Kommentar
12:32 Uhr, 31.05.2006

Der Mai als Wonnemonat für den Arbeitsmarkt

1. Nachdem die Witterung und verschiedene Sondereffekte im ersten Quartal 2006 dem deutschen Arbeitsmarkt einen bösen Streich gespielt hatten und erst der April eine Besserung angezeigt hatte, sorgt nun der Mai für eine weitere positive Überraschung. Mit einem Rückgang um 255 Tausend gegenüber April ist die Anzahl der registrierten Arbeitslosen nicht saisonbereinigt auf 4,535 Millionen Personen gefallen. Von dem Rückgang entfielen 155 Tausend auf Westdeutschland und rund 100 Tausend auf Ostdeutschland. Bereinigt um saisonale Effekte ergibt sich ein Rückgang gegenüber dem Vormonat um 93 Tausend Personen auf jetzt 4,598 Millionen Menschen. Das war vom Markt in diesem Ausmaß nicht erwartet worden, wir waren zu Recht optimistischer (Bloomberg-Median: -20 Tausend; DekaBank: -45 Tausend Personen).

2. Der Mai entpuppt sich als Wonnemonat für den Arbeitsmarkt. Neben der für die Jahreszeit üblichen Frühjahrsbelebung sind die gute Auftragslage im Baugewerbe und die allgemeine positive Konjunkturlage entscheidend für den starken Rückgang der Arbeitslosigkeit gewesen. Hinzu kommen nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit entlastende Effekte durch die Hartz IV-Arbeitsmarktreform, speziell die intensiven Bemühungen der Arbeitsämter bei der Vermittlung Langzeitarbeitsloser. Weitere Gründe können in der Fußball-Weltmeisterschaft vermutet werden, in deren Vorfeld neue Arbeitsplätze geschaffen wurden. Hier dürfte auch im nächsten Monat verstärkt Personal im Gastronomiegewerbe rekrutiert werden. Unterstützt wird der zurzeit positive konjunkturelle Gesamteindruck in der Zahl der an die BA gemeldeten offenen Stellen. Mit gut 565 Tausend gemeldeten Stellen wurde der höchste Bestand seit April 2001 erreicht. Rein rechnerisch bedeutet das, dass auf eine offene Stelle acht Arbeitslose kommen; im Dezember 2004 hatte dieser Wert noch bei 20 Arbeitslosen je Stelle gelegen. Saisonbereinigt übertraf die Zahl der gemeldeten Stellen erstmals seit Juni 2001 die Halbe-Million-Grenze.

3. Mit den jährlichen Mikrozensusergebnissen wurde die Anzahl der zivilen Erwerbspersonen um 331 Tausend auf 41,817 Millionen Personen angehoben. Der Anstieg ist auf die geänderte Erfassung der ehemaligen arbeitsfähigen Sozialhilfeempfänger im Rahmen der Hartz IV-Reform zurückzuführen. Die Arbeitslosenquote hat sich neben der konjunkturellen Verbesserung auch aus diesem Grund spürbar verringert. Nicht saisonbereinigt ist die Arbeitslosenquote von 11,5 % auf 10,8 % und saisonbereinigt von 11,3 % auf 11,0 % gefallen. Die vom Statistischen Bundesamt auf Basis der Telefonbefragung ermittelte ILO-Arbeitslosenquote fiel im April auf 7,9 % (nach 8,3 % im März).

4. Die Zahl der Erwerbstätigen (nach dem Inlandskonzept) in Deutschland ist im April um saisonbereinigt 10 Tausend auf 38,755 Millionen Personen angestiegen. Nicht saisonbereinigt gab es nach drei Monaten mit Vorjahresrückgängen um durchschnittlich 54 Tausend einen Anstieg um sechs Tausend Personen zu vermelden, gegenüber dem Vormonat betrug der Anstieg 168 Tausend auf jetzt 38,564 Millionen Personen. Obwohl die Erwerbstätigenstatistik einen Monat hinter der Arbeitslosenstatistik zurückliegt, deutet sich auch auf dieser Seite des Arbeitsmarktes eine Besserung an. Sorgen bereitet nach wie vor die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten (hier liegen Zahlen bis März vor). Doch auch hier dürfte die Talsohle im Februar erreicht worden sein. Die Märzzahlen in Verbindung mit den heutigen Arbeitslosenzahlen geben Anlass zu verhaltenem Optimismus.

Quelle: DekaBank

Die DekaBank ist im Jahr 1999 aus der Fusion von Deutsche Girozentrale - Deutsche Kommunalbank- und DekaBank GmbH hervorgegangen. Die Gesellschaft ist als Zentralinstitut der deutschen Sparkassenorganisation im Investmentfondsgeschäft aktiv. Mit einem Fondsvolumen von mehr als 135 Mrd. Euro und über fünf Millionen betreuten Depots gehört die DekaBank zu den größten Finanzdienstleistern Deutschlands. Im Publikumsfondsgeschäft hält der DekaBank-Konzern einen Marktanteil von etwa 20 Prozent.

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Über den Experten

Thomas Gansneder
Thomas Gansneder
Redakteur

Thomas Gansneder ist langjähriger Redakteur der BörseGo AG. Der gelernte Bankkaufmann hat sich während seiner Tätigkeit als Anlageberater umfangreiche Kenntnisse über die Finanzmärkte angeeignet. Thomas Gansneder ist seit 1994 an der Börse aktiv und seit 2002 als Finanz-Journalist tätig. In seiner Berichterstattung konzentriert er sich insbesondere auf die europäischen Aktienmärkte. Besonderes Augenmerk legt er seit der Lehman-Pleite im Jahr 2008 auf die Entwicklungen in der Euro-, Finanz- und Schuldenkrise. Thomas Gansneder ist ein Verfechter antizyklischer und langfristiger Anlagestrategien. Er empfiehlt insbesondere Einsteigern, sich strikt an eine festgelegte Anlagestrategie zu halten und nur nach klar definierten Mustern zu investieren. Typische Fehler in der Aktienanlage, die oft mit Entscheidungen aus dem Bauch heraus einhergehen, sollen damit vermieden werden.

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