Kommentar
14:38 Uhr, 08.10.2008

Deutschland: Produktionsdaten - inhaltsleer

1. Die Produktion im deutschen produzierenden Gewerbe nahm im August überraschend stark um 3,4 % mom zu (Bloomberg-Median: -0,3% mom, DekaBank: 1,1 % mom). Das ist der zweithöchste Anstieg aller Zeiten. Der höchste Anstieg war im Rezessionsjahr 1993 – ebenfalls im August zu verzeichnen. Das war kein Zufall.

2. Es gibt Monate, in denen viel passiert, über die es sich aber nicht lohnt viel zu schreiben. So ist es mit den Augustdaten für die Auftragseingänge und die Produktion. In beiden Fällen führte eine merklich geringere Anzahl von Ferientagen zu einer Überzeichnung der Entwicklung. Das geht wie folgt:

Im August kommt es typischerweise aufgrund der Schulferien zu einer geringeren Produktion, was aber kein konjunkturelles, sondern ein saisonales Phänomen ist. Daher korrigiert das Saisonbereinigungsverfahren die Produktion auf Basis der durchschnittlichen Ferientage nach oben. In Zeiten – wie jetzt –, in denen es deutlich weniger Ferientage gab, wäre eine geringere Korrektur nötig. Da sich die Korrektur aber an der durchschnittlichen Entwicklung orientiert, fällt sie zu hoch aus.

3. Um der Pflicht des Chronisten Rechnung zu tragen, folgen dennoch einige Zeilen zu den Ergebnissen. Die Energieproduktion nahm um 3,6% mom, die Bauproduktion um 5,5% mom und die Industrie produktion um 3,2% mom zu. Alle industriellen Hauptgruppen verzeichneten Zuwächse. Dass die heutigen Daten wohl verzerrt sind, zeigt der Blick auf die Gebrauchsgüterproduktion, die um sage und schreibe 8,7% mom zulegte.

4. Interessanter als die heutigen Daten ist der Ausblick, und der bleibt trist. Die Auftragsbestände schmelzen immer stärker ab, denn es wird derzeit noch mehr produziert als an neuen Aufträgen herein kommt. So ging denn auch die Relation aus Auftragseingängen und Umsätzen (Book-to-Bill-Ratio) rapide zurück und liegt inzwischen auf Rezessionsniveau. Am Trend hat sich nichts geändert. Darauf deuten die Frühindikatoren hin, die sich im freien Fall befinden. Exemplarisch sei dies am Deka-Handelspartnerklima verdeutlicht, einem Indikator, der die Stimmung in den 30 wichtigsten Handelspartnerländern exportgewichtet zusammenfasst. Für die exportlastige deutsche Industrie ist dieser Indikator bestens geeignet. Das Handelspartnerklima deutet auf einen weiteren kräftigen Rückgang der Produktionszahlen hin. Meldungen aus der Automobilindustrie über Produktionsdrosselungen unterstreichen dies.

Quelle: DekaBank

Die DekaBank ist im Jahr 1999 aus der Fusion von Deutsche Girozentrale - Deutsche Kommunalbank- und DekaBank GmbH hervorgegangen. Die Gesellschaft ist als Zentralinstitut der deutschen Sparkassenorganisation im Investmentfondsgeschäft aktiv. Mit einem Fondsvolumen von mehr als 135 Mrd. Euro und über fünf Millionen betreuten Depots gehört die DekaBank zu den größten Finanzdienstleistern Deutschlands. Im Publikumsfondsgeschäft hält der DekaBank-Konzern einen Marktanteil von etwa 20 Prozent.

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Über den Experten

Thomas Gansneder
Thomas Gansneder
Redakteur

Thomas Gansneder ist langjähriger Redakteur der BörseGo AG. Der gelernte Bankkaufmann hat sich während seiner Tätigkeit als Anlageberater umfangreiche Kenntnisse über die Finanzmärkte angeeignet. Thomas Gansneder ist seit 1994 an der Börse aktiv und seit 2002 als Finanz-Journalist tätig. In seiner Berichterstattung konzentriert er sich insbesondere auf die europäischen Aktienmärkte. Besonderes Augenmerk legt er seit der Lehman-Pleite im Jahr 2008 auf die Entwicklungen in der Euro-, Finanz- und Schuldenkrise. Thomas Gansneder ist ein Verfechter antizyklischer und langfristiger Anlagestrategien. Er empfiehlt insbesondere Einsteigern, sich strikt an eine festgelegte Anlagestrategie zu halten und nur nach klar definierten Mustern zu investieren. Typische Fehler in der Aktienanlage, die oft mit Entscheidungen aus dem Bauch heraus einhergehen, sollen damit vermieden werden.

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