Fundamentale Nachricht

Deutschland und die Wachstumslüge

Spätestens seit der Finanzkrise gilt Deutschland als wirtschaftlicher Motor in ganz Europa. Dabei ist die deutsche Wirtschaft beim Wachstumstempo bestenfalls durchschnittlich.

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Ist Deutschland die Wachstumslokomotive in Europa? Die deutsche Wirtschaft hat sich von der Finanzkrise deutlich schneller erholt hat als viele andere Volkswirtschaften in- und außerhalb Europas und die Arbeitslosigkeit ist gerade im Vergleich mit den anderen europäischen Ländern sehr gering.

Doch die Behauptung, Deutschland sei der wirtschaftliche Motor in Europa, ist eine glatte Lüge. Im längerfristigen Vergleich gehört Deutschland eher zu den Schlusslichtern. Die folgende Grafik zeigt die durchschnittlichen Wachstumsraten wichtiger Volkswirtschaften von 1971 bis 2015. Die Daten stammen von der Weltbank.

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Nicht nur die asiatischen Schwellenländer, sondern auch eher vergleichbare Volkswirtschaften wie die USA oder Großbritannien wuchsen in den vergangenen viereinhalb Jahrzehnten schneller als die deutsche Wirtschaft. Sogar Frankreich und Spanien, die seit der Euro-Krise als wirtschaftlich angeschlagen gelten, hängten Deutschland locker ab. Unter den dargestellten Volkswirtschaften landete nur Italien hinter Deutschland, und das auch nur knapp.

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Seit der Finanzkrise wuchs die deutsche Wirtschaft zwar schneller als die Wirtschaft in den meisten anderen Ländern Europas, doch auch hier konnte die deutsche Wirtschaft mit Ländern wie Australien, Kanada oder den USA nicht ganz mithalten. Inzwischen ist sogar Spanien wieder an Deutschland vorbeigezogen: Im vergangenen Jahr wuchs die spanische Wirtschaft um 3,2 Prozent und damit mehr als doppelt so schnell wie die deutsche Wirtschaft, was insbesondere eine Folge des zuvor starken Einbruchs ist.

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In der Zeit des Wirtschaftswunders nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte Deutschland tatsächlich zur Weltspitze bei den Wachstumsraten. Die deutsche Wirtschaft profitierte nicht nur von der Notwendigkeit des Wiederaufbaus und von Nachholeffekten, sondern vor allem auch von der Wiedereinführung marktwirtschaftlicher Strukturen und der Deregulierung der Wirtschaft nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches.

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Mit Beginn der 1960er Jahre kam es dann zu zunehmender Regulierung und deutlich steigenden Steuern und Abgaben, die das Wachstum deutlich bremsten.

Deutschland könnte wohl auch heute – trotz des erreichten Wohlstandsniveaus – deutlich schneller wachsen, wenn die Politik mehr Vertrauen in die Marktkräfte hätte. Deutsche Unternehmen sind sehr leistungsfähig und überall auf der Welt erfolgreich, aber sie investieren bevorzugt in Märkten weit vom Heimatmarkt entfernt.

Durch einen Abbau der oft übermäßigen Regulierung und Steuer- und Abgabensenkungen könnte die Politik die Weichen für ein stärkeres Wachstum stellen.

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8 / 9 Kommentare

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  • Brainbow
    Brainbow

    Hallo Herr Baron,

    interessanter Artikel!

    Mich würde interessieren, ob es sich bei den oberen drei Grafiken ebenfalls um reale BIP-Wachstumsraten handelt.

    LG

    Brainbow

    15:58 Uhr, 05.08.2016
    1 Antwort anzeigen
  • einfach
    einfach

    für alle die rechnen können ergibt sich ein anders bild.

    bei der darstellung des bip jedes landes wird vergessen am ende der rechnung die neuverschuldung abzuziehen.

    zieht man z.b. bei dem usa bip die jährliche neuverschuldung ab ist das bip negativ.

    aber beim schönrechnen möchte gerne jeder ganz vorne stehen.

    14:38 Uhr, 05.08.2016
  • Korelewp
    Korelewp

    ausserdem wir BIP in jedem Land anderes berechnet- ohne einheitliche Regeln. Viel wichtiger ist das Thema INNOVATIONSKRAFT, - wieso wird sowas nicht in der VWL berechnet???

    12:53 Uhr, 05.08.2016
  • Korelewp
    Korelewp

    Schon das Thema Bip-Wachstum ist nur Theorie ohne Realitatsbezug; ich wohne in Polen wo das Bip-wachstum hoher liegt als zB. in Deutschland und trotzdem gehort das Land nicht zur europaischen Wirtschaftlokomotive und das Bip kuenstlich berechnet wird. Das hohe Bip entsteht durch von der EU subventionierten Infrastrukturbau (v.a. Strassen- Verkehrsbau)- hier verdienen Arbeiter im Durchschnitt 600 Euro/mtl. und haben vom so hochgeschraubten BIP keinen grossen Nutzen,. Schoene restaurierte Fassaden und Strassen bringen kein Brot, keine hohere Kaufkraft von Zloty, keine Lohnsteigerungen, keine Langfristperspektiven.

    12:49 Uhr, 05.08.2016
  • Schnutzelpuh
    Schnutzelpuh

    Dem Beitrag kann man nur zustimmen. So innovativ und leistungsstark können die Unternehmen gar sein, was durch die Steuer- und Abgabenpflicht wieder verpufft. Es wird immer von der Steuerbelastung gesprochen. Hier liegen wir nicht mal an der Spitze, sondern im Mittefeld. Was uns zu schaffen macht und in den Diskussionen wegen der Fokusierung auf die Steuerlast viel zu kurz kommt, ist die hohe Abgabenlast. In keinem Land in der Welt, ist die so hoch wie bei uns. Wir werden mit Dingen belastet, die andere Ländern gar nicht kennen.

    11:46 Uhr, 05.08.2016
  • Mitdenker
    Mitdenker

    Super Artikel... Endlich mal ein unzensierter Artikel der nicht Deutschland als Schlaraffenland für die Welt hinstellt... Das Problem in Deutschland ist die Hohe Inflation und die zu gering steigende Lohnentwicklung.. Und das wird Deutschland richtig auf die Füsse fallen....

    11:42 Uhr, 05.08.2016
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Oliver Baron
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Experte für Anlagestrategien

Oliver Baron ist Finanzjournalist und seit 2007 als Experte für stock3 tätig. Er beschäftigt sich intensiv mit Anlagestrategien, der Fundamentalanalyse von Unternehmen und Märkten sowie der langfristigen Geldanlage mit Aktien und ETFs. An der Börse fasziniert Oliver Baron besonders das freie Spiel der Marktkräfte, das dazu führt, dass der Markt niemals vollständig vorhersagbar ist. Der Aktienmarkt ermöglicht es jedem, sich am wirtschaftlichen Erfolg der besten Unternehmen der Welt zu beteiligen und so langfristig Vermögen aufzubauen. In seinen Artikeln geht Oliver Baron u. a. der Frage nach, mit welchen Strategien und Produkten Privatanleger ihren Börsenerfolg langfristig maximieren können.

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