dem Zhenwu V900 und eigene Rechenzentren über Alibaba Cloud. Kein anderes chinesisches Unternehmen hat derzeit eine vergleichbar breite Positionierung in allen drei Ebenen.

Diese Kombination könnte Alibaba langfristig einen Vorteil verschaffen, weil das Unternehmen nicht auf externe Chip-Lieferanten angewiesen ist und die eigenen Modelle direkt auf der eigenen Hardware betreiben kann. Übertragen lässt sich das möglicherweise in höheres Cloud-Wachstum und bessere Margen, sofern der Ausbau planmäßig gelingt.

Die Risiken liegen auf der Hand. Der kommerzielle Start des V900 ist erst für das erste Quartal 2027 geplant, der Rechenzentrumsausbau bis 2032 hängt an Lieferketten und Energieverfügbarkeit, und für Qwen 4.5 und Qwen 5 gibt es keinen Zeitplan. Kurzfristig bleibt die Aktienbewertung damit stark von künftigen Meilensteinen abhängig: der Inbetriebnahme der KI-Supernodes im laufenden Quartal, den Chip-Auslieferungen ab 2027 und dem Fortschritt beim Training von Qwen 4. Details zu Chip und Strategie finden sich in der Pressemitteilung von Alibaba Cloud.

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